Rückschlag für Deutsche Bank: Gerling-Verkauf an HDI gescheitert

Rückschlag für Deutsche Bank
Gerling-Verkauf an HDI gescheitert

Die seit Monaten andauernden Verkaufsgespräche des defizitären Kölner Versicherungskonzerns Gerling mit dem Haftpflichtverband der Deutschen Industrie (HDI) sind gescheitert. Das ist auch ein Rückschlag für die Deutsche Bank, denn sie bleibt weiter auf ihrem kostspieligen 34,5-prozentigen Gerling-Anteil sitzen.

Reuters DÜSSELDORF. Warum die Gespräche gescheitert sind, gaben die zwei Unternehmen offiziell nicht Preis. Man habe sich nicht auf eine "die beiderseitigen Vorstellungen in Deckung bringende Lösung verständigen" können, teilte der HDI mit. Bei Gerling hieß es ähnlich unpräzise, die unterschiedlichen Auffassungen über die Zukunft des Gerling-Konzerns habe man nicht beilegen können. Für das Gerling-Hauptgeschäft waren seit längerem Gespräche mit dem HDI geführt worden, dem Mutterkonzern der im MDax gelisteten Hannover Rück.

Aus Verhandlungskreisen kamen dagegen deutlicherer Worte. "Die ganze Versicherungsbranche ist derzeit in einer Krise, da kann oder will kaum jemand Eigenkapital in die Hand nehmen", sagte ein mit den Gesprächen Vertrauter. Vor diesem Hintergrund sei auch nicht damit zu rechnen, dass in naher Zukunft ein Käufer gefunden wird. Damit bleibt das Kölner Traditionsunternehmen auf sich allein gestellt.

Deutsche Bank wird Gerling nicht los

Ebenso unwahrscheinlich ist, dass die Deutsche Bank - die ihren Anteil eigentlich längst abgestoßen haben wollte - Gerling noch eine Kapitalspritze gibt. 2002 hatte das Kreditinstitut auf seine Beteiligung an dem Kölner Versicherer 700 Mill. ? abgeschrieben - jetzt steht Gerling noch mit knapp 500 Mill. ? in den Büchern. Ein Sprecher der Bank gab keinen Kommentar ab. "Das ist mehr als eine Unannehmlichkeit für die Deutsche Bank. Sie will aus dem Versicherungsgeschäft aussteigen. Gerling hat in den vergangenen Jahren nur Geld gekostet", sagte Konrad Becker von Merck Finck. Den Buchwert werde das Institut kaum bekommen, vielmehr drohten jetzt weitere Abschreibungen.

Der Kölner Versicherer erklärte weiter, durch den Rückzug des HDI erlange der Konzern "die notwendige Flexibilität, um alternative Konzepte mit Hochdruck voranzubringen". Gerling hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, es werde nicht nur mit HDI, sondern auch mit Private-Equity-Fonds (Fonds, die in nicht börsennotierte Gesellschaften investieren) verhandelt.

Veräußern will Gerling auch das Rückversicherungsgeschäft. Nach einem Beschluss des Verwaltungsgerichts Frankfurt aus der vergangenen Woche kann sich der Konzern wieder Hoffnung machen, diesen Verkaufsplan umsetzen zu können. In einem erstinstanzlichen Beschluss hatte das Gericht am vergangenen Freitag in einem Eilverfahren entschieden, dass der Einspruch der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gegen den Verkauf der Rückversicherungsgruppe an die Globale Management GmbH aus grundsätzlichen Gründen rechtswidrig sei. Gegen diesen Beschluss könne jedoch Beschwerde beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof eingelegt werden.

Das BaFin will das Urteil genau prüfen und dann entscheiden, ob die Behörde Rechtsmittel einlegt. Gerling hatte zuvor erklärt, für die Untersagungsverfügung des BaFin bestehe mit der Entscheidung des Verwaltungsgerichts keine Rechtsgrundlage mehr. Gerling könne die Rückversicherungsgruppe damit verkaufen. Der Verkauf des defizitären Rückversicherungsgeschäfts gilt als Voraussetzung für eine Lösung für die seit langem andauernde Partnersuche von Gerling auf Konzernebene.

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