Ruhmreiche Geschichte
„Mini-Champions-League“ zu Reals 100. Geburtstag

Vier Top-Clubs mit insgesamt 22 Europapokalsiegen, sechs Weltmeister und die weltbesten Fußballer der vergangenen vier Jahre: Wenn der "Jahrhundert-Club" Real Madrid sein 100-jähriges Bestehen feiert, sind die Besten gerade gut genug.

HB MADRID. Einen Monat nach dem Ende der Weltmeisterschaft erlebt die spanische Hauptstadt das erste große Stelldichein internationaler Kicker-Stars. Real Madrid (9 Europacupsiege), AC Mailand (5), FC Liverpool und Bayern München (je 4) spielen von Freitag bis Sonntag die "Trophäe der 100-Jahr-Feier" aus. Der Sieger erhält ein Modell des Bernabeu- Stadions aus purem Silber. "Das ist wie eine Mini-Champions-League. Wir wollen das Turnier unbedingt gewinnen", sagte Real-Star Luis Figo. Für Weltpokalsieger Bayern München ist das Turnier der letzte Härtetest eine Woche vor dem Bundesliga-Start in Mönchengladbach.

Ottmar Hitzfeld will den Auftritt in Spaniens Hauptstadt vor allem als Ernstfall für Nationalspieler Michael Ballack nutzen: "Es ist das Ziel, dass er eineinhalb Spiele bestreitet", kündigte der Coach am Donnerstag einen Härtetest für Ballack an. Trotz Trainingsrückstandes soll auch der zweite Neuzugang von Bayer Leverkusen, der Brasilianer Ze Roberto, in Madrid wenigstens einen Kurzeinsatz absolvieren. Das Turnier bildet einen der Höhepunkte von Reals Jubiläumsfeiern, die sich über das ganze Jahr erstrecken. Wann der Club, den der Weltverband FIFA als "besten Club des 20. Jahrhunderts" auszeichnete, genau gegründet worden war, ist unklar. Am 6. März 1902 hielten die Gründer ihre erste Vorstandssitzung ab. Im Vereinsregister steht der "Madrid Football Club", wie er damals hieß, seit dem 18. April 1902.

Sein erstes Spiel bestritt er im Mai vor 100 Jahren - auf einem Feld neben der Stierkampfarena. Der Gegner war der spätere Erzrivale FC Barcelona, der die Partie 3:1 gewann. Den Titel "Real" (Königlich) bekam der Club erst im Juni 1920 vom damaligen Monarchen Alfonso XIII. verliehen. Von den Gründern ist bei den Feiern auffälligerweise wenig die Rede. Dies dürfte einen einfachen Grund haben: Die Brüder Juan und Carlos Padrós, die beiden ersten Clubpräsidenten, waren waschechte Katalanen und stammten aus Barcelona, der Heimstätte des ewigen Rivalen. Sie betrieben in Madrid ein Modegeschäft, das zugleich das erste Vereinslokal beherbergte.

Real streicht vor allem die Verdienste von zwei anderen Männern heraus: Santiago Bernabéu und Alfredo di Stéfano. Bernabéu hatte 1911 als Stürmer begonnen, war dann Trainer und von 1943 bis zu seinem Tod 1978 Clubchef. Er verhalf Real zu seinem heutigen Stadion und war Mitbegründer der spanischen Liga, des Pokals und des Europacups. Der gebürtige Argentinier Di Stéfano machte Real zur führenden Fußball- Macht. Der "blonde Pfeil" stürmte für die legendäre Elf, die von 1956 bis 1960 fünf Mal in Serie den Europacup gewann. In allen Endspielen war er als Torschütze erfolgreich. Heute ist er Club-Ehrenpräsident.

Auch mehrere deutsche Stars wie Paul Breitner, Günter Netzer, Bernd Schuster oder Uli Stielike trugen das weiße Trikot. Coach Jupp Heynckes verhalf Real 1998 nach 32-jähriger Wartezeit erstmals wieder zum Europacup-Triumph. Wenige Tage später wurde er entlassen. In den vergangenen Jahren überbot Real mit der Verpflichtung von Figo für 68 Millionen Euro und Zinedine Zidane (77 Mio.) alle Transfer-Rekorde. Für diese Saison will der Club erstmals seit Jahrzehnten überhaupt keinen Star neu unter Vertrag nehmen. Der Grund: Die "Königlichen" haben einen Überhang von einem halben Dutzend Spieler, für die sich wegen der hohen Gehälter keine neuen Vereine finden lassen.

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