Rücktritt aus Enttäuschung über Samaranch?
Prinz de Merode verlässt das Internationale Olympische Komitee

sid BRÜSSEL Nach einer Meldung der französischen Nachrichtenagentur afp hat das belgische Uralt-Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Prinz Alexandre de Merode, seinen Rücktritt aus dem IOC erklärt. Der 66-Jährige war 1964 aufgenommen worden und damit einer von nur noch vier Olympiern, die auf Lebenszeit im IOC bleiben konnten. Eine offizielle Bestätigung der IOC-Exekutive, die derzeit in Rio tagt, liegt noch nicht vor.

Der belgische Prinz fungierte seit 1967 als Vorsitzender der Medizinischen Kommission des IOC, wurde nach der beschlossenen Gründung der Anti-Doping-Weltagentur aber weitestgehend entmachtet. Für die Agentur und damit für den gesamten weltweiten Kampf gegen Doping und alle dafür notwendigen Mßnahmen ist seitdem IOC-Vizepräsident Richard Pound aus Kanada verantwortlich.

Aus der Umgebung von Alexandre de Merode hieß es immer wieder, der Prinz habe IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch die Degradierung nie verziehen. afp bezieht sich bei der Meldung über den Rücktritt auf eine enge Mitarbeiterin des Belgiers, ohne deren Namen oder Rücktrittsgründe zu nennen. Alexandre de Merode war zwischen 1980 und 1990 Mitglied der Exekutive des IOC und amtierte zwischen 1986 und 1990 sowie 1994 und 1998 als Vizepräsident. Früher sehr wortreich und auskunftsfreudig, wenn es um das Dopingproblem ging, hatte sich der Belgier in den letzten Monaten mit öffentlichen Äußerungen zusehends zurückgehalten.

Mit Dr. Jacques Rogge ist ein belgischer Mediziner der Stellvertreter von Merode in der Medizinischen Kommission, außerdem Mitglied der Exekutive und aussichtsreicher Kandidat auf die Nachfolge von Samaranch bei der Session 2001 in Moskau. Alexandre de Merode studierte Kunstgeschichte.

Merode war in der Vergangenheit unter anderem vorgeworfen worden, positive Dopingproben bei den Olympischen Sommerspielen 1984 in Los Angeles unter den Tisch fallen gelassen zu haben. Der Belgier konnte jedenfalls zu keinen Zeitpunklt schlüssig erklären, wie und warum positive Proben in seinem Hotelzimmer in Los Angeles abhanden gekommen waren.

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