Rückschläge an den Börsen stören die Experten nicht
Charttechniker setzen unbeirrt auf Hausse

Nach sieben Wochen Rally knicken die Börsen ein. Der Dax rutscht deutlich unter die wichtige 3 000-Punkte-Marke. Ist damit auch der jüngste Aufwärtstrend in Gefahr? Technisch orientierte Analysten sagen Nein. Für sie stehen die Ampeln weiter auf Grün. Vor allem die gute Verfassung der US-Leitbörse stimmt sie zuversichtlich.

DÜSSELDORF. Drei Jahre Baisse hinterlassen Narben: Kaum sinken die Kurse zwei Tage, bangen Investoren um die Erholung und fürchten, dass der langjährige Abwärtstrend wieder da ist. Während viele schlechte Fundamentaldaten diesen Schluss durchaus zulassen, sind technisch orientierte Analysten optimistisch. Tenor: Rückschläge gehören zum Aufwärtstrend. Und: Die großen amerikanischen Indizes sehen derzeit so gut aus, dass sie die europäischen Aktien weiter nach oben ziehen werden.

Am besten sieht es nach einhelliger Meinung bei den amerikanischen Technologie-Aktien aus. "Die Nasdaq hat als erster großer Index den zentralen Baisse-Trend nach oben durchbrochen", sagt Achim Matzke von Commerzbank Securities. Für die meisten Analysten ist das kein Zufall: Bei den High-Tech-Unternehmen hatte die Baisse im März 2000 ihren Lauf genommen - die betroffenen Firmen begannen eher als andere Branchen mit Umstrukturierungen und Sparmaßnahmen. "Und jetzt ernten sie als erste die Früchte", sagt Matzke.

Positiv sind nach einhelliger Meinung auch die Vorzeichen im S&P-500-Index, der am besten den US-Markt abbildet. Hier hat sich seit Juli 2002 eine breite Schulter-Kopf- Schulter-Formation gebildet (Chart). Sie zeigt gewöhnlich zuverlässig eine Bodenbildung an - Voraussetzung für ein Ende der Talfahrt. Beim Dow-Jones- Index schließlich hat die Marke von 8 500 Punkten große Bedeutung. An ihr war der Dow häufig gescheitert. Nach Überwinden einer solch schwierigen Hürde wird diese zu einer großen Unterstützung. Hält diese jetzt in der Korrektur, dann ist nach Meinung von Ralph Bloch vom US-Investmenthaus Raymond James der Weg frei bis 8 800 Punkte. Uwe Wagner von der Deutschen Bank sieht das Potenzial mit 8 850 Punkten noch etwas höher.

Nach Tagen der Konsolidierung rechnet Klaus Deppermann von der ING-BHF-Bank wieder mit deutlich steigenden Kursen. "Mittelfristig bleibt der Aufwärtstrend intakt." Positiv stimmt den Charttechniker, dass in den meisten Aktienkommentaren "kein übertriebener Optimismus" herüberkomme. Gemäß der Einschätzung, dass nur Optimisten im Markt sind, werten Experten mangelnden Optimismus als Indiz, dass viele Anleger die jüngste Rally verpasst haben und noch nicht in Aktien investiert sind.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) kämpft derzeit mit der wichtigen 200-Tage-Linie, also dem Kursdurchschnitt aus den vergangenen 200 Tagen (Chart). Diese Hürde erwies sich in der langen Baisse - mit Ausnahme einiger Wochen Anfang 2002 - als uneinnehmbar. Erst wenn diese Linie, wie auch die psychologisch wichtige 3 000- Punkte-Marke signifikant überwunden ist, sollten Investoren neue Positionen aufbauen, rät HSBC-Chartexperte Rainer Sartoris. Ein Durchbruch über die 200-Tage-Linie, wie bereits bei den US-Indizes, würde den Weg nach oben freimachen. Die nächste größere Hürde im Dax ist der langfristige Abwärtstrend, der bei 4 100 Punkten liegt.

Zuvor erwartet Commerzbanker Matzke allerdings eine Konsolidierung, die "durchaus zwei Wochen dauern und den Dax bis auf 2 700 Punkte" hinunterführen könne. In diesem Bereich verläuft die ebenfalls wichtige 100-Tage-Linie. Abwärtspotenzial darüber hinaus sieht Matzke nicht. Im Gegenteil: Der Markt werde den Aufwärtstrend wieder aufnehmen, allerdings weniger aggressiv als in den vergangenen Wochen. Matzke hebt die gute technische Verfassung vieler Einzelaktien hervor. Im Dax-30 notieren derzeit 14 Werte über der 200-Tage-Linie, darunter BASF, Deutsche Bank, Metro, SAP und Siemens. Die Deutsche Telekom "klebt" ebenso wie der Dax auf der 200-Tage-Linie. "Europa bleibt im Schlepptau der US-Indizes. Diese halten mit einer lockeren Geldpolitik der Notenbank, einer expansiven Fiskalpolitik und dem schwachen Dollar alle Trümpfe in der Hand", sagt Matzke.

Aufwärtstrends in den internationalen Aktienindizes macht auch Uwe Wagner von der Deutschen Bank aus. Allerdings sorgt ihn die nachlassende Schwungkraft. In den letzten Tagen der Rally, die dem Dax in sieben Wochen ein Plus von über 35 % brachte, entwickelten sich neue Bewegungshochs "immer zaghafter". Für Wagner ist das ein Signal für erhöhtes Risiko. Investoren rät er, Stop-Loss-Aufträge einzusetzen, um Verluste zu begrenzen. "Wirkliches Risiko" sieht Wagner beim Dax aber nicht, solange er die 2 900-Punkte-Marke verteidige. Erst wenn diese Hürde falle, so Wagner, "gehen die Ampeln auf Gelb".

Quelle: Handelsblatt

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