Rüstungskonzern EADS am stärksten betroffen
Kürzungen bremsen Rüstungsindustrie

Die Sparwelle bei den Anschaffungsprojekten der Bundeswehr trifft alle Waffengattungen. Damit handelt sich Deutschland nicht nur politische Schelte von den Verbündeten ein, sondern beschert auch der Industrie handfeste Probleme. Viele Programme - etwa der Kampfjet Eurofighter - sind bereits angelaufen.

tom/fmd/mwb DÜSSELDORF. Nach den Eckdaten der jetzt bekannt gewordenen Sparpläne von Verteidigungsminister Peter Struck müssen sowohl die Luftwaffe als auch Heer und Marine die Koppel enger schnallen. Das trifft vor allem die an den laufenden Rüstungsprojekten beteiligten Unternehmen. Neben Großprojekten wie dem Lufttransporter A400M und der Eurofighter-Bewaffnungen "Meteor" und "Iris-T" sollen nach Angaben informierter Kreise unter anderem auch deutlich weniger Kampfhubschrauber "Tiger" geordert und weniger Fregatten, Korvetten und U-Boote angeschafft werden.

Wenn heute über 400 Vertreter aus Politik, Militär und Industrie auf dem ersten europäischen Verteidigungskongress in Bonn über die "Integration der europäischen Streitkräfte" diskutieren, wird die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit in der europäischen Rüstungspolitik offensichtlich. Besonders betroffen von der Sparwelle in Deutschland ist der deutsch-französische Konzern EADS. Der größte europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern hält sich bislang mit Reaktionen zurück. "Wir warten zunächst einmal auf eine Mitteilung unseres Kunden", sagte ein Sprecher dem Handelsblatt.

Im Fall des Transportflugzeuges A400M, das für EADS ein Auftragsvolumen von rund 20 Mrd. Euro darstellt, ist das die Europäische Rüstungsagentur Occar. Eine geringere Stückzahl werde den Einzelpreis erhöhen, da Entwicklungskosten auf weniger Flugzeuge verteilt werden müssten, argumentiert EADS. Eines macht der Konzern im Vorfeld der nun anstehenden Neuverhandlungen deutlich: "Wir sind zu keiner Preisreduzierung mehr bereit", sagte der Konzernsprecher.

Inzwischen haben acht Teilnehmerländer die Kosten für das neue Transportflugzeug abgesegnet. Jetzt sei keine Luft mehr für Preiszugeständnisse, heißt es bei EADS. Der Konzern sieht das A400M-Programm durch eine Rücknahme der deutschen Bestellung von 73 auf 60 Flugzeuge insgesamt aber nicht gefährdet.

Während der Militär-Airbus noch in der Planung ist, sind andere Projekte, an denen gespart werden soll, bereits kurz vor der Auslieferung. So sollen vom Kampfhubschrauber "Tiger" nur noch 80 statt 212 Exemplare bestellt werden - die ersten Testexemplare sollen in diesen Tagen an die Truppe ausgeliefert werden. Abstriche sollen auch beim Transporthubschrauber NH 90 gemacht werden. Und ob die Luftwaffe tatsächlich alle 180 Eurofighter abnimmt, die sie bestellt hat und derzeit geliefert bekommt, ist unklar.

Änderungen bei den Hubschraubern und beim Eurofighter seien schwierig, da man in bestehende Verträge eingreifen müsste, heißt es bei EADS. Der Konzern könne eher mit der Streckung von Programmen als mit der Kürzung der Stückzahlen leben. Zuletzt hatte der EADS-Konzern seine Renditeziele zurückgeschraubt und das unter anderem mit möglichen Verzögerungen und Kürzungen der Verteidigungsprogramme begründet. Das Ziel einer Umsatzrendite von 10 % vor Zinsen und Steuern werde 2004 nicht erreicht.

Probleme dürfte Strucks "Giftliste" auch Werften wie Blohm & Voss und HDW bereiten: Die als Ersatz für die alte Zerstörer-Klasse geplanten Fregatten werden von Blohm & Voss gebaut, einer Thyssen-Krupp-Tochter. Branchenkenner fürchten, dass die Schiffbauer erhebliche Auslastungsprobleme bekommen könnte. ThyssenKrupp war am Wochenende aber zu keiner Stellungnahme bereit.

In Analystenkreisen führt das Gezerre um Preise und Stückzahlen zu einer pessimistischen Bewertung der europäischen Hersteller: "Wir sind zwar froh, dass jetzt Projekte wie der A400M und die Meteor überhaupt angegangen werden", sagt Analyst Andrew Thomson von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Doch vor allem die Diskussion um den Eurofighter dämpfe die Stimmung. "Die Unternehmen hier hängen an schlechten Kunden - den europäischen Regierungen", sagt ein anderer Analyst.

Quelle: Handelsblatt

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