Ruhiger Verlauf
Kolumbien: Unabhängige und Liberale gewinnen Wahl

Bei einer überraschend ruhigen Parlamentswahl in Kolumbien haben die Kandidaten unabhängiger Bewegungen und der Liberalen am Sonntag die meisten Stimmen erhalten. Nach Auszählung von mehr als 94 % kamen unabhängige Bewerber auf 48,2 %, gefolgt von den oppositionellen Liberalen, auf die 30,5 % entfielen.

dpa BOGOTA. Die regierenden Konservativen hätten nur 10,0 % erhalten, teilte die zentrale Wahlkommission am Montag mit. Viele der unabhängigen Kandidaten stehen zudem dem liberalen Lager nahe.

In der Vergangenheit wechselten jedoch Abgeordnete nach der Wahl häufig die Seiten und änderten damit die Mehrheitsverhältnisse. Ein Großaufgebot von etwa 200 000 Polizisten und Soldaten verhinderten größere Sabotageakte linker Rebellen gegen die Abstimmung. Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) bezeichnete die Wahl als Erfolg für die Demokratie.

Bei der Senatswahl lag Luis Alfredo Ramos Botero von der Bewegung Equipo Colombia auf Platz eins. Er hatte sich nur Stunden vor der Wahl für den Präsidentschaftskandidaten Álvaro Uribe Vélez ausgesprochen. Auf Platz zwei kam Germán Vargas Lleras, ebenfalls ein Anhänger Uribes.

Uribe ist ein Dissident der Liberalen und kann Umfragen zufolge bei der Wahl am 26. Mai mit fast 60 % der Stimmen rechnen. Nach dem Scheitern des Friedensprozesse mit den FARC-Rebellen entspricht er mit seiner Forderung nach einer militärischen Lösung des Konflikts der Stimmung im Lande. Der frühere Anführer der aufgelösten linken Guerillagruppe M-19, Antonio Navarro Wolff, lag an dritter Stellen.

Die Beteiligung an der Wahl lag Schätzungen der Wahlbehörden bei etwa 45 %. Der von den Konservativen unterstützte Präsident Andrés Pastrana hatte dazu aufgerufen, "durch die Stimmabgabe den Terrorismus zu besiegen". Um die 102 Sitze im Senat und 166 Sitze im Abgeordnetenhaus bewarben sich insgesamt knapp 10 000 Kandidaten.

Der schwerste Zwischenfall am Wahltag ereignete sich in der Provinz Antioquia, wo die Streitkräfte nach eigenen Angaben fünf FARC-Guerilleros töteten, die eine Brücke sprengen wollten. "Im größten Teil des Landes ist die Lage völlig ruhig", sagte Innenminister Armando Estrada.

Das als korrupt verrufene Parlament genoss bisher ein nur geringes Ansehen und die Abgeordneten waren das bevorzugte Ziel von Anschlägen der marxistischen "Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens" (FARC). Nach dem Ende des Friedensprozesses im Februar überzogen die FARC-Guerilleros das Land mit einer weiteren Welle von Anschlägen, die dutzende Menschen das Leben kostete und große wirtschaftliche Schäden anrichtete.

Außerdem halten sie die Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt sowie fünf Parlamentarier in ihrer Gewalt. Weitere sechs Abgeordnete fielen seit 1998 Anschlägen zum Opfer, die den Rebellen zugerechnet wurden. Für die Freilassung der Geiseln fordern die Guerilleros ein Gesetz über den Austausch von Gefangenen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%