Ruhige Lage an den Flughäfen
Cockpit und Lufthansa hoffen auf baldigen Kompromiss

Die Piloten der Deutschen Lufthansa haben am Donnerstag erstmals in der 75jährigen Unternehmensgeschichte die Arbeit niedergelegt. Weit über die Hälfte der planmäßigen Flüge musste nach Angaben der Lufthansa bis zum Mittag gestrichen werden.

Reuters FRANKFURT. Die Tarifparteien äußerten sich aber zuversichtlich über eine mögliche Wiederaufnahme der Tarifverhandlungen. "Ich denke, heute, morgen oder übermorgen könnten die Gespräche weitergehen", sagte der Sprecher der Piloten-Gewerkschaft Cockpit (VC), Georg Fongern, Die Lage an den deutschen Flugplätzen blieb ungeachtet der Behinderungen ruhig. Viele Reisenden zeigten aber wenig Verständnis für die Forderung der Piloten.



Am Vormittag hatten sich in Frankfurt vor den Schaltern der Lufthansa und denen der Reisetochter-Condor längere Schlangen gebildet. Auf den Anzeigetafeln wurden viele Flüge als ausgefallen oder verspätet gekennzeichnet. Die Lufthansa musste nach eigenen Angaben bis etwa 13.00 Uhr 730 ihrer insgesamt rund 1127 Flüge ausfallen lassen. Alle Maschinen der Partnergesellschaften City Line, Team Lufthansa, Eurowings und der Star Alliance seien aber planmäßig abgehoben. Im innerdeutschen und-europäischen Verkehr der Lufthansa seien statt der am Tag zuvor erwarteten 40 Flügen die doppelte Anzahl an Starts absolviert worden.

"Es sind einige Crews erschienen, mit denen wir nicht gerechnet haben", sagte eine Sprecherin. Auch fänden mehr Interkontinental-Flüge als erwartet statt. Bei der Reisetochter Condor fiel nach den Angaben der Lufthansa bis zum Mittag keiner der rund 60 für den Tag geplanten Flüge aus.

Zahlreiche Fluggäste stiegen wegen des Streiks auf die Deutsche Bahn um. Es habe eine höhere Nachfrage nach den Städteverbindungen gegeben, sagte eine Sprecherin. Auf den Strecken Berlin-Frankfurt und Frankfurt-Hamburg würden längere Züge eingesetzt. Die Lufthansa hatte ihren Inlandspassagieren zuvor geraten, auf die Bahn umzusteigen. Dort würden die Flugtickets akzeptiert.

Flüge vom Ausland nach Deutschland sollten nach den Angaben der Pilotenvereinigung nicht bestreikt werden. Allerdings könnten auch solche Flüge betroffen werden, falls ein Hinflug von Deutschland ins Ausland nicht starten könnte und dadurch auch der Rückflug ausfallen würde.

Nach Worten von VC-Sprecher Fongern könnte der jüngste Streik bereits die letzte Arbeitskampf-Maßnahme der Flugzeugführer im aktuellen Tarifstreit sein. Er hoffe und glaube daran, dass dies der einzige Donnerstag sei, an dem die Piloten streiken würden. "Ich glaube, wir werden zu einer Lösung kommen", fügte Fongern hinzu. Er erwarte, dass von dem Streik ein Signal für ein rasches Ende der Tarifgespräche ausgehe. Auch Lufthansa-Konzernsprecher Klaus Walther sagte, er hoffe, die unterbrochenen Tarifgespräche gingen bald weiter. Die Luzfthansa sei zwar jederzeit bereit für weitere Gespräche, allerdings gebe es bisher noch keinen konkreten Fahrplan für die Wiederaufnahme der Verhandlungen.

Unter den Passagieren machte sich Unmut über die Forderungen der Piloten breit. "Die wollen einen sehr großen Schluck aus der Pulle haben", sagte ein Passagier. "Die Gehaltsforderung ist schon starker Tobak. Die Piloten gehören ohnehin zu den Großverdienern", fügte ein anderer hinzu. Auch an den Berliner Flughäfen Tegel und Tempelhof, wo nach den Aussagen eines Lufthansa-Sprechers 59 Flüge gestrichen wurden, äußerten sich die Fluggäste genervt. "Die (Lufthansa-Mitarbeiter) gehen mit den Passagieren nicht so sehr glücklich um", sagte ein dort festsitzender Fluggast.

In Kreisen der Lufthansa hatte es geheißen, der eintägige Ausstand der Piloten werde den Konzern voraussichtlich rund 50 Mill. DM kosten. Lufthansa-Sprecher Walther sagte, es werde sicherlich ein Millionenbetrag sein. Abgerechnet werde aber erst nach dem Ausstand. Die Aktie entwickelte sich im Tagesverlauf schlechter als der Gesamtmarkt. Bis gegen 14.00 Uhr gab der Kurs um gut ein Prozent auf 21,47 Euro nach, während der Dax im Sog der überraschenden Zinssenkung durch die EZB rund zwei Prozent zulegte.

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