Rückgang der Bauproduktion
Walter Bau sieht keine Parallelen zu Holzmann

Der seit Jahren Verluste schreibende Walter Bau-Konzern kämpft mit stark schrumpfenden Finanzmitteln, steht aber nach Einschätzung des Managements keineswegs vor einer Pleite.

Reuters MÜNCHEN. "Wir sehen zu Holzmann keine Parallelen", sagte Vorstandschef Hans-Joachim Wolff auf der Bilanzpressekonferenz am Freitag in München. Nach der Fusion mit Dyckerhoff & Widmann (Dywidag) und der damit einhergehenden Restrukturierung habe der Konzern gute Chancen, das Ergebnis wieder zu verbessern. Operativ werde der Konzern im laufenden Jahr aber noch "leicht rote Zahlen" schreiben. 2002 wolle Walter Bau zudem die Bauleistung vor allem im Inland auf rund 3,8 Milliarden Euro weiter senken, bis Jahresende würden deshalb nochmals rund 1100 Arbeitsplätze gestrichen. Von einer Erholung am Bau geht Wolff für 2002 nicht aus: "In toto ist es so, dass man das Jahr noch verhalten sehen muss."

Die Liquidität habe sich im ersten Quartal 2002 "stark verringert" und liege deutlich unter dem Niveau der Vorjahre, räumte Wolff ein. Deshalb habe ein Banken-Pool einen Kredit über 100 Millionen Euro zugesichert. Die Finanzmittel seien damit bis Ende 2003 gesichert. "Die Banken haben Vertrauen - auch in unser Zahlenwerk", resümierte Wolff. An dem Konsortium sind unter anderem Deutsche Bank, HypoVereinsbank, Commerzbank, Bankgesellschaft Berlin und die halbstaatliche Bayerische Landesbank beteiligt. Letztere hält zudem gut zehn Prozent der Walter Bau-Aktien und war jüngst im Zusammenhang mit der Insolvenz von KirchMedia in die Schlagzeilen geraten. Bei der Mediengruppe ist das Institut der mit Abstand größte Gläubiger.

"Wir haben ein ganz anderes Risikopotenzial als Holzmann", sagte Wolff mit Blick auf den traditionsreichen Frankfurter Bau-Konkurrenten, der vor einem Monat Insolvenz angemeldet hatte. Gespräche über eine Übernahme von Unternehmensteilen des Konzerns gebe es derzeit nicht.

Im laufenden Jahr will sich Walter Bau Wolff zufolge auf rentable Aufträge konzentrieren und die Leistung im Inland weiter zurückfahren. Durch die Restrukturierung werde mit Einsparungen von mindestens 100 Millionen Euro gerechnet, die größtenteils 2002 wirksam würden. Bis zum Jahresende sollten weitere 1100 Arbeitsplätze wegfallen, dabei werde es auch Kündigungen geben. Im Zuge der Fusion wurden bereits knapp 2200 Stellen gestrichen. Zum 31. Dezember werde der Konzern damit voraussichtlich rund 13.000 Mitarbeiter beschäftigen. "Wir haben nochmal kräftig nachgeschnitten", sagte Wolff.

2001 hatte Walter Bau unter anderem wegen außerordentlicher Kosten im Zuge der Fusion einen Konzern-Fehlbetrag von 231,2 Millionen Euro nach einem Minus von 64,6 Millionen Euro auf Pro-Forma-Basis im Jahr davor verbucht. Im gewöhnlichen Geschäft lag der Verlust bei 142,0 (3,1) Millionen Euro. Zugleich sank die Bauleistung um 10,6 Prozent auf 3,92 Milliarden Euro.

Im ersten Quartal erzielte der Konzern nach Wolffs Worten eine Leistung von 673 Millionen Euro. Angaben zum Ergebnis wurden nicht gemacht. Der Auftragsbestand verringerte sich in den ersten drei Monaten weiter um 220 Millionen Euro auf 2,5 Milliarden Euro. Die Walter Bau-Aktie notiert am Freitagnachmittag bei nur einhundert an der Münchener Börse gehandelten Stücken mit 1,68 Euro um 1,75 Prozent im Minus.

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