Rückbesinnung auf Substanzwerte
Autozulieferer bleiben spannend

Die deutschen Autozulieferer stehen an der Börse im Schatten der Autohersteller. Zu Unrecht: Übernahmen sorgen immer wieder für Überraschungen. Ein Blick auf die Branche lohnt sich.

STUTTGART. Nicht nur die Aktien der Topverdienern unter den deutschen Automobilzulieferern schlugen im vergangenen halben Jahr den Dax. Die Papiere der deutschen Zulieferer haben sich auf breiter Front besser entwickelt als der Durchschnitt. Nach dem Ende des Internetbooms genießen sie wieder mehr Aufmerksamkeit. "Wir haben einen gewissen Trend zu mittleren Werten", sagt Jürgen Pieper, Analyst beim Bankhaus Metzler. "Zykliker sind in letzter Zeit wieder gefragt", ergänzt Lars Ziehn von der Deutschen Bank.

Dabei sind die Aussichten der Branche eher verhalten. Im vergangenen Jahr ging die Automobilproduktion weltweit um vier Prozent zurück. Hermann Scholl, Chef des zweitgrößten Automobilzulieferers Robert Bosch GmbH, sieht den Tiefpunkt der weltweiten Autokonjunktur noch nicht erreicht. Die Branche ist allerdings sehr heterogen. Dem Gelsenkirchner Automobilprofessor Ferdinand Dudenhöffer zufolge verdienen kleinere, spezialisierte Zulieferer meist deutlich besser als Systemlieferanten, die beispielsweise komplette Fahrwerke liefern.

Zu den sehr gut verdienenden Nischenanbietern gehören der MDax-Wert Beru und der am Neuen Markt notierte Sitzheizungsspezialist W.E.T mit zweistelligen Margen beim Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit). Dagegen verfehlt die Phoenix AG, ein Lieferant für Dämmsysteme, seit Jahren sein Renditeziel von 6 % Ebit.

Viele namhafte deutsche Autozulieferer sind nicht börsennotiert, sondern in Familienhand oder Stiftungen (Bosch, ZF Friedrichshafen). Firmen wie Siemens VDO Automotive oder Thyssen-Krupp gehören zu Mischkonzernen.

Übernahmephantasien locken

Laut Rolf Woller von der Hypo-Vereinsbank lohnt sich der Blick auf Zuliefereraktien auch, weil in der Branche Übernahmephantasie steckt. Die Konsolidierung gehe weiter. Zur Zeit sei das aber kein kurstreibender Faktor, sagt Ziehn.

Im Jahr 2000 wurden beispielsweise Börsenwerte wie der Batteriehersteller Varta oder der Türschlosshersteller Kiekert von Beteiligungsfirmen übernommen. Bei Beru stieg der US-Investor Carlyle ein, obgleich der Vorstand Widerstand leistete. Im Jahr 2001 machten vor allem nicht börsennotierte Hersteller Furore. Getriebespezialist ZF schnappte dem MDax-Unternehmen Continental die Mannesmann Sachs AG vor der Nase weg. Und das Familienunternehmen INA Schäffler wagte die feindliche Übernahme des börsennotierten Konkurrenten FAG Kugelfischer.

Begünstigt werden die Übernahmen durch die Eigentümerstruktur. Häufig halten Banken große Pakete. Zudem ist der Streubesitz und damit die Liquidität gering, dies schreckt große Investoren ab. Viele der Papiere seien deswegen unterbewertet, erläutert Woller.

Derzeit dreht sich das Übernahmekarussel in der global agierenden Branche etwas langsamer. "Viele müssen im eigenen Haus aufräumen", erklärt Erik Burgold von der BHF-Bank. Zudem fehle das Geld. So bietet Fiat seine Zuliefertochter Magneti Marelli wie Sauerbier an. Schub könnte aber die unklare Zukunft der amerikanischen TRW geben. US-Rüstungskonzern Northorp Grumman will TRW wegen deren Rüstungssparte erwerben, interessiert sich aber nicht für die Atuomobilsparte. "Es ist nach wie vor Musik drin", sagt Woller.

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