Rückendeckung in der schwachen Konjunktur
Madrider Börse spürt Erholung Lateinamerikas

Die großen spanischen Aktiengesellschaften profitieren vom Wachstum ihrer Töchter in Brasilien und Argentinien.

SAO PAULO/BUENOS AIRES/MADRID. Spanische Unternehmen bekommen inmitten der schwachen Konjunktur in Europa Rückendeckung aus Lateinamerika: Einige Aktienwerte an der Madrider Börse profitieren von verbesserten Aussichten in der Krisenregion.

Noch 2002 litt die spanische Börse stark an den Folgen der Finanz- und Schuldenkrise in Argentinien und der politischen Unsicherheit in Brasilien. Spanische Konzerne wie die Banken Santander Central Hispano (SCH) und Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) sowie Telefónica, Endesa und Repsol YPF gehören zu den größten Auslandsinvestoren in Lateinamerika. Sie erzielen bis zur Hälfte ihrer Gewinne in der Region und mussten entsprechende Rückschläge hinnehmen. Jetzt wirkt sich vor allem die Stabilisierung in Brasilien positiv auf die Gewinn- und Verlustrechnung bei den spanischen Tochterunternehmen aus.

"Die Entwicklung in Lateinamerika ist für spanische Unternehmen ein ganz wichtiger Punkt", sagt Konrad Becker, Analyst von Merck Finck & Co und spezialisiert auf Banken. Die Aktien der beiden größten spanischen Finanzinstitute könnten von einer positiven Entwicklung nur profitieren. "Da ist noch Luft drin." Das Brokerhaus Ibersecurities in Madrid sieht noch Spielraum bei SCH. Aber nur in Grenzen: Die Aktie hat im Jahresverlauf bereits 25 % an Wert zugelegt.

Auch die Aktie des Energieversorgers Endesa profitiert. Das Papier hat im Jahresverlauf bereits um mehr als 35 % gewonnen als "Vorwegnahme auf ein besseres Geschäft in Lateinamerika", wie Philip Bonhoeffer von Merck & Finck sagt. Der Trend ist einheitlich. Ob bei den Banken, Telefónica oder den Energieversorgern: Kurspotenzial ja, doch große Sprünge erwarten Analysten nicht.

Telefónica besitzt mit der Telesp in São Paulo den größten Festnetzbetreiber in der Region. Trotz schwankender Umsätze halten Analysten die Investition für rentabel, weil Telefónica vorwiegend Unternehmen besitzt, die bereits große Teile ihrer Infrastruktur aufgestellt haben. "Telefónica kann wachsen, ohne viel investieren zu müssen", sagt Edigimar Maximiliano von Unibanco. Für eine positive Entwicklung der Telesp-Aktie haben auch die Verhandlungen zwischen der Regierung und den Betreibern gesorgt: Die Unternehmen akzeptieren langsamere Tariferhöhungen, dafür sinken die Auflagen und Fristen für die Erweiterung der Netze. Auch beim Mobilfunkanbieter Vivo (Joint Venture zwischen Telefónica und Portugal Telecom) rechnen Analysten mit Umsatzzuwächsen von 18 % in diesem Jahr. Anders als in Europa ist der Markt für die einfachen Handy-Dienste erst in etwa drei Jahren gesättigt, bevor neue Investitionen notwendig werden.

Die brasilianische Santander Banespa hatte bereits 2002 trotz der Krise mit einer Gewinnquote von 66 % abgeschlossen. Auch im ersten Quartal 2003 steigen die Gewinne weiter. Dagegen leidet der Stromversorger Endesa in Brasilien noch immer unter den Spätfolgen der Energiekrise vom letzten Jahr. In Argentinien gehörten die spanisch kontrollierten Versorger zu den größten Verlierern der Krise, da sie sich im Ausland in Devisen verschuldet hatten. Ihre lokalen Einnahmen bekommen sie dagegen in Peso, der nach der Abwertung nur noch ein Drittel wert war. Dieses Ungleichgewicht wurde durch die Peso-Aufwertung der letzten Monate jedoch teilweise wieder ausgeglichen. Gleichzeitig ist eine leichte Konjunkturerholung spürbar. Argentinien wird dieses Jahr um etwa 4 % wachsen.

So erzielte der argentinische Endesa-Ableger Edesur im ersten Quartal dieses Jahres wieder ein leichtes Plus - nach Verlusten 2002. Auch der argentinische Arm des Energiekonzerns Repsol YPF, der etwa die Hälfte der Aktiva vom Gesamtkonzern ausmacht, verzeichnete in den ersten drei Monaten wieder Gewinne. Die Entwicklung bei Telefónica Argentina sehen Analysten skeptisch: Zwar verbuchte das Unternehmen im ersten Quartal einen Nettogewinn. Das lag aber vor allem an Währungsgewinnen im Zuge der Peso-Aufwertung. Operativ blieb die Gesellschaft im Minus. "Die Erholung ist noch zu fragil", meinen die Analysten der Rating-Agentur Fitch.

Der argentinische BBVA Banco Francés konnte durch radikale Ausgabenkürzungen immerhin seine Verluste von 265 Mill. Pesos im letzten Quartal 2002 auf 153 Mill. Peso in den ersten drei Monaten dieses Jahres senken. Die Bank wartet noch immer auf Kompensationszahlungen der Regierung für die asymmetrische Abwertung der Einlagen und Kredite. Zumindest die argentinischen Investoren scheinen die Zukunft der Bank optimistisch zu sehen. Die Aktie stieg an der lokalen Börse seit Januar um etwa 40 %.

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