Rückkanal über ein Funkmodul
Mobilfunk macht Fernsehen interaktiv

Er macht gar keinen Hehl daraus, dass die Idee ursprünglich gar nicht von ihm stammt. "Wir sind nicht die ersten", sagt Sascha Müller, Geschäftsführer der Interactiv Gesellschaft für interaktive TV-Dienste in Köln, "aber das spielt keine Rolle, denn jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Die ersten, die die Idee hatten, waren einfach zu früh dran." Inzwischen gebe es das Unternehmen nicht mehr.

HB DÜSSELDORF. Ob Interactiv den optimalen Zeitplan hat, muss sich noch erweisen. Fest steht nur: Das Unternehmen versucht mit einer relativ simplen und günstigen Lösung interaktives Fernsehen möglich zu machen. Dafür werden die Decoder, die den Empfang digitaler Programme möglich machen (auch Set-Top-Boxen genannt), mit einem Mobilfunk-Modul aufgerüstet. Die Set-Top-Box braucht dafür wiederum ein Software wie etwa den MHP-Standard.

Das System funktioniert dann vereinfacht so: Der Nutzer empfängt sein Fernsehprogramm wie gewohnt über das TV-Kabel. Will er bei einer Quizshow mitmachen, im Einkaufskanal etwas bestellen oder bei einer Fernsehumfrage abstimmen, nutzt er seine Fernbedienung. Die Informationen werden dann über das Mobilfunknetz zu Interactiv und von dort zu den Programmanbietern gesendet.

Diese Lösung stellt Interactiv auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin vor, die am morgigen Freitag offiziell beginnt. Das Unternehmen will damit eine Alternative zum teuren Ausbau der Fernsehkabelnetze anbieten. Denn bisher ist diese Infrastruktur nur eine Einbahnstraße. TV-Signale werden über das Netz in die Wohnzimmer gesendet. Es gibt aber keinen Rückkanal im Fernsehkabel. Fernsehzuschauer müssen bei interaktiven Sendungen zum Telefon greifen. Ähnlich funktioniert es beim Fernsehempfang via Satellit. Auch dort gibt es noch keinen Rückkanal, inzwischen arbeiten die Satellitenbetreiber aber an einer Lösung.

Viele TV-Kabelnetzbetreiber haben nicht das Geld, um einen Rückkanal zu bauen, oder scheuen die Investitionen, da die Aussichten, die Ausgaben wieder hereinzuholen, ungewiss sind. Mit diesen Firmen will Interactiv ins Geschäft kommen. Es seien bereits erste Vereinbarungen mit den Unternehmen getroffen.

An entsprechenden Mobilfunklösungen, die einen Rückkanal im TV-Kabel ersetzen, arbeiten unter anderem Telekomnetzausrüster wie Nokia. Grundsätzlich sind dabei zwei Lösungen möglich: Ein Mobilfunk-Modul für den derzeitigen GPRS-Standard kann in einen Decoder eingebaut werden oder aber dieses Empfangsgerät wird über die Funktechnik Bluetooth mit einem Mobiltelefon verbunden. Der Nachteil der Lösung liegt auf der Hand: Die Mobilfunkverbindung bietet nur eine begrenzte Bandbreite - eine Datenübertragung von bis zu 170 Kilobit pro Sekunde ist möglich. Bei aufgerüsteten TV-Kabelnetzen ist mehr drin: Telefonie und schnelles Internet wie es beispielsweise die DSL-Technik in den herkömmlichen Telefonnetzen ermöglicht.

Die begrenzte Bandbreite stellen die Anbieter des Rückkanals via Mobilfunk gar nicht in Frage. Sie verteidigen ihre Lösungen mit anderen Argumenten: "Wir wollen mit einem Mobilfunk-Modul in der Set-Top-Box die Fernsehmöglichkeiten erweitern. Es geht nicht darum, den PC im Wohnzimmer abzubilden", sagt Nokia-Manager Sven Martens. Müller von Interactiv argumentiert in dieselbe Richtung: "Der Fernsehzuschauer will im Wohnzimmer gar nicht seine Bankangelegenheiten regeln, so wie er es sonst am PC tut. Er will solche Schreibtischarbeiten nicht im Wohnzimmer erledigen." Und für interaktives Fernsehen, für Abstimmungen, Bestellungen und Mitmachaktionen reiche die Bandbreite im Mobilfunk allemal.

Im nächsten Jahr will Interactiv die Lösung auf den Markt bringen. Nach Einschätzung von Experten werden entsprechende Decoder ab 150 Euro verfügbar sein.

Doch die Kabelnetzbetreiber sind noch nicht überzeugt: "Das ist nicht das, worauf der Markt wartet. Es sind didaktische Bemühungen von Technikfirmen", sagt Heinz-Peter Labonte, Kabelnetzbetreiber und Geschäftsführer des Fachverbandes Rundfunkempfangs- und Kabelanlagen.

Andere Kabelnetzbetreiber geben der Mobilfunklösung zumindest eine kleine Chance: "Es ist eine Frage des Preises", sagt ein Firmenchef, der allerdings lieber nicht mit Namen zitiert werden will. Wenn es die Decoder mit Mobilfunk-Modul zu einem guten Preis gibt, werde er zugreifen.

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