Rückkehr zum Verhandlungstisch am Dienstag
Fußball-WM: ARD/ZDF und Kirch wollen wieder verhandeln

In die Verhandlungen um die TV-Übertragungsrechte der Fußball-Weltmeisterschaften 2002 und 2006 kommt wieder Bewegung. Nach dpa-Informationen wollen sich Vertreter der öffentlich- rechtlichen Fernsehsender und des Medienunternehmens Kirch an diesem Dienstag in München wieder an den Verhandlungstisch setzen. Wie weiter zu erfahren war, wird der Intendant des Bayerischen Rundfunks und langjährige Sportrechts-Koordinator der ARD, Prof. Albert Scharf, die Verhandlungen für die ARD führen. Für das ZDF soll Intendant Dieter Stolte teilnehmen.

dpa MAINZ. ZDF-Sprecher Philipp Baum wollte den Termin weder bestätigen noch dementieren. Eventuell bevorstehende Verhandlungen werde man von Seiten des ZDF nicht mit unvorsichtigen Äußerungen von vorneherein belasten, sagte Baum. Das Interesse an den Fußballrechten bestehe weiterhin.

Auch ein Sprecher der Bayerischen Staatskanzlei in München wollte den Termin offiziell nicht bestätigen. Er wies darauf hin, dass sich besonders Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) und der nordrhein-westfälische Regierungschef Wolfgang Clement (SPD) für die Wiederaufnahme der Verhandlungen stark gemacht hätten. Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen forderte ARD und ZDF unterdessen auf, die Rechte zu erwerben. "Wenn überhaupt einer das Millionenspiel WM 2002/2006 bezahlen kann, dann doch wohl unsere öffentlich-rechtlichen Anstalten", sagte Diepgen der Zeitung "Bild am Sonntag".

Nach Ansicht der Vorsitzenden des Bundestags-Medienausschusses, Monika Griefahn (SPD), steht bei den Verhandlungen auch die Zukunft von ARD und ZDF auf dem Spiel. Sollten die Anstalten schließlich leer ausgehen, könnte dies das Ende des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Deutschland einläuten, sagte Griefahn in einem dpa-Gespräch. Bereits heute wisse ein großer Teil der jungen Generation kaum etwas mit den öffentlich-rechtlichen Kanälen anzufangen, meinte Griefahn. "Die zappen einfach vorbei". Ohne Übertragungsrechte für wichtige Sportereignisse werde sich diese Entwicklung verschärfen.

Mehrheit für Übertragung in ARD und ZDF



Auch die deutschen Fußballfans haben offensichtlich ein starkes Interesse daran, dass die Weltmeisterschaftsspiele wie bisher von den öffentlich-rechtlichen Sendern übertragen werden. 73 % der Deutschen bevorzugen ARD und ZDF, wie eine Umfrage des Instituts dimap im Auftrag von MDR aktuell und der "Bild"-Zeitung ergab, die am Samstag veröffentlicht wurde. 10 % befürworteten eine Übertragung bei Privatsendern. Nur 4 % stimmten für das Bezahl- Fernsehen, das so genannte Pay-TV, wie es Kirch mit seinem Abo-Sender Premiere anbietet. Für die Studie wurden 1100 Bundesbürger befragt.

Der Chef der Bayerischen Staatskanzlei, Erwin Huber (CSU), sprach sich im DeutschlandRadio Berlin gegen eine vom ARD-Vorsitzenden Fritz Pleitgen ins Spiel gebrachte Änderung des Rundfunkstaatsvertrags für die in Deutschland ausgetragenen Spiele im Jahr 2006 aus. "Ich glaube, dass es im Moment nicht angebracht ist, über neue Reglementierungen nachzudenken", sagte er nach Angaben des Senders.

Die Verhandlungsparteien hatten die Gespräche bereits für gescheitert erklärt. Danach hatten sich zahlreiche Politiker bis hin zu Bundeskanzler Gerhard Schröder öffentlich für eine Wiederaufnahme eingesetzt. Kirch hatte nach dem Scheitern angekündigt, die Rechte anderen Sendern anzubieten. Eine Stellungnahme von Kirch war am Wochenende nicht zu erhalten.

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