Rückforderungsrecht in Millionenhöhe
Die Finanzkraft der Deutschen Fußball-Liga ist bedroht

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) muss möglichweise einen Millionenbetrag an den Fernsehsender Premiere und den Rechteinhaber Infront zahlen. Ein bisher unbekannter Passus in den Verträgen mit den beiden Unternehmen sieht vor, dass die DFL zahlen muss, sollte der Pay TV-Sender und die Schweizer Agentur ihre Option für eine Vertragsverlängerung nicht ziehen.

HB HANNOVER. Nach Angaben von Premiere-Geschäftsführer Georg Kofler würde sich die Höhe nach dem Geld richten, das die DFL aus der Insolvenzmasse der Kirch-Media erhält.

"Sind es 50 Millionen Euro, dann entfallen auf Infront und uns jeweils 25 Millionen Euro", erklärte Kofler der dpa den komplizierten Passus. Das Fachblatt "Kicker" hatte von einem Rückforderungsrecht in Höhe von 50 Millionen Euro allein für Premiere berichtet. Der TV- Sender hatte das Geld in der Saison 2001/02 vorgestreckt, als der insolvente Kirch-Konzern die fällige Rate aus dem TV-Vertrag nicht zahlen konnte. "Dieser Betrag ist etwas zu hoch", sagte Kofler.

Die DFL hielt sich zu dem Vorgang bedeckt. "Es ist unrichtig, dass Premiere einen Rückforderungsanspruch in Höhe von 50 Millionen Euro hat", lautete die offizielle Erklärung von Wilfried Straub. Der für Rechte und Marketing zuständige Geschäftsführer sieht der Entwicklung bis zum Stichtag 31. Oktober "gelassen entgegen", fügte aber hinzu: "Wir sind nicht untätig." Das bestätigte Premiere-Chef Kofler: "Wir sprechen zur Zeit mit der DFL und Infront. Ich bin zuversichtlich, dass wir zu einer vernünftigen Regelung kommen werden."

Schreckens-Szenario für die Liga

Der TV-Sender zahlt bisher 145 Millionen Euro pro Saison an die Schweizer Agentur Infront. Nimmt der Abo-Kanal bis zum 31. Oktober seine Option für zwei Jahre bis zum 30. Juni 2006 wahr, sind für die beiden kommenden Spielzeiten jeweils 150 Millionen Euro fällig. Bei gleichen Bedingungen wie bisher will Premiere aber deutlich weniger zahlen. Durch die Quoten-Rekorde der "ARD-Sportschau" und der Sonntag-Sendung im DSF sieht der Sender seine Rechte eingeschränkt. Zieht Premiere die Option nicht, entsteht eine Kettenreaktion, an deren Ende der Liga eine weitere Reduzierung der TV-Einnahmen droht.

Das Schreckens-Szenario für die Liga: Ohne die 150 Millionen Euro aus dem Pay-TV-Geschäft kann Rechteinhaber Infront nicht mehr die garantierten 280 Millionen Euro an die DFL zahlen. Die Schweizer Agentur, für die Ex-Nationalspieler Günter Netzer arbeitet, würde dann den Vertrag mit dem Dachverband nicht verlängern. Die Frist für Infront, die ebenfalls eine Option für zwei Jahre besitzt, läuft zum Jahresende ab. Das Unternehmen nimmt in dieser Saison schon im Free- TV-Bereich weniger ein als ursprünglich geplant. Die TV-Rechte fielen dann an die DFL zurück, die eine neue Agentur suchen oder selber verhandeln müsste.

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