Rückläufige Auftragseingänge belasten Unternehmen
Flaute in Deutschland setzt sich fest

Der Einzelhandel wird in diesem Jahr wohl kein reales Wachstum erreichen. Maschinen- und Elektronikbauer kämpfen mit rückläufigen Auftragszahlen. Und alles deutet darauf hin, dass die Prognosen für den heimischen Automarkt bislang zu positiv sind - die Flaute in Deutschland erweist sich als hartnäckig.

HB DÜSSELDORF. Die Erwartungen waren groß, die Enttäuschung ist noch größer: Von der Steuerreform hatten sich gerade die deutschen Einzelhändler Impulse für den langersehnten Aufschwung erwartet. Nun kommen sie mit der Korrektur ihrer Prognosen kaum nach. In den ersten drei Monaten dieses Jahres ist der Umsatz um real 1,4 % zurückgegangen.

"Wir können froh sein, wenn wir in diesem Jahr überhaupt noch reales Wachstum erreichen", sagt Hubertus Pellengahr, Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE). Ende vergangenen Jahres war man nach Jahren der Stagnation noch euphorisch von 2,5 % Wachstum ausgegangen - nicht zuletzt angesichts deutlich steigender Einkommen und des Abbaus der Arbeitslosigkeit. Bereits im Frühjahr hatte die Branche die Erwartungen mit Blick auf die hohen Energie- und Benzinpreise dann jedoch auf 2 % korrigiert. Ob der Konsum der Verbraucher im zweiten Halbjahr anspringt, wird bezweifelt. Zwar stirbt die Hoffnung bekanntlich zuletzt, doch so mancher Einzelhändler, wie etwa der Düsseldorfer Metro-Konzern, rechnet nicht mehr mit einer Belebung im restlichen Jahresverlauf.

Auch am Bau gibt es nichts zu beschönigen. "Die Bauwirtschaft steht am Rande des Abgrunds", beschreibt Ignaz Walter, Präsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, die Lage. Für das laufende Jahr erwartet der Verband einen weiteren Umsatzeinbruch von 5 % auf 183,2 Mrd. DM. Im Herbst vergangenen Jahres war die Branche nur von einem Minus von 1 % ausgegangen. Die Umsatzerlöse würden im Westen voraussichtlich um 3,5 % und im Osten gar um 10,5 % schrumpfen.

Maschinenbau- oder Autobranche, Chemie oder Elektrotechnik - die Zukunft bleibt trübe. Die Maschinenbauer erhalten aus dem Ausland immer weniger Aufträge. Die inländischen Orders stagnieren weitgehend. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) erwartet die Auswirkungen der weltweiten Konjunkturschwäche mit der für den Maschinenbau üblichen zeitlichen Verzögerung von fünf bis sechs Monaten. Sie werden also im nächsten Jahr in der Produktion voll durchschlagen. Vorerst sichern volle Auftragsbücher die Beschäftigung noch ab.

Das die Autobauer noch nicht ganz schwarz sehen, liegt am Export. Vor allem im Premiumbereich - siehe BMW und Mercedes -- lassen sich deutsche Erzeugnisse im Ausland gut absetzen. Indessen sinkt die Zahl der Pkw-Neuzulassungen auf dem Heimatmarkt weiter. So wird das führende Autoprognose Marketing Systems-Institut seine Prognosen "wahrscheinlich noch in dieser Woche nach unten korrigieren", wie das Handelsblatt erfuhr. Opel-Chef Carl-Peter Forster, Präsidiumsmitglied im Verband der Automobilindustrie (VDA) rechnet für 2001 nur noch mit 3,2 bis 3,3 Millionen Neuzulassungen. Der VDA hoffte bislang auf 3,5 Millionen.

Die konjunkturelle Erholung rückt immer weiter in die Ferne. Auch in der Chemieindustrie gehen nur noch wenige Unternehmen und Analysten davon aus, dass es im zweiten Halbjahr besser wird. Nachdem die BASF vor wenigen Tagen ihre Gewinnprognosen drastisch gesenkt hatte, gebe es bereits Stimmen, die ein Anhalten der Nachfrageschwäche auch noch zu Beginn des kommenden Jahres befürchten, sagt Commerzbank-Analyst Michael Vara. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) hatte im Mai ein Produktionsplus von 2 % und ein Umsatzplus von 5 % für dieses Jahr vorausgesagt. Jedoch spricht die Lage in Europa und den USA dafür, dass die Prognose bald nach unten korrigiert werden muss.

Die Stahlbranche sieht dazu vorerst keinen Anlass. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl in Düsseldorf hält an ihrer verhaltenen Prognose vom Jahresbeginn fest. Man werde in diesem Jahr voraussichtlich rund 45 Millionen Tonnen Rohstahl in Deutschland produzieren. Das entspricht einem Rückgang von 3 % gegenüber dem Vorjahr.

Beim Branchenverband der Elektroindustrie (ZVEI) sieht Konjunkturexperte Ulrich Scheinost zwar keinen Grund, von der bisherigen Prognose zum Umsatzwachstum abzurücken. Selbige war bereits für 2001 auf 5 bis 6 %nach unten korrigiert worden. Noch profitiert die Branche von den langen Durchlaufzeiten ihrer Aufträge. Doch die Signale sind deutlich: Die Auftragseingänge aus dem Ausland haben laut ZVEI von Januar bis April um 6,3 % abgenommen. Die Inlandorders hätten dies aber zum Teil ausgeglichen, so dass der Gesamtwert mit 1,7 % im Plus liege - im Rekordjahr 2000 hatten die Auftragseingänge insgesamt um mehr als 18 % zugelegt.

Der Verband Bitkom bleibt für den Bereich Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien bei seiner optimistischen Prognose von Mitte Juni und erwartet ein Umsatzplus von 8,7 % für 2001 und einen Aufbau von 16 000 zusätzlichen Stellen. Den Optimismus begründet der Vorsitzende der Verbands-Geschäftsführung Bernhard Rohleder gegenüber dem Handelsblatt mit der guten Auftragslage. "Die Bücher sind für die nächsten drei bis vier Monate voll." Und dann? Jedes zehnte Unternehmen aus dem Bereich sieht einen Abschwung kommen.

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