Ruhiges Geschäft bei niedrigen Umsätzen: Schwache Telekom-Aktie belastet Dax

Ruhiges Geschäft bei niedrigen Umsätzen
Schwache Telekom-Aktie belastet Dax

Die morgendlichen Eröffnungs-Gewinne am Faschingsdienstag haben nicht lange gehalten. Die deutschen Börsenindizes haben schon am Mittag wegen vermehrter Anzeichen eines schwachen US-Handelsauftakts ins Minus gedreht.

rtr FRANKFURT. Kursverluste beim Börsenschwergewicht Deutsche Telekom und die Insolvenz des Datennetzbetreibers Carrier 1 haben Händlern zufolge ebenfalls am Dienstag den deutschen Aktienmarkt belastet. Insgesamt verlaufe das Geschäft angesichts des närrischen Treibens in Deutschland jedoch bei geringen Umsätzen ruhig. Im Mittelpunkt des Interesses stünden unter anderem die Aktien von Infineon, das einem Zeitungsbericht zufolge eine umfassende Kooperation mit Hynix plant, hieß es weiter. Spekulationen um einen Verkauf eines Eon-Aktienpaketes durch die Allianz belasteten derweil die Eon-Titel.

Der Dax verlor am Dienstag 0,69 % auf 4 905 Zähler, nachdem er zuvor bis zu 0,72 % zugelegt hatte. Der Nebenwerte-Index MDax lag 0,60 % im Minus bei 4 342 Stellen. Der Dow Jones EuroStoxx 50 der größten europäischen Aktien zog um 0,61 % auf 3 544 Zähler an.

Die T-Aktie verlor bis zum Mittag 0,81 % auf 15,84 ?, nachdem sie zunächst ihren Aufschwung vom Montag fortgesetzt und bis zu 1,69 % zugelegt hatte. Die am Frankfurter Neuen Markt gelisteten Titel von Carrier 1 brachen derweil um rund 44 % auf 0,23 ? ein, nachdem das Unternehmen am Vormittag die Beantragung der Insolvenz bekannt gebeben hatte. Die Branchenindizes für den Telekom-Sektor im Dax und Dow Jones EuroStoxx gaben um 1,45 beziehungsweise 1,04 % nach.

Die Aktien von Infineon legten bei lebhaften Umsätzen um 0,8 % auf 25,25 ? zu. Der Händler Jürgen Gries von Merck Finck sagte, die vom Markt erwartete Kooperation oder Teilübernahme von Hynix sei angesichts der hohen Entwicklungs- und Produktionskosten für Speicherchips eine gute Sache. Innerhalb der kommenden Wochen sei mit Fortschritten zu rechnen.

Auf der Verliererseite standen Eon, deren Aktien sich um 2,21 % auf 56,75 ? verbilligten. Mit Blick auf die Verkaufsspekulationen sagte ein Händler: "Diese Aussicht, die schon länger im Hinterkopf der Leute war, ist nun wieder ins Bewusstsein gerückt worden." Am Montag war aus Marktkreisen bekannt geworden, die Allianz könnte einen Teil ihrer 10,6-prozentigen Beteiligung an Eon innerhalb der kommenden sechs Monate an der Börse platzieren, um dem Energiekonzern die Übernahme des britischen Konkurrenten Powergen und deren US-Töchter zu ermöglichen. Eon hatte die Übernahme mit einem Volumen von 8,2 Mrd. ? vergangenen April angekündigt. Experten zufolge könnte die US-Börsenaufsicht SEC die Reduzierung des Allianz-Anteils auf weniger als fünf Prozent zur Bedingung für eine Genehmigung der Transaktion machen.

Die Titel von Hypo-Vereinsbank wurden Händlern zufolge von der geplanten Übernahme des Kirch-Media-Anteils am Axel-Springer-Verlag für eine Milliarde Euro unter Druck gesetzt. Die Bank ist einer der Hauptgläubiger der hoch verschuldeten Kirch-Gruppe. Die Hypo-Aktien verloren 0,76 % auf 33,80 ?. Die im Nebenwerte-Index MDax gelisteten Papiere der von Kirch kontrollierten TV-Senderkette ProSiebenSat.1 gaben 4,33 % auf 6,40 ? ab.

Größter Gewinner im Dax waren am Dienstag die Aktien der Deutschen Post, die sich trotz einer Klage wegen angeblich überhöhter Portogebühren um 2,17 % auf 15,53 ? verteuerten. Händler konnten keine eindeutigen Gründe für diese Entwicklung ausmachen. Kräftige Gewinne verbuchten mit einem Plus von 1,31 % auf 157,79 ? auch die Titel von SAP. Händlern zufolge wirkten die positiven Aussagen von Merrill Lynch vom Montag nach. Die Investmentbank hatte ihre Kaufempfehlung bekräftigt und mitgeteilt, dass das SAP-Geschäft besonders stark wachsen werde, sobald sich die Konjunktur erhole.

Die Aktien von BMW profitierten nach Angaben von Börsianern von einer Anhebung der Gewinnprognose durch Goldman Sachs. Die Investmentbank rechnet für 2002 nun mit einem Gewinn von 2,80 ? je Aktie. Zuvor hatte die Vorhersage bei 1,83 ? je Aktie gelegen. Die Titel legten um ein Prozent auf 41,21 ? zu.

Der Handel verlaufe sehr ruhig, hieß es auf dem Parkett. "Wir können eigentlich nur mit den Nordlichtern handeln", sagte ein Beobachter mit Blick auf den Karneval. Nach Einschätzung eines Analysten wird der deutsche Aktienmarkt zurzeit noch stärker als gewöhnlich von der Entwicklung der US-Börsen bestimmt: "Die US-Börsen dirgieren derzeit die deutschen Kurse." Das Plus am deutschen Markt sei zudem eine technische Erholung auf die vorangegangenen Abgaben und solle nicht überbewertet werden. Jetzt werde auf die Zahlen von Applied Materials gewartet. Sie werden nach seiner Einschätzung des gesamten Chip-Sektor beeinflussen.

Die Börse in Honkong blieb am Dienstag wegen eines Feiertages geschlossen.

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