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Ruf nach Nato-Intervention in Mazedonien

Nach den gewaltsamen Massenprotesten in Skopje haben die Albaner am Dienstag eine rasche NATO-Intervention in Mazedonien verlangt.

dpa SKOPJE/LUXEMBURG/GENF. Führer der größten albanischen Parteien in Mazedonien betonten, nur ein "schnellstmögliches" Eingreifen der Nato könne einen Bürgerkrieg noch verhindern. Vertreter der Albaner- Rebellen drohten zugleich mit einem "Einmarsch" in der Hauptstadt Skopje, sollte die mazedonische Regierung weiterhin einen Dialog mit den Albanern ablehnen. Der neue EU-Sonderbeauftragte für Mazedonien, Francois Leotard, wird nach den Worten der amtierenden EU- Ratsvorsitzenden Anna Lindh schon «sehr bald» nach Skopje reisen.

Die schwedische Außenministerin versicherte weiter, die EU werde in Mazedonien präsent bleiben. Die jüngsten Ereignisse in Skopje zeigten, wie ernst die Lage sei. "Das ist nicht nur ein mazedonischer Konflikt, er hat auch größte internationale Bedeutung", sagte Lindh in Luxemburg. "Wir bleiben verpflichtet und wir müssen präsent sein, auch wenn wir derzeit nicht sonderlich willkommen sind." Die EU unterstütze Präsident Boris Trajkovski und die Regierung in Skopje.

Etwa 80 amerikanische KFOR-Soldaten begleiteten unterdessen am Dienstag in 13 Bussen etwa 350 bis 450 albanische Rebellen, die aus der Ortschaft Aracinovo evakuiert werden sollten. Das bestätigte US- Major Barry Johnson in Skopje. Die Rebellen hätten während des Abtransports ihre Waffen an die KFOR übergeben und sollten sie später in der Rebellenhochburg Lipkovo nahe Kumanovo zurückbekommen.

Am Vorabend hatten rund 15 000 Zivilisten und Polizisten vor dem Parlament in Skopje gegen den von der NATO ausgehandelten Abzug der Albaner-Rebellen aus deren Hochburg Aracinovo protestiert und den Rücktritt Trajkovskis gefordert. Einige der Demonstranten hatten dabei das Parlamentsgebäude gestürmt.

Mazedonien stehe an der Schwelle eines Bürgerkrieges und nur eine NATO-Intervention könne dies stoppen, sagte Iljaz Halimi, der Vizechef der Demokratischen Albanerpartei (DPA). Zahir Bekteshi von der Partei des demokratischen Fortschritts (PPD) sagte, durch den Angriff auf das Parlament seien die staatlichen Institutionen Mazedoniens «gelähmt» und deswegen sei eine "umgehende" internationale Intervention notwendig.

Rebellenführer Drin Korabi von der «Nationalen Befreiungsarmee» UCK sagte, die Demonstrationen in Skopje zeigten, dass die Regierung einen «Bürgerkrieg mit den Albanern» wolle. Sollte es keinen Dialog der Regierung mit den Rebellen geben, würden die UCK-Truppen nicht nur in Skopje, sondern auch in Kumanovo und anderen Städte einmarschieren. Nach Angaben eines anderen Rebellenführers sollen zwei UCK-Bataillone bereits in Skopje auf Befehle warten.

Die EU-Ratsvorsitzende Lindh sagte, es gebe keinen anderen Weg als einen Gewaltverzicht und den Dialog zwischen den Volksgruppen. Dazu sei internationale Vermittlung nötig. «Es gibt keine militärische Option.» Auf die Frage, ob ein Rebellenabzug aus Aracinovo ohne Waffen besser gewesen sei, sagte Lindh, da eine Entwaffnung durch NATO-Soldaten noch nicht vereinbart sei, habe es keinen "pragmatischen Weg der Entwaffnung" gegeben. Die NATO hatte in der vergangenen Woche einen Grundsatzbeschluss zur Entsendung von mehreren tausend Soldaten zur Entwaffnung der Rebellen gefasst; ein endgültiger Einsatzbeschluss steht aber noch aus.

Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR haben seit Mai rund 60 000 Menschen Mazedonien in Richtig Kosovo verlassen. Weitere 6000 Menschen seien in das südliche Serbien geflüchtet, erklärte UNHCR - Sprecher Ron Redmond am Dienstag in Genf. Das UNHCR benötige eine Soforthilfe in Höhe von 17,5 Mill. Dollar (39,6 Mio Mark/20,2 Mio Euro). Insgesamt müssten 100 000 Menschen versorgt werden.

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