Rückschlag für Frankfurter Kreditinstitut
Commerzbank bricht Gespräche mit Unicredito ab

Die Gespräche über ein mögliches Zusammengehen der Commerzbank mit der italienischen Unicredito sind wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Bewertung gescheitert. "Die Verhandlungen wurden wegen zu großer Differenzen über die Preise bei einem Aktientausch abgebrochen", hieß es aus Unicredito-Kreisen am Dienstag. Zuvor hatte bereits Commerzbank-Sprecher Peter Pietsch gesagt, die Gespräche seien beendet worden.

reuters MAILAND/FRANKFURT. "Die Verhandlungen wurden wegen zu großer Differenzen über die Preise bei einem Aktientausch abgebrochen", hieß es am Dienstag aus Kreisen von Unicredito. Zuvor hatte ein Commerzbank-Sprecher gesagt, die Gespräche seien beendet worden. Analysten, die sich bereits bei den ersten Gerüchten über ein Zusammengehen skeptisch geäußert hatten, zeigten sich wenig überrascht. Viele gehen aber davon aus, dass die Commerzbank ihre Partnersuche nun intensivieren wird. Die Aktien beider Häuser legten im Tagesverlauf zu.

Mit der Bekanntgabe des Scheiterns hatte die Commerzbank erstmals eingeräumt, dass es überhaupt Gespräche mit Unicredito gegeben hatte. Dabei habe es sich aber noch nicht um Fusionsverhandlungen gehandelt, sagte Commerzbank-Sprecher Peter Pietsch. "Wir waren im frühen Stadium eines Ideenaustauschs darüber, eine große grenzüberschreitende Bank aufzubauen", sagte Pietsch. "Wenn man sich den Kursrückgang bei Commerzbank-Aktien und den noch stärkeren Rückgang bei Unicredito in den vergangenen Tagen anschaut,... dann war es nicht mehr möglich, einen fairen Preis zu erreichen." Der Aktienkurs von Unicredito ist seit den ersten Übernahme-Gerüchten Anfang August um 18 % gefallen. Die Papiere der Commerzbank verloren rund zwölf Prozent. Am Montag gewannen Unicredito-Aktien zeitweise rund sieben Prozent. Auch die Commerzbank-Papiere drehten nach leichten Verlusten im Frühhandel ins Plus und stiegen zeitweise bis auf 23,95 ?.

"Das haben wir so erwartet", sagte Volker von Krüchten, Analyst bei der BHF Bank, "wir haben nie an diese Gespräche geglaubt". Es mache für eine ausländische Bank keinen Sinn, zum jetzigen Zeitpunkt in den ohnehin schwierigen deutschen Bankenmarkt einzusteigen, da die Erträge der meisten deutschen Banken durch das schwache Marktumfeld belastet seien. Der Analyst stuft die Commerzbank-Aktie weiter mit "verkaufen" ein. Er halte es für möglich, dass das Papier, dessen Kursziel er bei 25 ? sieht, noch einige Zeit unter diesem Kurs notiere.

Die Commerzbank bleibt nach den Worten Pietschs auch nach dem Scheitern der Unicredito-Gespräche offen für Gespräche mit anderen Partnern, sofern die Konditionen stimmten. Damit wiederholte der Commerzbank-Sprecher Äußerungen von Vorstandschef Klaus-Peter Müller vom Ende vergangener Woche. Das "Handelsblatt" berichtete unterdessen unter Bezugnahme auf die Mailänder Zeitung "Milano Finanza", die italienische Banca Intesa bereite ein Übernahmeangebot für die Commerzbank vor. In Bankenkreisen gelte ein Angebot der Bank, hinter der die französische Credit Agricole steht, aber als unwahrscheinlich.

Thomas Rothäusler, Analyst von Sal. Oppenheim geht davon aus, dass die Commerzbank ihre Suche nach einem Partner in den kommenden sechs bis neun Monaten intensivieren wird. Er hält die Bank wie viele seiner Kollegen für zu klein, um am europäischen Markt bestehen zu können. "Ein strategisch günstiger Partner könnte (der Versicherer) Generali sein. Generali will den attraktiven deutsche Markt sichern", sagte der Analyst. Die Versicherung hält bereits knapp zehn Prozent an der Commerzbank, hatte aber in der Vergangenheit mehrfach betont, diese Beteiligung nicht erhöhen zu wollen.

Mit einer Übernahme der Commerzbank durch Unicredito wäre die nach Marktkapitalisierung zehntgrößte Bank Europas entstanden. Das Vorhaben wäre außerdem die bislang größte grenzüberschreitende Bankenfusion in Europa gewesen. Unicredito hätte Zugang zum deutschen Markt erhalten und die Commerzbank wäre vor einer unfreundlichen Übernahme geschützt worden.

Analysten hatten sich jedoch bereits beim ersten Aufkeimen der Gerüchte skeptisch über den Sinn einer Commerzbank-Übernahme durch Unicredito geäußert. Es sei für einen ausländischen Partner nicht attraktiv, die Commerzbank zu übernehmen, da damit kaum Ertrags- oder Kostensynergien zu erzielen seien.

Durch das Scheitern muss die Commerzbank nun ihre Probleme mit fallenden Erträgen bei einem schwachen Marktumfeld und hohen Kosten zunächst weiter allein angehen. Pietsch sagte jedoch, es sei wahrscheinlich, dass die Commerzbank weiter mit anderen möglichen Partnern sprechen werde. "Ich erwarte, dass es auch in Zukunft Gespräche geben wird. Das gilt nicht nur für die Commerzbank, sondern für alle."

Georg Kanders, Analyst von der WestLB riet der Commerzbank unterdessen, nun zunächst Ruhe in ihr Haus zu bringen. Die andauernden Fusions- und Übernahmespekulationen verunsicherten die Mitarbeiter und erschwerten die Konzentration auf das Kerngeschäft der Bank, sagte Kanders.

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