Ruhiger Handel vor US-Zinsentscheidung
Euro-Kurs stabil

Der Euro hat sich im Vorfeld der Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed am Dienstag im frühen europäischen Handel zum Dollar um seinen New Yorker Schlusskurs vom Vorabend eingependelt. Analysten rechnen mit einer US-Zinssenkung um 25 Basispunkte. Der "Wirtschaftsweise" Horst Siebert sieht darin aber keinen Anlass für eine Leitzinssenkung der EZB.

Reuters FRANKFURT. Der Handel Händlern verlief Händlern zufolge schleppend. Lediglich Äußerungen des japanischen Finanzministers Masajuro Shiokawa, der Erwartungen einer unmittelbaren Intervention einen Dämpfer verpasste, hätten für ein wenig Bewegung gesorgt. Indes ergab eine Umfrage von Merrill Lynch, dass Fondsmanager zunehmend in Euro investieren.

Gegen 10.20 Uhr MESZ kostete ein Euro 0,9134/39 $ nach 0,9139/44 $ zum Handelsschluss in New York. Die US-Valuta notierte mit 120,36/40 Yen nach 120,73/79 Yen.

Im Mittelpunkt des Handels stand nach Einschätzung von Händlern die Entscheidung der Fed, die gegen 20.15 Uhr MESZ erwartet wurde. Unter Analysten gilt es überwiegend als ausgemacht, dass die Fed zum siebten Mal in diesem Jahr eine Reduktion der Leitzinsen in den USA beschließen wird. Im Rahmen der vergangenen sechs Zinssenkungen seit Jahresbeginn haben die US-Währungshüter die geldpolitischen Zügel insgesamt um 275 Basispunkte auf 3,75 % im Schlüsselzins gelockert. Für den Abend rechnen Experten im Schnitt mit einer Zurücknahme um weitere 25 Basispunkte.

Analysten erwarten Leitzinssenkung der EZB

Der "Wirtschaftsweise" und Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Siebert, sieht für die EZB nicht die Notwendigkeit, der Fed bei ihren geldpolitischen Schritten zu folgen. Der Rat der EZB berät das nächste Mal am 30. August über die Geldpolitik in der Euro-Zone. Aus der erwarteten Leitzinssenkung der Fed wollte Siebert aber keine Empfehlung für die Europäische Zentralbank (EZB) ableiten. "Das würde ich eigentlich nicht anraten", sagte Siebert und verwies auf die um rund drei Quartale verzögerte Wirkung von Zinssenkungen auf die Konjunktur.

Nach Einschätzung von Analysten wird auch die EZB die Leitzinsen nach der Sommerpause - entweder Ende August oder im September - lockern, um die erlahmende Wirtschaft wieder anzukurbeln. Analysten erwarten im dritten Quartal eine Senkung um 25 Basispunkte auf 4,25 % im Schlüsselzins und eine weitere leichte Zinssenkung im vierten Quartal. Die EZB hat in diesem Jahr nur einmal im Mai die Leitzinsen um 25 Basispunkte auf 4,50 % im Schlüsselzins gesenkt.

Etwas Bewegung brachten Händlern zufolge Äußerungen des japanischen Finanzministers Shiokawa in den Markt. Shiokawa sagte, er denke nicht über eine unmittelbare Intervention nach. "Der Markt trifft die Entscheidungen", sagte Shiokawa. Für den Fall hoher Kursschwankungen schloss der Minister allerdings eine Intervention nicht aus. In Folge der Äußerungen legte der Yen gegen Euro und Dollar zu.

Zeichen für Vertrauen

Ein deutlicher Anstieg der japanischen Valuta hatte in den vergangenen Tagen für Verluste am Tokioter Aktienmarkt gesorgt. Insbesondere die Papiere von exportorientierten Unternehmen aus den Branchen Automobilbau und Elektronik waren wegen der Sorge um wechselkursbedingte Gewinneinbußen unter Druck geraten. Händler kritisierten die Äußerungen. "Die Märkte im Ungewissen zu lassen ist die halbe Miete. Deshalb ist es taktisch ungeschickt ihnen zu sagen, dass man nicht zu intervenieren plant", sagte ein Händler.

Eine weltweite vierteljährliche Umfrage des Bankhauses Merrill Lynch unter 94 Fondmanagern ergab, dass die Anlagen in Euro - beziehungsweise dessen Vorgängerwährungen - den dritthöchsten Stand in der zwölfjährigen Geschichte der Erhebung erreicht haben. Entsprechend ergab sich für den Dollar der drittniedrigste Stand. Einerseits sehen Marktteilnehmer dies als Zeichen für Vertrauen in den Euro, andererseits könne sich das als Stolperstein erweisen. Zahlreiche Investoren könnten dazu neigen, sich nicht stärker in Euro zu engagieren und zudem bei Gelegenheit Gewinne einzustreichen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%