Ruhetag am Sonntag ausgesetzt
Regen bringt Traditionsbrüche in Wimbledon

Wegen andauernden Regens müssen Tennisfans in Wimbledon sich umstellen. Erst zum dritten Mal in der Geschichte der All England Championships wird am sonst spielfreien Sonntag aufgeschlagen.

Von Jörg Allmeroth, Wimbledon

Der verregnete Jahrgang 2004 droht in Wimbledon alle Negativrekorde zu brechen: Als auch am Samstag Tausende frustrierter Besucher das Gelände im Südwesten Londons ohne einen einzigen Ballwechsel Tennis verlassen hatten, setzten die Traditionswächter des All England Club erst zum dritten Mal in der Turniergeschichte ihren Wetter-Notfallplan in Kraft und beraumten für den traditionell spielfreien mittleren Sonntag («Middle Sunday») ein vollständiges Programm an. Zuvor war das weltweit einmalige Ritual eines Ruhetages mitten im hektischen Grand Slam-Trubel nur in den ebenso nasskalten Jahren 1991 und 1997 außer Kraft gesetzt worden.

Auch die Drittrunden-Spiele des verbliebenen deutschen Herren-Trios Rainer Schüttler, Alexander Popp und Florian Mayer hingen weiter ärgerlich in der Warteschleife fest. Doch wenigstens Rainer Schüttler konnte dem wieder einmal verschobenen Einsatz etwas Erfreuliches abgewinnen: «Ich bin ganz froh, dass ich eine längere Pause habe», sagte der am Freitag in Einzel und Doppel stundenlang beschäftigte Nordhesse, der den Regentag «ziemlich entspannt» in seinem Miethaus nahe dem Klubgelände verbrachte. Schüttler will nun am Sonntag gegen den Amerikaner Vince Spadea zum zweiten Mal in seiner Karriere ins Achtelfinale einziehen.

Unverrichteter Dinge machten sich Popp und Mayer nach vergeblichem Ausharren an der Church Road zurück in ihre Stadthotels, um rechtzeitig für die am Sonntag generell um 11.00 Uhr Ortszeit (12.00 Uhr MESZ) beginnenden Matches gerüstet zu sein. Popp, der Viertelfinalist der Jahre 2000 und 2003, stand dabei gegen den Dänen Kenneth Carlsen vor einer ebenso anspruchsvollen Herausforderung wie Newcomer Mayer gegen den Tourveteranen Wayne Ferreira (Südafrika), der hier seinen 55. Grand Slam in Serie bestreitet.

Ähnlich wie bei den «People Sundays» (Sonntag des Volkes) in den Jahren 1991 und 1997 konnten sich die Deutschen auf eine ungewohnt heiße Partyatmosphäre im sonst eher mäßig temperierten Wimbledon einstellen, denn fast alle der 35.000 Tickets gingen in den freien Verkauf.

Bereits am vergangenen Mittwoch hatte Wimbledon den ersten Totalausfall in diesem Spieljahr und den 31. seiner Historie in die Chroniken schreiben müssen. Mit der zweiten kompletten Absage aller Matches während eines Turniers wurde an diesem Samstag nun die makabre Bestmarke der Turnierjahre 1909 und 1997 eingestellt.

Wenigstens Britanniens Tennisheld Tim Henman hatte einen kurzen, wenn auch historischen Einsatz im tristen Schmuddelwetter: Der viermalige Wimbledon-Halbfinalist und Titel-Mitfavorit übernahm auf dem Center Court die Fackel mit der Olympischen Flamme und trug sie bei ihrem Staffellauf durch London mit stolzgeschwellter Brust über das Gelände des All England Club.

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