Rücktritt als Inhaber und Chef der Schmidt-Bank
Karl Gerhard Schmidt: Der Sturz des Sonnenkönigs

Bis zuletzt wollte der 66-Jährige den Ernst der Lage nicht wahrhaben. Jetzt muss er aufgeben und eine der letzten unabhängigen Privatbanken in fremde Hände übergeben.

HB MÜNCHEN. Am Sonntagabend hatte Karl Gerhard Schmidt seinen letzten Auftritt. In der Zentrale seiner Schmidt-Bank im oberfränkischen Hof hielt er eine kurze Ansprache vor den versammelten Führungskräften. Das war?s. Jetzt ist der einst angesehene Privatbankier nur noch Privatmann.

Die letzten Tage in der Bank waren für den 66-Jährigen dramatisch. Eigentlich wollte die Bankenaufsicht das Institut bereits am vergangenen Freitag schließen. Nur wegen einer Intervention des bayerischen Wirtschaftsministers Otto Wiesheu (CSU) wurde die Frist nochmals bis Sonntagabend, Punkt 18 Uhr, verlängert.

Jetzt haben private und öffentlich-rechtliche Banken das Sagen

Am Ende wurde der Druck zu groß: Schmidt musste seine Zweidrittelmehrheit an der Traditionsbank an eine Auffanggesellschaft übertragen. Jetzt haben private und öffentlich-rechtliche Banken in Hof das Sagen. Es gilt als ausgemacht, dass die Bank in den kommenden zwei bis drei Jahren endgültig abgewickelt wird.

Schmidt, der die Bank 39 Jahre lang führte, weigerte sich bis zuletzt beharrlich, den Ernst der Lage zu akzeptieren. Er dementierte die Existenzbedrohung für seine Bank noch energisch, als die Krisengespräche mit der Bankenaufsicht und dem Bundesverband Privater Banken schon auf Hochtouren liefen. Noch am Montag vergangener Woche beruhigte er Mitarbeiter und Kunden per Rundschreiben: Die momentane Lage sei "weder ungewöhnlich noch bedrohlich". Die Gerüchte würden nur lanciert, um der Bank zu schaden.

Zunehmender Realitätsverlust

Schlimmer noch: Schmidt verschloss sich offenbar bis zuletzt einer schnellen Lösung. Schon zuvor waren seine Versuche gescheitert, die Direkt-Bank-Tochter Consors zu verkaufen. Mit dem frischen Kapital hätte er das Mutterhaus retten können. Menschen aus Schmidts Umfeld bescheinigen ihm gerade in der jüngeren Zeit einen zunehmenden Realitätsverlust. "Er wollte nicht wahrhaben, was geschah. Jetzt kann er die Welt nicht mehr verstehen", sagt jemand, der bei den Verhandlungen dabei war.

Privatbankier Schmidt war eine angesehene Persönlichkeit. Er unterstützte seinen Sohn Karl Matthäus bei der Gründung von Consors, dem ersten erfolgreichen Discount-Broker in Deutschland. Er pflegte gute Kontakte zu den Politikern in Oberfranken und zur Staatsregierung im fernen München. Schmidt versorgte die Wirtschaft in der Region über sein ausgedehntes, eigenes Filialnetz mit Krediten. Im extrem strukturschwachen Nordbayern war die Schmidt-Bank für manchen Unternehmer der letzte Strohhalm. Die Kreditvergabe sei zuletzt "abenteuerlich" gewesen, heißt es heute kritisch bei der Konkurrenz. Das Geld sei teils gegen jede wirtschaftliche Vernunft verliehen worden.

"Sonnenkönig von Oberfranken"

Der Privatbankier erwarb sich auch einen guten Ruf als Kunstliebhaber und-mäzen. So ist das Kreditinstitut seit Jahrzehnten Hausbank der Wagner-Festspiele in Bayreuth. Schmidt ("Bayreuth ist meine Leidenschaft") selbst ist Chef der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth. Zudem unterstützt er Museen und Theater in Oberfranken sowie in Thüringen und Sachsen, wohin die Bank nach der Wende expandierte. Manche bezeichnen ihn gar als "Sonnenkönig von Oberfranken", obwohl sich der Bankier uneitel, zurückhaltend und bescheiden gab.

Umso schmerzlicher ist für Schmidt jetzt das Scheitern. "Wir sind mit Leidenschaft Privatbankiers. Wir lieben unsere Freiheit, auch wenn es nur eine kleine Freiheit ist", betonte er immer wieder. Die Schmidt-Bank gehörte mit dem Bankhaus Sal. Oppenheim in Köln und der Warburg-Bank in Hamburg zu den letzten großen, wirklich unabhängigen Privatbanken in Deutschland. Seit 173 Jahren war das Haus ununterbrochen in Familienbesitz. Das Institut wurde 1828 in Wunsiedeln im Fichtelgebirge von Carl Matthäus Schmidt, dem Ur-Urgroßvater von Karl Gerhard gegründet.

Doch die Firmengeschichte war auch eine Geschichte der Krisen. Anfang der neunziger Jahre musste die staatliche Förderbank LfA der Schmidt-Bank beistehen, um den Untergang zu vermeiden. In diesem Jahr 2001 brachten dann die Verluste bei Consors die Bank in Bedrängnis. Dazu kamen hohe Wertberichtigungen für Kredite. Ende 1999 erlebte Schmidt auch noch eine persönliche Tragödie: Sein Sohn Christian Karl, der kurz vor der Übernahme der Bank stand, starb mit 35 Jahren bei einem Autounfall.

Immer wieder gab es Interessenten, die das Bankhaus kaufen wollten. Doch Schmidt blieb standhaft - ein Fehler, wie sich jetzt zeigt.

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