Rücktritt wird wahrscheinlicher
Scharping gerät stärker in die Schusslinie

Für den in eine Flugaffäre verstrickten Verteidigungsminister Rudolf Scharping wird die Lage immer aussichtsloser. Erneut wurden Details seiner umstrittenen Flüge mit Bundeswehr-Maschinen nach Frankfurt am Main bekannt, wo seine Lebensgefährtin wohnt. Seit Beginn seiner Beziehung zu Kristina Gräfin Pilati im August vergangenen Jahres flog Scharping nach dpa-Informationen etwa 50 Mal und nicht wie bisher angenommen zwischen 20 und 40 Mal auf Staatskosten nach Frankfurt.

dpa BERLIN/SKOPJE. Die Vorsitzenden von CDU und CSU, Angela Merkel und Edmund Stoiber, forderten am Donnerstagabend erneut seinen Rücktritt. Scharping selbst kehrt an diesem Freitag von einem zweitägigen Truppenbesuch in Mazedonien zurück.

Von informierter Seite hieß es in Berlin, bei einer Vielzahl der Flüge sei zweifelhaft, ob sie wirklich ausschließlich dienstlicher Natur gewesen seien. Allein von Februar bis Anfang August dieses Jahres flog der Minister demnach mehr als 20 Mal nach oder von Frankfurt, geht aus Unterlagen hervor. Dagegen war Scharping nach dpa-Informationen in der Zeit zwischen dem Regierungsumzug nach Berlin im September 1999 und dem August 2000 kaum nach Frankfurt geflogen, sondern fast ausschließlich nach Köln-Wahn, wo die Flugbereitschaft der Bundeswehr ihren Standort hat. Der Minister wohnte zu diesem Zeitpunkt in Lahnstein (Rheinland-Pfalz).

Beim Rückflug von Frankfurt am 10. Mai dieses Jahres - einen Tag nach Pilatis Geburtstag - benutzte Scharping offenbar einen so genannten Leerflug für den Rückweg nach Berlin. An diesem Tag flog Familienministerin Christina Bergmann (SPD) von Berlin nach Frankfurt. Die dabei benutzte Bundeswehr-Challenger wäre leer zurückgeflogen, um einen anderen Minister abzuholen. Scharping nutzte diese Maschine für seine Rückkehr nach Berlin, wie es hieß.

Trotz der neuen Vorwürfe sieht der wegen einer Flugaffäre unter Beschuss geratene Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) weiterhin keinen Grund zum Rücktritt. Er wolle die fragliche Nutzung der Bundeswehr-Flugbereitschaft am kommenden Montag im Verteidigungsausschuss "sehr detailliert, sehr ruhig und sehr begründet" darlegen, sagte Scharping am Freitagmorgen im ZDF. Dazu werde er mündlich Stellung nehmen und vermutlich auch schriftliche Unterlagen vorlegen. "Wahrscheinlich wird es beides sein", sagte er. Bisher hatte sich der Minister gegen den Protest der Opposition nur zu mündlichen Auskünften bereit erklärt.

Auf Fragen zu den häufigen Flügen nach Frankfurt am Main, wo Scharpings Lebensgefährtin Kristina Gräfin Pilati wohnt, werde es "eine sorgfältige Antwort geben", betonte Scharping, der sich derzeit zum Truppenbesuch in Mazedonien aufhält. Die Vorwürfe aus Opposition und Medien, er habe Termine in Frankfurt fingiert, seien "nichts als Verleumdung". Er habe "keinen Zweifel an der Korrektheit meines Verhaltens", sagte Scharping. Ohne Nutzung der Flugbereitschaft könne er sein Amt nicht ausüben. Scharping: "Ich nehme mein Amt wahr und habe überhaupt keine Zeit, den Gerüchten so voranzulaufen, wie manche Produzenten das gern hätten."

Während SPD-Fraktionschef Peter Struck am Donnerstag Scharping noch das Vertrauen aussprach wurde nach dpa-Informationen in der SPD - Führung bereits mit seinem Rücktritt in den nächsten Tagen gerechnet. Der Chef der SPD-Arbeitnehmerorganisation Ottmar Schreiner sagte im Fernsehsender n-tv: "Ich glaube, dass er mit dem Rücken an der Wand steht, weil er einen schweren Fehler begangen hat." Scharping verdiene aber eine zweite Chance. "Wenn sich weitere Unregelmäßigkeiten zeigen, wird es eng."

Scharping traf am Donnerstagabend zu einem Truppenbesuch in Mazedonien ein. Am Freitagvormittag will er Gespräche mit mazedonischen Politikern führen. Mittags wird Scharping in Erebino bei Tetovo erwartet. Dort ist die Mehrzahl der Bundeswehrsoldaten stationiert. Sie sind an der NATO-Mission zum Einsammeln der Waffen albanischer Rebellen beteiligt.

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