Rückstellungen für Renten werden ausgegliedert
Deutsche Bank gründet Pensionsfonds

Die Deutsche Bank verbessert ihre Bilanzstruktur. Zu diesem Zweck werden rund vier Milliarden Euro an Rückstellungen für Pensionen in einen Fonds ausgegliedert. Damit folgt die Frankfurter Großbank dem Vorbild von Siemens und Daimler-Chrysler.

po FRANKFURT/M. Die Deutsche Bank gliedert ihre deutschen Pensionsrückstellungen in einen eigenständigen und unabhängigen Pensionsfonds aus. Davon betroffen ist ein Volumen von rund 4 Mrd. Euro für 75 000 Mitarbeiter und Pensionäre. Die gesamten Pensionsverpflichtungen der Frankfurter Großbank belaufen sich auf rund 6,7 Mrd. Euro.

Ziel sei es, den anspruchsberechtigten Mitarbeitern eine zusätzliche Absicherung ihrer Rentenansprüche zu bieten, sowie die Vergleichbarkeit zu den relevanten Wettbewerbern der Deutschen Bank zu erhöhen, sagte Vorstandsmitglied Tessen von Heydebreck. Dies sind in erster Linie US-amerikanische und Schweizer Institute. Netter Nebeneffekt: Durch die entstehende Verrechnungsmöglichkeit der Rückstellungen mit den Erträgen der Fondsanteile verringern sich die Bilanzpositionen Zinsüberschuss und Personalaufwand. Da die Verringerung des Aufwands erwartungsgemäß höher ausfallen wird als die Ertragskürzung, wird sich die international wichtige Kennzahl Aufwand-Ertragsrelation durch die Ausgliederung verbessern. Die positiven Auswirkungen für die Eigenkapitalquoten halten sich angesichts des geringen Volumens von 4 Mrd. Euro im Vergleich zur Bilanzsumme von mehr als 800 Mrd. Euro im Rahmen.

Mit dem Management des in Form einer so genannten Master KAG verwalteten Fonds wurde die eigene Tochter Deutsche Asset Management (DeAM) beauftragt. Diese rangierte Ende 2001 mit einem verwalteten Pensionsvermögen von gut 100 Mrd. Euro auf Platz zwei in Europa, hinter der britischen Barclays Global Investors. Die Verwaltung des Sondervermögens erfolgt in acht Fonds unterhalb der Master KAG. Die Anlagegrundsätze bezeichnete von Heydebreck als "sehr viel konservativer als anderswo in der Welt". Maximal 30 % dürfen in Aktien, anderen Risikopapieren wie hochverzinslichen Anleihen oder Rentenpapieren aus Entwicklungsländern investiert werden. Die Anlagestrategie werde jährlich überprüft, hieß es.

Die Deutsche Bank garantiert ihren Beschäftigen eine Mindestverzinsung von 6 % im Jahr. Hinzu kommen Kosten für das Management des Fonds, Depotbankgebühren und andere Aufwendungen in Höhe von rund 0,5 % des verwalteten Volumens. Das heißt, der Fonds muss eine Mindestrendite von mindestens 6,5 % erwirtschaften, was angesichts des hohen festverzinslichen Anteils nicht einfach werden dürfte. Die Pensionäre erhalten aber weiterhin alle Zahlungen von der Deutschen Bank und die Konzerngesellschaften haften nach wie vor in vollem Umfang für das abgegebene Pensionsversprechen.

Vor der Deutschen Bank haben mit Siemens und Daimler-Chrysler bereits zwei andere deutsche Großkonzerne, die ebenfalls an der US-Börse notiert sind, ihre Pensionsverpflichtungen ausgegliedert. Siemens legte seinen Pensionsfonds vor dem US-Börsengang 2000 auf. Dennoch sieht von Heydebreck eine gewisse Vorreiterfunktion der Deutschen Bank: "Wir haben Kontakt zu einer ganzen Reihe von Unternehmen, die sich ähnliches überlegen. Wir gehen mit gutem Beispiel voran". Der Markt verspreche ein enormes Potenzial, so von Heydebreck. Die gesamten Pensionsrückstellungen in Deutschland bezifferte er auf rund 300 Mrd. Euro. Hiervon seien erst zwei Fünftel in Sondervermögen investiert, der Rest schlummere noch in den Bilanzen der Unternehmen.

Die Ausgliederung birgt allerdings auch Risiken. Sollte der Pensionsfonds die notwendige Mindestrendite nicht dauerhaft erwirtschaften, muss die Deutsche Bank die entstehende Unterdeckung ausgleichen. Siemens hat im November dieses Jahres auf Grund der ungünstigen Börsenentwicklung bereits 2,4 Mrd. Euro nachgeschossen. Dadurch wurde die Unterdeckung auf 20 % oder 4,2 Mrd. Euro reduziert. Und das, obwohl die Aktienquote der Anlage in den 18 Monaten zuvor bereits von sehr hohen 60 % auf rund 20 % reduziert wurde. Der Stuttgarter Automobilkonzern rechnet mit einer Unterdeckung zum Jahresende in Höhe von 5,5 Mrd. Euro. Diese soll durch Rückstellungen in der Bilanz ausgeglichen werden, was allerdings das Eigenkapital schmälert.

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