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Rückblick 2004: Handel blickt auf ein Krisenjahr zurück

Für den deutschen Einzelhandel war 2004 ein Krisenjahr. Zum dritten Mal in Folge ging der Branchenumsatz zurück, neben vielen kleinen Familienbetrieben geriet mit Karstadt-Quelle nun auch ein Branchenriese stark ins Wanken.

dpa-afx DÜSSELDORF. Für den deutschen Einzelhandel war 2004 ein Krisenjahr. Zum dritten Mal in Folge ging der Branchenumsatz zurück, neben vielen kleinen Familienbetrieben geriet mit Karstadt-Quelle nun auch ein Branchenriese stark ins Wanken. Tausende Mitarbeiter bangten um ihren Arbeitsplatz und hunderte Kommunen um das Aushängeschild in ihrer Innenstadt. Zwar verlief das Weihnachtsgeschäft erfreulich. Das reicht nach Verbandseinschätzung aber nicht aus, um der Branche ein Umsatzplus für das Gesamtjahr zu bescheren. "Das ist leider so sicher wie das Amen in der Kirche", sagt HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr.

Im Einzelhandel gingen nach HDE-Angaben in diesem Jahr etwa 20 000 der insgesamt 2,5 Mill. Arbeitsplätze durch Pleiten, Schließungen und Stellenabbau verloren. "Damit hat sich der Stellenabbau deutlich verlangsamt", erklärt Pellengahr. Im Jahr zuvor brachen mehr als 50 000 Arbeitsplätze in der Branche weg. In vielen Läden kann der Rotstift nicht mehr beim Verkaufspersonal angesetzt werden, meinen Experten. Der Aderlass ist aber noch nicht zu Ende. Große Einschnitte zeichnen sich bei Karstadt-Quelle ab. Die Sanierung des Essener Warenhaus- und Versandhandelskonzerns kostet 5 700 Stellen in den kommenden Jahren.

Pleitewelle Setzt Sich Fort

Größtes Sorgenkind des Einzelhandels ist weiter der Textilbereich. Die Krise des Marktführers Karstadt-Quelle war hier nur die Spitze des Eisberges. Der rund 40 000 Unternehmen zählende Textileinzelhandel lag bis Ende Oktober um zwei bis drei Prozent unter dem Umsatzniveau des Vorjahres. "Damit folgt Minus auf Minus", schildert Verbandspräsident Klaus Magnus. Schätzungsweise 2 500 weitere Unternehmen verschwanden durch Pleiten, Geschäftsaufgabe oder Verkauf 2004 vom Markt. Nicht einmal jeder fünfte Textileinzelhändler erwartete für 2004 nach der jüngsten Konjunkturumfrage vom Herbst ein Umsatzplus in der Kasse.

Neben der Kaufzurückhaltung der Verbraucher macht vielen Händlern der Vormarsch der Billiganbieter zu schaffen. Aber selbst für die erfolgsverwöhnten Lebensmittel-Discounter wurde das Konjunkturklima rauer. Ihre Aktionsware war so manche Woche kein Selbstläufer mehr. Die Erzrivalen Aldi und Lidl lieferten sich in diesem Jahr einen Preiskampf um ihr Standard-Sortiment und zwangen damit auch andere Einzelhändler, den Rotstift an ihrem Lebensmittel-Regal anzusetzen.

Metro

In ein Klagelied wollen aber bei weitem nicht alle Einzelhändler einstimmen. Gegen den Branchentrend wächst der größte Handelskonzern Deutschlands, Metro . Wachstumsmotoren sind neben den gleichnamigen Großhandelsmärkten die Elektronikketten Mediamarkt und Saturn. Großer Vorteil des Düsseldorfer Konzerns ist die starke Auslandsexpansion nach Osteuropa und Asien, mit der er sich zunehmend unabhängiger von der Inlandskonjunktur macht. Bereits jeder zweite Euro wird außerhalb des Heimatlandes eingenommen. Auch der Lebensmittelhändler Rewe ist mit seinem Frischekonzept auf Wachstumskurs im In- und Ausland.

Für 2005 sind die Handelsexperten wie der Geschäftsführer des EHI- Eurohandelsinstituts, Michael Gerling, verhalten optimistisch. "An die gute Stimmung im Weihnachtsgeschäft wollen wir anknüpfen", meint Verbandssprecher Pellengahr. Das erste Halbjahr werde problematisch. In der zweiten Jahreshälfte gebe es Chancen für steigende Umsätze, wenn sich die Lage auf Arbeitsmarkt zu entspannen beginne und den Verbrauchern ein Stück ihrer Zukunftssorgen genommen werde. Der erste Stimmungstest bei den Verbrauchern wird der Winterschlussverkauf, an dem viele Händler festhalten wollen und der am 24. Januar beginnt.

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