Ruhrgas-Übernahme steht auf der Kippe
EnBW blockiert Ruhrgas-Übernahme durch Eon

Für den Eon-Konzern wird der Kampf um die vor Gericht blockierte Fusion mit der Ruhrgas AG immer schwieriger: Gestern hat überraschend auch die EnBW eine Beschwerde eingereicht.

DÜSSELDORF. Schwerer Rückschlag für Eon: Nun blockiert auch die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) die Übernahme der Ruhrgas AG. Das Unternehmen teilte gestern mit, es werde eine Beschwerde gegen die Ministererlaubnis einlegen, mit der Staatssekretär Alfred Tacke Anfang Juli die Fusion gegen das Votum des Bundeskartellamtes genehmigt hatte. Damit steht für Eon die 10 Mrd. Euro schwere Übernahme wieder auf der Kippe.

Das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf hatte den Vollzug der Fusion auf Antrag von vier Konkurrenten im Eilverfahren untersagt, weil es gravierende Verfahrensmängel bei der Ministererlaubnis sieht. Bislang war in der Branche spekuliert worden, Eon könnte eine außergerichtliche Einigung mit den Beschwerdeführern - zwei kleineren Energiehändlern und zwei Stadtwerken - anstreben. Nachdem nun auch die EnBW, Deutschlands viertgrößter Stromkonzern und drittgrößter Gasversorger, überraschend nachgezogen hat, dürfte eine solche Einigung aber zu teuer werden. "Die Karten sind jetzt vollkommen neu gemischt worden", sagte Analyst Matthias Heck von Sal. Oppenheim. "Mit jedem zusätzlichen Kläger wird es teurer", erklärte er, "und die EnBW ist ein sehr großer Kläger, der erhebliche Ansprüche stellen würde." Zudem kann die EnBW-Beschwerde noch weitere Konkurrenten anlocken. Bis zum 12. August läuft die Frist. Das OLG teilte gestern mit, auch die Hamburger Concord Power habe inzwischen einen Antrag gestellt. Lediglich die beiden anderen Großkonzerne, RWE und Vattenfall Europe, bekräftigen nach wie vor, nicht klagen zu wollen.

Die Beschwerde richte sich nicht gegen die Fusion an sich, sondern gegen die Art und Weise, wie die beschlossenen Auflagen umgesetzt würden, erklärte die EnBW. So sei das Verfahren für die geforderten Unternehmensverkäufe nicht transparent. Eon und Ruhrgas müssen sich unter anderem von ihrem Anteilen an der ostdeutschen Verbundnetz Gas AG (VNG) und der Bayerngas trennen. "Wir mussten den Eindruck gewinnen, dass nicht nur die Auflagen selbst unzureichend sind, sondern dass auch beim Vollzug der Auflagen Willkür Tür und Tor geöffnet sind", sagte Vorstandschef Gerhard Goll. Nach der Ministererlaubnis Anfang Juli hatte EnBW zunächst erklärt, keine Beschwerde einzulegen. Eon kommentierte den Schritt nicht.

Offenbar befürchtet die EnBW, beim Umsetzen der Auflagen zu kurz zu kommen. Der RWE ist bereits der Wasserversorger Gelsenwasser versprochen, bei der VNG gelten Gaz de France und Vattenfall Europe als heiße Kandidaten. Goll hatte Eon-Chef Ulrich Hartmann um ein Gespräch gebeten, wie es aus Branchenkreisen hieß. Er habe für die EnBW-Tochter Gasversorgung Süddeutschland (GVS) bessere Gasbezugskonditionen aushandeln wollen. Hartmann sei auf den Wunsch aber nicht eingegangen. Zudem sei die EnBW an einem nennenswerten Anteil an der Ferngasgesellschaft Bayerngas interessiert, die rund zwei Drittel des Gasabsatzes in Bayern abdeckt. EnBW versucht, ein schlagkräftiges Gasgeschäft in Süddeutschland aufzubauen. Nach der Ministererlaubnis hatte EnBW aber erklärt, der zum Verkauf stehende Bayerngas-Anteil sei nicht attraktiv genug. Lediglich die Eon AG muss ihr 22 %-Paket abgeben, die Ruhrgas darf ihre 22 % behalten.

Eon bleibt neben dem unsicheren Gerichtsweg nun vor allem die Hoffnung auf eine neue Ministererlaubnis. Das Bundeswirtschaftsministerium prüft, ob es die Verfahrensmängel nachträglich heilen kann. Dies sei dann schnell und noch vor der Bundestagswahl am 22. September machbar, sagte eine Sprecherin gestern. Eon werde zwar auf eine neue Ministererlaubnis hoffen, sagte Rainer Münch von der DZ Bank. "Auf jeden Fall wird der Fall aber immer mehr zur Zitterpartie."

Quelle: Handelsblatt

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