Rückblick
Dax-Chronik: Achterbahnfahrt im Schatten des Terrors

Durch die Anschläge in den USA am 11. September wurde an den internationalen Aktienmärkten eine steile Talfahrt ausgelöst, die nach einsetzender Erholung in dieser Woche zunächst gebremst wurde. Kriegs- und Rezessionsängste hatten in den Tagen direkt nach der Katastrophe das Handelsgeschehen beherrscht und zu Ausverkäufen geführt, die am 21. September in neuen Tiefstständen der wichtigsten Indizes gipfelten.















_______________________________________________ Erläuterung zum Candlestick-Chart: Bei Eröffnung über Schluss wird der Kerzenkörper schwarz, bei höherem Schluss- als Eröffnungskurs rot dargestellt.

Weitergehende Erläuterungen zu Candlestick-Charts _______________________________________________

gk/dpa/rtr/vwd FRANKFURT. Dabei stürzte der deutsche Aktienindex Dax in der Spitze um rund 24 % ab, der Dow-Jones-Index der New Yorker Börse brach zeitweise um rund 16 % ein. Von da an starteten die Börsen, von kurzen Ausnahmen abgesehen, eine Aufholjagd.



Börsianer sagten, die ausgemalten Kriegsszenarien hätten sich vorerst nicht erfüllt. Die herben Verluste, die im Zuge solcher Sorgen entstanden waren, würden nun teilweise wieder aufgeholt.

Dienstag, 11. September 2001: Gekaperte Flugzeuge bringen das World Trade Center zum Einstürzen und beschädigen das Pentagon. Die europäischen Aktienwerte begeben sich in einen freien Fall. In Deutschland beendet die Börse vorzeitig den Handel, wobei vor allem die Titel der Lufthansa sowie Versicherungswerte die größten Kursverluste erleiden. Der Dax bricht um 8,5 % ein. Die US-Börsen bleiben vorerst geschlossen.

Mittwoch, 12. September: US-Präsident George W. Bush bezeichnet die Terroranschläge als Kriegshandlungen und kündigt Vergeltung an. Die Aktienmärkte reagieren verunsichert, allerdings erholen sich Versicherungswerte von ihren deutlichen Verlusten des Vortages. Die US-Börse bleibt weiter geschlossen. Zahlreiche Aussteller auf der IAA in Frankfurt sagen einen Großteil geplanter Veranstaltungstermine ab.

Donnerstag, 13. September: Das stark gesunkene US-Verbrauchervertrauen belastet den Dax zeitweise. Die New Yorker Börse teilt mit, den Handel erst wieder am Montag aufzunehmen. Ölpreise, die nach den Anschlägen gestiegen waren, fallen auf das Niveau vor den Anschlägen zurück.

Freitag, 14. September: Zur Mittagszeit ruht der Handel in Europa für drei Minuten im Gedenken der Opfer der Anschläge. Angst vor möglichen Vergeltungsschlägen der USA lassen den Dax mit Verlusten von mehr als sechs Prozent auf dem tiefsten Stand seit fast drei Jahren schließen.

Wochenende, 15.,16. September: Die US-Börsenaufsicht SEC beschließt Sonderregeln für die Wiedereröffnung der US-Börsen, um Liquiditätsengpässe und heftige Kurausschläge zu vermeiden.

Montag, 17. September: Vor der Wiederaufnahme des Handels in New York senken die Notenbanken in den USA und Europa überraschend die Leitzinsen. Die Börsenaufsichtsbehörden in verschiedenen Ländern kündigen Untersuchungen zu ungewöhnlichen Aktienkursbewegungen vor den Anschlägen an. Der Dow Jones fällt um rund sieben Prozent auf den tiefsten Stand seit 1998.

Dienstag, 18. September: Die Zahl der Firmen, die ihre Geschäftsprognosen in Folge der Attacken korrigieren müssen, steigt an. Die Börsen beenden den Handel im Minus.

Mittwoch, 19. September: Der Dax bricht um 3,7 % ein, in New York fällt der Dow Jones-Index um 1,6 %. Die Lufthansa gibt nach Börsenschluss bekannt, einen Verlust für 2001 nicht mehr ausschließen zu können.

