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Ruhig, aber freundlich

Mit einem relativ schwachen Handelsvolumen und einem leichten Plus schlossen die US-Finanzmärkte zu Beginn der Ertragssaison. An den Börsen war es eher ein verhaltener Optimismus, der den Ton angab. Nicht nur die Fusionsspekulationen um AT&T und International Game bestimmten den Handelsverlauf. Auch die Analystenkommentare aus dem Hause Bear Stearns und Merrill Lynch sorgte für gutes Wetter im Technologiesektor.

Wirbel in der Telekommunikationsbranche löste das Fusionsvorhaben von Comcast aus. Die Nummer Drei unter den Telekommunikationsunternehmern will die Kabelsparte von Schwergewicht AT&T für 58 Milliarden Dollar übernehmen. Doch AT&T zeigt bisher die kalte Schulter und reagierte abwartend. Mit dem Deal würde Comcast rund ein Drittel des Marktes mit insgesamt 22 Millionen Kunden abdecken. Die Anleger waren begeistert. AT&T war der größte Gewinner im Dow Jones Index. Der positive Funken sprang auch auf die Konkurrenz über. Auch Cablevision und AOL Time Warner konnten zulegen. Dagegen gehörte Comcast zu den größten Verlierern im Nasdaq Composite.

Für den Auftrieb der Technologiewerte waren die Analystenkommentare aus dem Hause Bear Stearns und Merrill Lynch verantwortlich.

Bear Stearns Analyst Andrew Neff stufte sowohl Netzwerkhersteller Sun Microsystems als auch Speicherhersteller EMC von "attraktiv" auf "kaufen" herauf. Erst vergangene Woche hatte EMC gewarnt. Doch die Experten geben sich optimistisch. Die Anleger ebenfalls. Beide Werte notierten zu Börsenschluss im Plus. Auch Merrill Lynch-Analyst Henry Blodget schiebt mit seiner Aufwertung von Priceline die Technologiewerte an. Der Staranalyst hob die Aktie des Onlinehändlers von "neutral" auf "akkumulieren". Priceline sei in seinen Augen kein Bankrottkandidat. Er gehe davon aus, dass das Unternehmen die Wende schaffen werde. Die Rivalen Expedia und Travelocity freuen sich ebenfalls und profitierten am Montag von der Gunst der Anleger.

Nach all den positiven Kommentaren zum Technologiesektor gab es nach Handelsschluss jedoch noch eine Hiobsbotschaft von Corning. Der weltgrößte Netzwerkhersteller will 1000 Arbeitsplätze streichen und drei Fabriken schließen. Corning rechnet mit Folgebelastungen in Millionenhöhe. An der Wall Street wird spekuliert, ob Corning die Gewinnprognosen erfüllen kann. Der Grund: Der schwache Telekommunikationssektor zwingt den Riesen in die Knie.

Dagegen dürften sich die Glücksrad-Fans unter den Anlegern über die zweite Fusionsnachricht des Tages freuen. Denn International Game, der größte Hersteller von Spielautomaten in den USA, kauft den Konkurrenten Anchor Gaming. Als Kaufpreis haben sich die Firmen auf 1,37 Milliarden Dollar geeinigt. Beide Unternehmen machen mit dem Spieltrieb Kasse. Das Papier von International Game verlor, während Anchor Gaming in die grüne Zone tendierte.

Mit einer der ersten positiven Meldungen der Ertragssaison kann das Biotechnologieunternehmen Biomet aufwarten. Der Hersteller von Prothesen veröffentlichte gute Ertragszahlen und erfüllte die Erwartungen der Analysten genau. Im Vergleich zum Vorjahresquartal konnte das Unternehmen mit 50 Millionen Dollar Gewinn nicht nur ein Plus von 17 Prozent verbuchen. Auch der Umsatz stieg um 15 Prozent auf 250 Millionen Dollar. Der Auslöser für die positiven Nachrichten ist das gute Nachfrageumfeld. Denn die alternde Generation der sogenannten "Baby Boomer" beschert dem Prothesenhersteller eine zunehmende Nachfrage. Zusätzlich gab es Lob von Analystenseite. Die J.P. Morgan Analysten zeigen sich begeistert. Der orthopädische Markt sei so stark wie nie zuvor, und der Preisdruck habe sich erheblich gemindert. Zum krönenden Abschluss kündigte Biomet noch einen drei zu zwei Aktiensplitt für den 30. Juli an.

Neues gibt es zu guter Letzt auch noch im Einzelhandel. Safeway, die drittgrößte US-Supermarktkette freut sich über gute Quartalsergebnisse. Das Unternehmen erwirtschaftete einen Gewinn von 307 Millionen Dollar oder 59 Cents pro Aktie und konnte im Vergleich zum Vorjahresquartal den Gewinn um 9,4 Prozent steigern. Das Einsparen von Kosten und der Ausbau der Filialen hat sich gelohnt. Der Umsatz erhöhte sich um 7,7 Prozent auf rund acht Milliarden Dollar. Doch das scheint die Analysten und Anleger jedoch wenig zu beeindrucken. Die Experten von Salomon Smith Barney werten den Titel ab. Die Aktie von Saveway rutschte daher in die rote Zone.

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