Rückzug aus Hebron wird überdacht
Israel: 15 Tote bei Bombenanschlag auf Bus

In Nordisrael hat ein palästinensischer Selbstmordattentäter am Montag 14 Menschen mit in den Tod gerissen. Die Polizei teilte mit, mehr als 50 Menschen seien verletzt worden, als der Palästinenser in seinem Auto hinter einem Bus eine Bombe zündete.

Reuters KARKUR. Der Bus war von Hadera nach Afula unterwegs gewesen und nahm an einer Kreuzung namens Karkur neue Passagiere auf, während sich der Attentäter mit seinem Auto von hinten näherte und dann die Bombe hochgehen ließ. Das ausgebrannte Wrack des Busses und zahlreiche verkohlte Leichen zeugten von der verheerenden Wirkung. Die radikal-islamische Palästinensergruppe Islamischer Dschihad bekannte sich zu der Tat, die sich wenige Tage vor der geplanten Ankunft eines US-Vermittlers in Israel ereignete. US-Präsident George W. Bush und der Generalsekretär der Vereinten Nationen (UNO), Kofi Annan, verurteilten den Anschlag.

Aus israelischen Regierungskreisen verlautete, vor dem Hintergrund des Anschlags müsse der Rückzug der israelischen Armee aus Hebron im Westjordanland überdacht werden. Israel hatte den teilweisen Abzug seiner Soldaten aus Hebron angekündigt. Hebron war wie andere palästinensische Städte im Juni nach einer Serie von Selbstmordanschlägen wiederbesetzt worden.

Zuletzt hatte am 10. Oktober nahe Tel Aviv ein palästinensischer Selbstmordattentäter einen Bombenanschlag auf einen Bus verübt und dabei eine Frau mit in den Tod gerissen. Der neue Anschlag ereignete sich rund 50 Kilometer nördlich von Tel Aviv nahe der Stadt Pardes Hanna. Ein Augenzeuge schilderte das Geschehen im Fernsehen: "Es war wie ein Erdbeben. Der ganze Bus brannte aus, und nichts ist mehr übrig". Nach dem Anschlag stiegen dichte Rauchschwaden über dem Bus auf.

Nach der Explosion gab es im brennenden Wrack eine Kette weiterer Explosionen. Soldaten unter den Passagieren hatten Munition bei sich gehabt, die in der Gluthitze detonierte. "Es gab unaufhörlich Explosionen", sagte ein Passagier, der sich aus dem Bus retten konnte und mit dem Leben davonkam. Die Flammen hätten sich rasend schnell in dem Bus ausgebreitet, so dass er den Insassen nicht mehr habe helfen können. Aus Polizeikreisen verlautete, es sei die Leiche eines Attentäters gefunden worden, eine Armeesprecherin erklärte hingegen, möglicherweise seien zwei Selbstmordattentäter getötet worden. In israelischen Sicherheitskreisen waren vergangene Woche Warnungen laut geworden, radikale Palästinenser planten rund 20 neue Anschläge in Israel.

Palästinenser-Präsident Jassir Arafat verurteilte den Anschlag in Nordisrael. Vor seinem Hauptquartier in Ramallah im Westjordanland sagte Arafat: "Wir lehnen solche Angriff auf Zivilisten ab." Israels Außenminister Schimon Peres warf der Palästinenser-Regierung unterdessen vor, sie sei mitverantwortlich für die Tat, da sie Extremisten im eigenen Lager nicht zügele. Peres sagte Reuters-TV in Luxemburg, es sei zwar schwierig, alle Terrorakte zu vereiteln. "Aber wir erwarten wenigstens, dass die Palästinenser sich wirklich um die Bekämpfung (des Terrors) bemühen, auch wenn sie ihn nicht selbst organisiert haben", fügte der Außenminister hinzu. Als Folge der Untätigkeit der Palästinenser-Regierung kämen Menschen ums Leben, und der Friedensprozess gerate in Gefahr.

Mitte der Woche will der US-Vermittler William Burns zu Gesprächen mit den Konfliktparteien nach Israel und ins Westjordanland reisen, um eine neue US-Friedensinitiative zu erläutern. Der Sprecher des US-Präsidenten, Ari Fleischer, sagte in Washington, der neue Anschlag verdeutliche, dass die Friedensbemühungen im Nahen Osten fortgesetzt werden müssten und dem Terror Einhalt geboten werden müsse. Annan appellierte einem Sprecher zufolge an alle militanten Palästinenser-Gruppen, sofort auf Gewalttaten zu verzichten.

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