Rugby-Weltmeisterschaft: Beim Favoriten Neuseeland gehört der Sport zur nationalen Identität
Um Leben und Tod

Neulich muss sich Marco Bode vorgekommen sein wie ein Pausenclown. Wynton Rufer hatte seinen Freund aus früheren Bundesligazeiten bei Werder Bremen nach Neuseeland eingeladen. Sie standen zusammen in Auckland auf einer Bühne, und Bode sollte etwas über die Fußball-Weltmeisterschaft erzählen. Aber anstatt zuzuhören, tranken die 50 Zuschauer lieber Bier und lachten miteinander. In Neuseeland gibt es wichtigere Dinge als Fußball. Am wichtigsten ist Rugby.

In Neuseeland herrscht der Ausnahmezustand. Denn es ist Rugby-Weltmeisterschaft in Australien. Die "All Blacks", wie die schwarz gekleideten Spieler Neuseelands genannt werden, sollen nach 1987 zum zweiten Mal den Webb Ellis Cup gewinnen. Das Team von Coach John Mitchell ist Favorit. In den ersten Spielen haben sie die Rugby-Zwerge Italien, Kanada und Tonga mühelos besiegt. "Wir lieben unsere All Blacks. Ihr seid die Größten! Ihr ward immer die Größten!" schrieb die 72-jährige Maggy McGuire im "New Zealand Herald" neben rund 500 anderen Grüßen an die dreißig Spieler. Die Begeisterung für die "All Blacks" grenzt schon an religiösen Eifer.

Abgesehen von der Landwirtschaft hat nichts in Neuseeland eine so lange Tradition wie Rugby. "Wir brauchten keine Fitnessräume. Unser Training fand auf dem Feld statt. Ganz Neuseeland ist ein Rugby-Feld", sagt Andy Dalton, Farmer und legendärer Hooker (Hakler) zwischen 1977 und 1985. Seit der Professionalisierung des Rugby 1995 wird allerdings nur noch in modernen Fitness-Räumen trainiert. Der Dachverband ist eines der führenden Unternehmen im Land. Mehr als 120 000 der vier Millionen Kiwis spielen in den 27 Verbänden.

In Palmerston North, 100 Kilometer vor der Hauptstadt Wellington, liegt das Herz des neuseeländischen Rugby. Das Rugby-Museum ist wahrscheinlich der einzige Ort Neuseelands, an dem die Erinnerung an die Vergangenheit wirklich zählt. Viele der 1000 All Blacks aus 100 Jahren erhalten hier ein ehrendes Andenken.

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