Donnerstag, 20. September: Die Münchner Rück verdoppelt ihre Schadensschätzungen aus den Anschlägen. US-Notenbankchef Alan Greenspan sagt, die Anschläge dürften kurzfristig einen bedeutenden Einfluss auf die US-Wirtschaft haben. Sowohl Dax als auch Dow Jones beschleunigen daraufhin ihre Talfahrt. Der Dax fällt dabei auf den tiefsten Stand seit November 1997.

Freitag, 21. September: Kriegsangst löst an den Handelsplätzen weltweit zeitweise Panik aus. Der deutsche Versicherer Allianz erhöht seine Schadensprognose und senkt seine Gewinnschätzung für 2001. Der Dow Jones verliert innerhalb der Woche rund 14 %. Die New Yorker Börsen erleiden in dem Zeitraum die größten Kursverluste seit der Depression in den Dreißiger Jahren.

Montag, 24. September: Die Börsen setzen zu einer breiten Erholung an. Der Dax durchbricht die Marke von 4000 Punkten nach oben und schließt rund 6,6 % fester. Investmentstrategin Abby Cohen empfiehlt die Aufstockung des Aktienanteils im Portfolio. Der Dow Jones steigt um rund 4,5 %.

Dienstag, 25 September: Das US-Wirtschaftsforschungsinstitut Conference Board gibt den seit Oktober 1990 stärksten Rückgang des US-Verbrauchervertrauens bekannt. Die Wall Street schloss dennoch im Plus.

Mittwoch, 26. September: Das IFO-Institut schätzt, dass die konjunkturelle Abschwächung der Weltwirtschaft noch gestoppt werden kann. Die politische Situation und Ölpreis müssten dafür aber stabil bleiben. Delta Airlines kündigt den Abbau von 13 000 Stellen an. Der Dax legt leicht zu.

Donnerstag, 27. September: Die EZB lässt die Leitzinsen erwartungsgemäß unverändert. Mit Erleichterung wurde an den Aktienmärkten die Entscheidung der OPEC aufgenommen, die Förderquoten vorerst unverändert zulassen. Die Angst vor einem offenen Krieg nimmt Börsianern zufolge kontinuierlich ab. Dax und Dow-Jones-Index legen leicht zu,

Freitag, 28. September: Der Autokonzern DaimlerChrysler stellt nach Anschlägen Gewinnerwartungen für das Gesamtjahr in Frage. Der Chicago Einkaufsmanager-Index in den USA fällt besser aus als erwartet, der Dow Jones schließt fester. Der Dax steigt im Wochenvergleich um mehr als 13 %. Der Dow-Jones-Index legte im Wochenvergleich um 7,4 % zu.

Montag, 1. Oktober: Gewinnmitnahmen und eine wieder zunehmende Unsicherheit angesichts möglicherweise bald bevorstehender Militärschläge der USA haben nach Händlerangaben die deutschen Standardwerte am Montag um knapp 1,6 % auf 4 239,97 Punkte fallen lassen.

Dienstag, 2. Oktober: Investoren haben sich mit Blick auf die Zinsentscheidung der US-Notenbank eher abwartend verhalten. Nach einem etwas festeren Start und einer darauf folgenden Abwärtsbewegung testete der Dax den Boden bei 4 160 Punkten vier mal und ging schließlich deutlich erholt bei über 4 304,20 aus dem Handel.

Mittwoch, 3. Oktober: Dass die US-Notenbank am Dienstag Abend die Leitzinsen um einen halben Prozentpunkt senkte und damit das niedrigste Zinsniveau seit der Kennedy-Ära erreicht wurde, hätte eigentlich den Dax beflügeln müssen. Doch der damit verbundene Optimismus für die Aktienmärkte wurde bereits kurz darauf jäh gebremst, als der kanadische Netzwerkausrüster Nortel Network mit einer drastischen Umsatzwarnung die Anleger auf den Boden der Tatsachen zurückholte. Somit überwogen zu Handelsbeginn wieder einmal der Verdruss und die Einsicht, dass es für den Aktienmarkt noch schlimmer kommen könne.

Doch am Abend drehte der Markt und machte die deutlichen Verluste des frühen Handels mehr als wett: Der Dax schloss 3,17 % im Plus bei 4.400,65 Punkten. Grund für die positive Entwicklung unerwartet gut ausgefallene US-Konjunkturdaten und sehr positive US-Vorgaben.

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