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Rückschlag für Nahost-Friedensbemühungen

Bei einem der blutigsten Wochenenden der jüngsten Zeit sind im Nahen Osten zehn Menschen getötet worden.

dpa JERUSALEM. Die Friedensbemühungen zwischen Israel und den Palästinensern erlitten dadurch einen weiteren Rückschlag. Als Vergeltung für tödliche palästinensische Überfälle auf einen Militärstützpunkt im Gazastreifen und eine Siedlerfamilie bei Jerusalem zerstörten israelische Kampfflugzeuge vom Typ F-16 am Sonntagmorgen mehrere Gebäude der palästinensischen Polizei im Gazastreifen und im Westjordanland.

Palästinenserpräsident Jassir Arafat, der die zerstörten Polizeigebäude besichtigte, verurteilte die israelischen Angriffe als «barbarisch und brutal» und forderte erneut die Entsendung internationaler Beobachter in die Palästinensergebiete. Es hänge jetzt von Bundesaußenminister Joschka Fischer ab, ob das vermittelte Gespräch mit dem israelischen Außenminister Schimon Peres wirklich stattfinden werde.

Israelische Kampfflugzeuge zerstörten am Sonntagmorgen das Polizeihauptquartier in Gaza sowie Büros des Militärgeheimdienstes in Dir el Balah im Süden des Gazastreifens. Auch das Polizeihauptquartier in Salfit bei Nabus im Westjordanland wurde zerstört. Am späten Samstagabend drangen Armee-Einheiten bei Rafah erneut vorübergehend auf autonomes Palästinensergebiet vor. Dabei wurde ein palästinensischer Polizist getötet. Insgesamt erlitten mindestens 19 Palästinenser bei den Angriffen Verletzungen. Arafats Stabschef, Tajeb Abdel Rachim, warf der Armee vor, bei den Luftangriffen erstmals schwere Geschosse mit einem Gewicht von etwa einer Tonne eingesetzt zu haben.

Mit den Luftangriffen reagierte Israels Armee auf zwei Überfälle militanter Palästinenser, bei denen am Samstag fünf Israelis getötet wurden. Bei dem bislang spektakulärsten Angriff militanter Palästinenser auf einen israelischen Militärstützpunkt seit Beginn der Intifada kamen drei Soldaten ums Leben. Zwei Mitglieder der radikalen Demokratischen Front zur Befreiung Palästinas (DFLP), die mit Kalaschnikow-Gewehren und Handgranaten in den Stützpunkt Marganit eingedrungen waren, kamen während der Attacke ums Leben.

Bei einem weiteren palästinensischen Überfall auf der Straße zwischen Jerusalem und Modiin wurden am Samstagabend ein israelisches Ehepaar getötet und ein weiterer Siedler lebensgefährlich verletzt. Die beiden kleinen Töchter der Opfer erlitten ebenfalls Verletzungen und wurden in ein Krankenhaus gebracht. Die Armee verhängte später eine Ausgangssperre über drei Dörfer im Umkreis.

Nach palästinensischen Angaben wurde ein 27-jähriger Palästinenser am Sonntag im nördlichen Gazastreifen von einer israelischen Panzergranate zerfetzt. Der israelische Rundfunk meldete, der Mann habe gemeinsam mit zwei anderen Palästinensern versucht, den Grenzzaun zu Israel zu durchtrennen. Daraufhin hätten die Soldaten auf die Gruppe geschossen.

Am Sonntagnachmittag wurde ein weiterer Israeli in seinem Auto nordöstlich der Stadt Netanja erschossen. Der Zwischenfall ereignete sich auf einer Straße, die entlang der Grenze zum Westjordanland verläuft. Grenzpolizisten hörten Schüsse und sahen ein flüchtendes Auto. Die Gegend war bereits öfters Schauplatz von Palästinenseratacken.

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