Rücktritt des Chief Operating Officer von Canal Plus – Verzögerung bei der Restrukturierung befürchtet
Führungskrise bei Vivendis Pay-TV Tochter

Der stellvertretende Chef des Pay-TV-Senders Canal Plus hat seinen Hut genommen. Der Abgang kommt für Vivendi-Chef Jean-Marie Messier zu ungünstigster Zeit. Die Börse beäugt Vivendi derzeit sehr kritisch und fragt sich, wie Messier das verustreiche Pay-TV-Abenteuer in den Griff bekommen kann.

PARIS/DÜSSELDORF. Seit der Pleite der deutschen Kirch Media, der Mutter des Pay-TV-Senders Premiere, liegen die Nerven der Anleger blank, wenn der Begriff "Pay-TV" fällt. Auch Vivendi Universal S.A. hat in Canal Plus ein ähnlich kostspieliges Abenteuer. Vivendi-Chef Jean Marie Messier will Canal Plus bis 2004 wieder schwarze Zahlen sehen. Doch der Weg ist lang. 2001 betrug der Umsatz des Pay-Senders 4,5 Mrd. Euro (von 28 Mrd. Euro Medienumsätzen) und der laufende Verlust 374 Mill. Euro. Die Cash Flow Belastung des Konzerns wird mit 500 Mill. Euro angegeben.

Der Rücktritt des stellvertretenden Vorstandschefs von Canal Plus, Denis Oliviennes, könnte nun die Restrukturierung verzögern, weil er, so Marktkenner, den Druck auf den Canal-Mitgründer Pierre Lescure erhöhen dürfte, den offenen Konflikt mit Messier zu suchen. An dessen Ende könnte auch noch der Rückzug von Lescure stehen. Lescure hatte schon die Fusion des Senders mit Vivendi und Seagram nur zögerlich akzeptiert. Seither waren er und Oliviennes, der 2000 zu Canal Plus gekommen war, mit Messier mehrfach aneinander geraten. So hatte Oliviennes früh Einwände gegen die von Messier eingefädelte Zusammenlegung der TV-Firma Stream mit der italienischen Canal-Tochter Telepiu, aus der ein Großteil der Verluste her rührt.

Offene Feindschaft schlägt Messier im Canal-Hauptquartier am Pariser Quai André Citroën entgegen, seit er vom Ende der "exception culturelle" sprach, der Sonderrolle der französischen Kultur. Mit dieser rechtfertigt der Staat großzügige Filmförderungen, derentwegen er im Dauerstreit mit der Welthandelsorganisation liegt. Canal Plus profitiert von den Subventionen massiv. Messier, der mittlerweile in New York wohnt, richtet das Unternehmen indes zunehmend an seinen US-Medieninteressen aus.

Letzter Schlag gegen das Management von Canal Plus war die Übertragung der Leitung des neugegründeten Unterhaltungssparte Vivendi Universal Entertainment - und damit der gesamten TV-Aktivitäten - nach Amerika an den Hollywood-Veteranen Barry Diller (Spitzname "Killer Diller"). Damit wird die Rolle von Canal Plus im Konzern weiter nach unten gedrückt.

Nachdem Messier Lescure und Oliviennes kürzlich vor hunderten von Führungskräften heruntergeputzt hatte, konferierte Oliviennes Ende der Woche mit Vivendi-Vorständen und-Aufsichtsräten in New York. Er war aber nur per Satellit zugeschaltet, heißt es, und kam angeblich nicht einmal zu Wort. Danach nahm er seinen Hut.

Jetzt muss schnell ein kompetenter Nachfolger her. Ein führungsloser Pay-TV-Sender wäre in der derzeitigen Situation eine Katastrophe für den Vivendi-Konzern, fürchten Analysten. Wie andere europäische Pay-TV-Sender kämpft Canal Plus mit zunehmender Konkurrenz durch Spielfilmkanäle im TV-Kabel und Satelliten-Konkurrenz. Die Zeit drängt, am 24. April ist Hauptversammlung bei Vivendi. Dann will Messier einen Nachfolger präsentieren. Die Vivendi-Aktie liegt gut 40 Prozent unter ihrem Jahresanfangskurs ung gilt mittlerweile als potenzieller Übernahmekandidat.

Quelle: Handelsblatt

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