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Ruhe ist kostbar in der New Economy

Der eine nächtigt im Schlafsack, denn Luxus mag er nicht. Ein weiterer hat keinen Fernseher. Und ein dritter schreibt Gedichte, rezitiert sie zu einem Glas Wein im Kreise von Freunden in einem alten Theater.

Die drei sind nicht Mitglieder einer Öko-Kommune in den kalifornischen Bergen. Sie sind Topmanager der New Economy, die im Privatleben zum Gegenschlag gegen die digitale Diktatur ausholen. Sie wollen Ruhe. Der totalen Vernetzung wenigstens für einige Stunden am Tag entkommen. Und sie haben einen neuen Trend gesetzt: Immer mehr Freunde und Bekannte schließen sich ihnen an. Die spleenigen Einzelgänger wandeln sich langsam zu Gurus. Palm oder andere Firmen brauchen bei ihnen nicht anzuklopfen, um auch daheim und unterwegs den Anschluss an die virtuelle Welt zu ermöglichen. Sie wollen ihn nicht haben. Sie sind Aussteiger, wenngleich mit Rückfahrkarte.

Ihre Internet-Millionen auf dem Konto, das geben sie zu, verschaffen ein schönes Gefühl. Aber das Geld auch ausgeben? Dazu fehlt Zeit, vor allem jedoch der Wille. So möchte Moses Ma, Chef der Software-Firma Bizbots, den Alltagsstress lieber hinweg dichten, statt das Bedürfnis nach Sinn mit dem Kauf eines teuren Autos zu übertünchen. Gestellt hat er sich Fragen nach dem Sinn recht früh, schon im Studium philosophierte der Bizbots-Chef im Nebenfach, bevor er seinen Abschluss als Physiker machte.

Wasser aus dem Brunnen

Sein Kollege Alay Desai mag es noch ein wenig extremer. In seiner Wohnung in Santa Clara finden sich weder Telefon noch Computer. Möbel? Mangelware. Immerhin hat der Manager der Internet-Firma Stario.com ein Handy, das aber auch nur, "da meine Geschäftspartner mich nie erreichen konnten".
Solch ein Gerät würde dem Immersion-Chef Louis Rosenberg nichts nutzen: Auf seinem Bauernhof in den Bergen hat er keinen Empfang. Wasser pumpt er aus einem Brunnen empor, in der Freizeit züchtet der Hightech-Unternehmer Schafe. "Ich brauche zu Hause keine weiteren Reize, davon habe ich auf der Arbeit mehr als genug."

Sie alle werden übertroffen von Will Clemens, dem Chef der Einkaufsseite Respond.com. Als in seinem maroden Anwesen im Silicon Valley vor neun Monaten nach einem Sturm der Strom ausfiel, gefiel ihm das ganz gut. Nur im Bad ließ er die Leitungen reparieren - seine Freundin bestand darauf. Ansonsten gilt: "Es ist schön, nach Hause zu kommen und so etwas einfaches zu tun wie eine Kerze anzuzünden."

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