Rückblick
2005 gibt Finanzmenschen Hoffnung

Was bleibt – außer der guten Börse – in Erinnerung, wenn man als Finanzmensch auf das Jahr 2005 zurückschaut?

Die Übernahme der HVB durch Unicredito: mit dem Erstaunen, dass nach der Übernahme tatsächlich die Italiener das Sagen haben und die Deutschen nichts mehr zu melden. Der Hurrikansommer: Bilder wie im Katastrophenfilm. Die erste Zinsanhebung der Europäischen Zentralbank seit langer Zeit: Die Politiker meckern. Der Rücktritt des italienischen Notenbankpräsidenten Fazio: Das Ende einer beschämenden Krise. Das Mannesmann-Urteil: Die Deutsche Bank verliert wohl einen der besten Chefs, die sie je hatte. Ach ja, und dann gab es da noch eine Bundestagswahl: großer Aufschlag für Merkel, großer Rückschlag für Merkel – und am Ende ist außer ihr kein großer Spieler mehr auf dem Platz.

Es ist also eine Menge passiert 2005. Das meiste davon stimmt, wenn man genau hinschaut, optimistisch. Beginnen wir mit Angela Merkel: Auch wer sie nicht gewählt hat, muss begrüßen, dass sie klare Führungsqualitäten zeigt. Nichts wäre fataler für Deutschland als eine große Koalition, in der jeder macht, was er will. Oder das Mannesmann-Urteil: Es ist beinahe tragisch für die Deutsche Bank und ihren Chef, der wahrscheinlich von allen Angeklagten am wenigsten überblickt hat, was er tat. Aber der Bundesgerichtshof hat ein klares Signal gesetzt, was er für richtig und falsch hält. Das war überfällig.

Auch die Zinserhöhung der EZB war ein guter Schritt. Sie signalisiert, dass die Zentralbank die Geldmenge noch im Blick behält und sich nicht von den Politikern unter Druck setzen lässt.

Selbst der Hurrikansommer dürfte für die Zukunft ein wichtiges Zeichen setzen: Das Klimaproblem ist nicht mehr zu leugnen. Ansätze zum Bewusstseinswandel sind hier auch nicht zu übersehen. Die US-Regierung tut sich zwar noch schwer damit, aber der US-Konzern General Electric geht das Klima-Thema jetzt mit Überzeugung an – eine unglaubliche Kehrtwende.

Fazios Rücktritt nimmt eine große Last von Italien, aber auch von der gesamten europäischen Notenbankszene. Und die Übernahme der HVB zeigt, dass Fusionen in Europa grenzüberschreitend möglich sind – der einheitliche europäische Bankenmarkt ist also mehr als eine Vision.

Alles in allem: Die Bilanz 2005 gibt Anlass zum Optimismus.

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