Rüstungskonzern Finmeccanica will nur Minderheitsanteil am italienischen Triebwerksbauer übernehmen
Carlyle hat bei Fiat Avio die Nase vorne

Der US-Fonds Carlyle ist beim Triebwerkhersteller Fiat Avio kurz vor dem Ziel. Eine spätere Fusion der Italiener mit der deutschen MTU hängt aber vom Wohlwollen der US-Konkurrenten ab.

mab/mwb/brb/hst MÜNCHEN/MAILAND. Der amerikanische Risikokapital-Fonds Carlyle und der italienische Rüstungshersteller Finmeccanica stehen kurz vor der Übernahme des profitablen Triebwerkherstellers Fiat Avio. Die hoch verschuldete Turiner Konzernmutter Fiat teilte mit, in den nächsten fünf Wochen exklusive Gespräche mit den beiden Bietern zu führen. Es sei eine Absichtserklärung unterzeichnet worden, in der die Partner einen Basispreis von 1,6 Mrd. Euro akzeptiert haben.

Finmeccanica hatte in der letzten Woche erklärt, nur an dem Geschäftsbereich Raumfahrtantriebe interessiert zu sein. Aus diesem Grund wird der teilstaatliche Konzern aus Rom laut Verhandlungskreisen maximal 30 % der Kaufsumme bezahlen. Den Löwenanteil von über 70 % an Fiat Avio will sich Carlyle sichern. Auch Branchenkreise in Deutschland bestätigten, dass Finmeccanica nur an einem Minderheitsanteil interessiert sei. Carlyle, zu deren Partnern Ex- US-Präsident George Bush sen. zählt, will nach offiziell nicht bestätigten Informationen später die Sparte Flugzeugtriebwerke von Fiat Avio mit der Münchener MTU, einer Tochter von Daimler-Chrysler, zusammenbringen.

Finmeccanica ist nur auf Druck der Regierung mit dem Argument nationaler Interessen in die Verhandlungen eingetreten. Zunächst hatte Finmeccanica an einem gemeinsamen Angebot mit dem französischen Triebwerksherstellers Snecma gefeilt. Die Bemühungen scheiterten aber an unterschiedlichen Vorstellungen über Preis und Strategie. Mit Carlyle hätten sich die Dinge einfacher gestaltet, da die Amerikaner nur eine geringe Beteiligung der Finmeccanica verlangen. Carlyle hingegen braucht Finmeccanica als Partner, um die politische Klasse in Rom zu beruhigen.

Zwar wird die mögliche Verbindung von Fiat Avio und MTU allgemein als sinnvoll angesehen, weil dadurch mit rund 4 Mill. Euro ein gewichtiger ziviler Triebwerkszulieferer entstehen würde. Doch hat Carlyle laut Branchenkreisen kein Mandat von Daimler-Chrysler für die Übernahme und Verschmelzung mit MTU. Beide Deals seien zu komplex, um sie parallel zu fahren. Außerdem müsse Carlyle jetzt erst einmal die Verhandlungen mit Fiat erfolgreich abschließen.

Grund für die Komplexität sind die vielfältigen Lieferbeziehungen und Abhängigkeiten in der Triebwerksbranche. Dominiert wird der Markt von den drei Komplettanbietern bei Triebwerken für Passagiermaschinen GE Aircraft Engines (10,6 Mrd. Euro Umsatz), Rolls-Royce (8,9 Mrd. Euro) und Pratt & Whitney (7,3 Mrd. Euro.) Mit Boeing und Airbus gibt es nur zwei maßgebliche Kunden, die den Preisdruck seit der Luftfahrtkrise weiter verstärkt haben.

Die drei Anbieter haben deshalb keinerlei Interesse, dass ein vierter Spieler auf dem Markt auftritt. Diese Gefahr hätte bestanden, wenn die französische Snecma, mit 6,5 Mrd. Euro Nummer 4 der Branche und Fiat Avio (1,5 Mrd, Euro) zusammengefunden hätten. Auch die MTU hätte dann mit nur 2,2 Mrd. Euro Umsatz den Anschluss verloren. Landete jedoch die Münchner MTU im nächsten Schritt bei Fiat Avio und stieße noch - wie in Branchenkreisen immer wieder spekuliert wird - die schwedische Volvo Aero mit 1 Mrd. Euro hinzu, würde neben Snecma ein zweiter gewichtiger europäischer Zulieferer für zivile Triebwerke entstehen. "Zurzeit sprechen alle mit allen", sagte ein Volvo Aero-Sprecher zu den Spekulationen. Er betonte aber, dass Volvo bei der derzeitigen Umstrukturierung der Branche "nicht tatenlos" zuschauen werde.

Für MTU ist dieses Szenario und damit eine Konsolidierung der Triebwerkszulieferbranche aber nur möglich, wenn GE und P & W nichts dagegen haben. Von beiden Kunden ist MTU extrem abhängig. Jeweils 40 % des MTU-Umsatzes entfällt auf die US-Kunden. Daimler-Chrysler-Manager sondieren offenbar die Befindlichkeiten der US-Kundschaft. MTU-Chef Klaus Steffens hat kürzlich betont, keinerlei Interesse zu haben, seinen Hauptkunden direkte Konkurrenz zu machen.

Quelle: Handelsblatt

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