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Rückblick 2004: Konsolidierungs-Trend und Konkurrenz an Europas Börsen

Mehrere Vorstöße der Deutschen Börse in Richtung Konsolidierung der europäischen Börsenlandschaft haben das Jahr 2004 dominiert.

dpa-afx FRANKFURT. Mehrere Vorstöße der Deutschen Börse in Richtung Konsolidierung der europäischen Börsenlandschaft haben das Jahr 2004 dominiert. Immer wieder gab es im ablaufenden Jahr Gerüchte am Markt, dass die Deutsche Börse nach der gescheiterten Fusion mit der Londoner Stock Exchange (LSE) im Jahr 2000 wieder neue Gespräche suche - Mitte Dezember wurde es nun offiziell. Ein weiteres Thema im abgelaufenen Jahr: Beobachtern zufolge herrschten zum ersten Mal in Europa die Voraussetzungen für echte Konkurrenz unter den Börsenplätzen.

Die Frankfurter haben am 13. Dezember dieses Jahres nun ein neues Gebot für die LSE abgegeben, das Analysten wie etwa Konrad Becker von Merck Finck & Co als "sehr großzügig" ansehen. Die LSE dagegen hat es erst einmal als "zu niedrig" abgelehnt.

Wie zentral das Thema Übernahme/Fusion für die Deutsche Börse war und ist, zeigte im Jahresverlauf 2004 nicht nur, dass sich die Frankfurter mit Holger Wohlenberg einen Fusionsspezialisten der Deutschen Bank in die zweite Führungsebene holte. Im September unternahm die Börse einen unmissverständlichen Vorstoß in Richtung Schweizer Börse SWX. Nach ersten Gesprächen jedoch lehnten die Schweizer das Fusionsangebot der Deutschen Börse ab und hoben ihren Wunsch nach Unabhängigkeit hervor. Nicht die Gewinnmaximierung, sondern der Anlegernutzen stehe für die SWX im Vordergrund, hieß es. Fragen zur Mitgestaltung des Regelwerks, der Überwachung und des Anlegerschutzes seien offen geblieben, begründeten die Schweizer ihren Schritt zurück.

Ausgebliebene Aktienrückkäufe Schürten Spekulationen

Nachdem Finanzvorstand Mathias Hlubek schließlich zur Quartalsbilanz im November den Verzicht der Frankfurter auf ein Aktienrückkauf wiederholte, titelten die Medien, die Deutsche Börse stocke ihre Kriegskasse auf. Angesichts der hohen Barmittel von 600 Mill. Euro und des damit wachsenden Drucks durch die Aktionäre war dies kein einfaches Unterfangen, zumal sich die Deutsche Börse um klare Aussagen drückte.

Dem Wachstumsdruck unterworfen, suchen derzeit alle drei führenden europäischen Börsen - die Deutsche Börse, die Euronext und die LSE - ihre Schwierigkeiten beim Wachstum im operativen Geschäft durch die Erschließung neuer Geschäfte zu überwinden. Dafür wilderten sie 2004 zunehmend auf dem Terrain der Konkurrenz und lieferten sich diverse Preiskämpfe, um sich gegenseitig Marktanteile bei Aktien und Derivaten abzuluchsen.

Konkurrenz

"Zum ersten Mal herrschen in Europa die Voraussetzungen für Konkurrenz. Wir sind dazu bereit", hatte LSE-Chefin Clara Furse im Mai vor Journalisten gesagt und Handelsangebote in den Niederlanden angekündigt. Dort trat der Konkurrenzkampf mit Blick auf die dortigen Aktien und Optionen besonders zutage, da alle drei Börsen - Euronext, die Terminbörsen-Tochter Eurex der Deutschen Börse und der Schweizer SWX, und die LSE - hier aktiv sind.

Auch Eurex US Unter Wachstumsdruck

Zentrales Thema für die Deutsche Börse war im Jahr 2004 aber auch die Eurex US, die Anfang Februar mit zu hohen Erwartungen seitens der Analysten und Investoren an den Start gegangen war. Auch Pläne zum Aufbau des außerbörslichen Handels und Clearings standen im Fokus. Nachdem die Umsätze an der neuen Terminbörse der Eurex in Chicago in der ersten Jahreshälfte äußerst mager blieben, legten die Frankfurter im Juli ein Anreizprogramm auf. Seither stiegen die Volumina kräftig, auch wenn der Marktanteil der Kontrakte im Vergleich zur Konkurrenzbörse Cbot immer noch gering ist.

Die Einführung der ersten Phase der transatlantischen Clearingverbindung (GCL) im Oktober, die zunächst den Kunden in den USA die kostengünstige Abwicklung ihrer Wertpapiergeschäfte ermöglicht, war ein weiterer Schritt in Richtung Umsatzsteigerungen. Doch erst mit der noch ausstehenden Genehmigung zum Start der zweiten Phase, die im Jahr 2005 erwartet wird, dürfte Analysten zufolge der Durchbruch gelingen. Dann soll es den europäischen Handelsteilnehmern ermöglicht werden, ihre an der amerikanischen Börsentochter Eurex US gehandelten Produkte über Eurex Clearing abzuwickeln.

Ein weiteres wichtiges Thema 2004, für das die Deutsche Börse Finanzmittel in Höhe von 30 bis 40 Mill. Euro eingeplant hatte, war der Ausbau des außerbörslichen Handels und Clearinggeschäfts. Doch die Suche nach Vertragspartnern ist noch nicht abgeschlossen, weshalb die eingeplanten Finanzmittel noch nicht angetastet wurden.

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