Rückversicherer muss zahlen, wenn Bayer Leverkusen in die Zweite Bundesliga absteigt
Bayer-Abstieg wäre Schadensfall in Hannover

Optimistisch sind sie ja in Leverkusen. 80 Prozent der Bayer-Fans, die bei der Abstimmung auf der Homepage des Fußball-Bundesligisten mitgemacht haben, glauben an den Klassenerhalt. Leverkusen soll der einzige Bundesligist sein, der aktuell eine Abstiegsversicherung abgeschlossen hat.

DÜSSELDORF. Optimistisch sind sie ja in Leverkusen. 80 Prozent der Bayer-Fans, die bei der Abstimmung auf der Homepage des Fußball-Bundesligisten mitgemacht haben, glauben an den Klassenerhalt. In Bielefeld sind es laut Internet-Voting nur 43 Prozent. Komplizierter gestaltet haben sie die Umfrage in Mönchengladbach. Doch auch hier fürchten immerhin 46 Prozent, dass es noch "gefährlich" werden kann für die Borussia.

Auch in Essen wird mitgezittert. RWE ist Hauptsponsor von Bayer Leverkusen. Man legt Wert auf die Feststellung, dass man ein vorausschauendes Unternehmen ist. Wie auch die Leverkusener Fußball-GmbH. Denn im Falle eines Abstiegs fließen - dank einer entsprechenden Versicherungspolice - sieben Millionen Euro auf ihr Konto. Dabei handelt es sich um jene Summe, die RWE in Liga Zwei weniger überweisen würde.

Bayers Finanzmanager Wolfgang Holzhäuser ließ sich angesichts der Vorsorgemaßnahme als besonders pfiffiger Geschäftsmann feiern. Beim Geld gebenden Energiekonzern freilich wird die Angelegenheit etwas anders dargestellt. "Wir haben Wert darauf gelegt, dass dies von vornherein im Vertragswerk berücksichtigt wird. Bei Bayer hat man einen Abstieg für abwegig gehalten, wir waren etwas weitsichtiger und wussten, dass man im Fußball mit allem rechnen muss", sagt RWE-Kommunikationschef Dieter Schweer.

Mit dem ehemaligen Bayer-Trainer Christoph Daum hatte man im Jahr 2000 schließlich sein Waterloo erlebt. Die Kokainaffäre war das abrupte Ende der Zusammenarbeit zwischen RWE und dem Fußballlehrer. Dabei hatte man sich die Sache so schön vorgestellt: "Als Trainer zeigt Christoph Daum überzeugende Parallelen zur Neuausrichtung der RWE-Gruppe, die mit der Multi-Utility-Strategie ebenfalls neue Wege beschreitet." Dann kam der Stoff, aus dem Albträume sind.

Arminia Bielefeld und Borussia Mönchengladbach leiden auch unter Albträumen, haben aber keine Versicherung gegen den Abstieg. Für chronische Absturzkandidaten wäre die Police viel zu teuer. Leverkusen konnte seinerzeit als Spitzenklub vergleichsweise günstige Konditionen aushandeln und zahlte eine knappe halbe Million Euro. Einige Anbieter winkten wegen der Preisvorstellungen der Leverkusener ab, erst mit der Hannover Rück kam das Geschäft zu Stande. Der Rückversicherer würde rund zwei Drittel der Schadenssumme tragen, wenn Bayer die Liga verlassen müsste.

"Der Schadensfall wäre zwar nicht allzu groß, gemessen am Volumen unseres Segments. Aber er wäre groß genug, um traurig zu sein, wenn er eintritt", formuliert Gordon Döring umständlich. Der so genannte Underwriter der Hannover Rück sah sich zuletzt immer öfter mit der Schadenfreude der Konkurrenz und dem Spott der Öffentlichkeit konfrontiert. "Es ist nicht so, dass wir in irgendeiner Art und Weise blauäugig in dieses Geschäft gegangen sind", entgegnet er tapfer und erinnert daran, dass die Bayer-Elf eigentlich gut besetzt ist.

Doch auch Döring musste feststellen, dass diese Art von Versicherung leidlich prognostizierbar ist. "Es ist und bleibt ein Lotteriespiel", meint sein Kollege Jürgen Görling von der Hamburg-Mannheimer. Diese hat sich aus dem Segment der Abstiegsversicherungen zurückgezogen und ist froh darüber. "In den Hype-Zeiten, als alle glaubten, mit Day-Trading mehr Geld verdienen zu können als mit richtiger Arbeit", so Görling, habe man bei diesem Spiel auch mitgemacht und zum Teil "ohne Ende feuchte Hände" gehabt. Gleiches wird Döring morgen Nachmittag, wenn Leverkusen in Nürnberg, Bielefeld gegen Hannover und Mönchengladbach gegen Bremen spielt, gewiss sein.

Leverkusen soll der einzige Bundesligist sein, der aktuell eine Abstiegsversicherung abgeschlossen hat. Im restlichen Europa ist diese Methode beliebter. "Das Segment ist profitabel", sagt Döring und weiß dennoch, dass alle Statistiken im Fußball Makulatur sind, wenn Fehler wie in Leverkusen gemacht werden. Darüber ärgert man sich auch bei der Hannover Rück, nicht öffentlich. Und bei RWE, öffentlich.

"Ein modernes Unternehmen benötigt straffe Führungsstrukturen und wenig Hierarchie", beschreibt RWE-Mann Dieter Schweer das Anforderungsprofil, das auch für die Leverkusener Fußball-GmbH gelte. "Im Falle eines Abstiegs müssen sich die Verantwortlichen fragen, was sie geleistet haben."

Die weitere Einschätzung des Sponsors können Calmund & Co. dann am Montag in den Zeitungen nachlesen. Doppelseitig beendet das Unternehmen seine kommentierende Anzeigenserie zu den defizitären Leistungen der Bayer-Profis. Die wiederum brachten RWE eine nicht unerhebliche Ersparnis. Die miserablen Platzierungen des Teams hatten vertraglich fixierte Abschläge zur Folge. Schweer: "So gesehen, hatte das Ganze was für sich."

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%