Rürup sieht keine Rezession
Bundesbank erwartet anziehende Konjunktur

Laut Chefvolkswirt Remsperger rechnet die Bundesbank seit Monaten mit einem Wachstum von 1,5 bis zwei Prozent für 2001. UNO rechnet mit Erholung der Weltwirtschaft

ap FRANFURT/BERLIN. Die Wirtschaft in Deutschland wird nach Ansicht der Bundesbank noch bis Ende 2001 wieder an Schwung gewinnen. Bundesbank-Chefvolkswirt Hermann Remsperger sagte laut "Börsen-Zeitung", intern rechne die Bundesbank seit Monaten mit einem Wachstum von 1,5 bis zwei Prozent für 2001. Allerdings würde er diese Prognose nun "etwas tiefer hängen". Die Vereinten Nationen legten unterdessen eine Studie vor, wonach die Entwicklung der Weltwirtschaft stark von Härte und Dauer des US-Abschwungs beeinflusst ist.

Remsperger sagte der "Börsen-Zeitung" zufolge, er gehe davon aus, dass der jüngste wachstumsdämpfende Preisauftrieb bei Energie und Nahrungsmitteln im zweiten Halbjahr 2001 nachlasse und die Kaufkraft der Verbraucher zunehme. Dann dürften auch die Steuerentlastungen wirksam werden, die bisher vom Preisanstieg kompensiert worden seien.

Der Bundesbank-Chefvolkswirt setze bei diesem Szenario voraus, dass es weltweit zu einer konjunkturellen Erholung komme, die Ölpreise stabil blieben und stärkere Spannungen an den Finanzmärkten ausblieben. Um Konjunkturausschläge zu glätten, könnte die Regierung ein etwas höheres Haushaltsdefizit hinnehmen, zitiert die Zeitung Remsperger weiter. Konjunkturprogramme wären seiner Ansicht nach jedoch kontraproduktiv.

"Flugzeug mit einem Motor"

UN-Top-Analyst Ian Kinniburgh sagte in New York, seit der Asienkrise 1998 sei die Welt ein "Flugzeug mit einem Motor" gewesen - den USA. Dass Problem sei nun, dass dieser eine Motor abgewürgt oder verlangsamt scheine. Die 21-seitige Studie wurde vom UN-Wirtschafts - und Sozialrat veröffentlicht. In dem Bericht heißt es, sowohl beim Wachstum der weltweiten Produktion als auch im Handel sei 2001 ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Zugleich wird festgestellt, dass eine globale Rezession nicht sehr wahrscheinlich sei. Aber: Dies könne sich auch ändern, wenn der Abschwung in den USA länger dauere als erwartet.

Rürup sieht keine Rezession

Der Wirtschaftsweise Horst Sieber sagte der "Berliner Morgenpost", die Forderungen von Bundeskanzler Gerhard Schröder nach einem stärkeren Engagement der Unternehmen im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit seien nutzlos. Seiner Ansicht nach wird das Ziel der Regierung, die Arbeitslosigkeit bis Ende 2002 auf 3,5 Millionen zu senken, nicht mehr zu erreichen sein.

Bert Rürup, ebenfalls Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der wirtschaftlichen Entwicklung, sagte der Deutschen Welle, auch künftig sollte eine "moderate und langfristig konzipierte Lohnpolitik" verfolgt werden. "Alles was über vier Prozent liegt, wäre eindeutig zu hoch und beschäftigungsfeindlich." Eine Rezession sehe er nicht. Er halte es auch für "definitiv falsch", kreditfinanzierte Konjunkturprogramme aufzulegen, die er als "Strohfeuer" bezeichnete.

Der Präsident der hessischen Landeszentralbank, Hans Reckers, warnte im Gespräch mit der `Offenbach-Post" (Samstagsausgabe) erneut vor einer ausgeprägten Wachstumsschwäche und der Gefahr einer möglichen Rezession. Besonders gefährlich sei, dass die Staatsquote in Deutschland mit 47,6 Prozent zum ersten Mal über dem Durchschnitt im Euroraum (47,2 Prozent) liege, zitiert ihn die Zeitung.

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