Ruhrgas-Übernahme vor der Monopolkommission
RWE reizt Eon bis an die Schmerzgrenze

Die Essener RWE AG hat ihre Kritik an der möglichen Übernahme der Ruhrgas AG durch den Düsseldorfer Konkurrenten Eon AG verschärft.

ews/jsn DÜSSELDORF. Vor der Anhörung der Monopolkommission am Freitag zum Eon-Antrag auf eine Ministererlaubnis verlangen die Essener weit reichende Zugeständnisse. So fordert RWE nach Informationen des Handelsblatts, dass die künftige Eon/Ruhrgas 40 % der langfristig vereinbarten Festverträge mit ihren Gaslieferanten für die Konkurrenz öffnet. Eine solche Auflage wäre für Ruhrgas kaum annehmbar.

Damit hat sich die Auseinandersetzung der beiden größten deutschen Versorger, die jüngst abgeflaut schien, noch einmal verschärft. Bereits vor einigen Tagen hatte RWE-Chef Dietmar Kuhnt in Berlin vor der FDP-Fraktion klar gemacht, wie ernst die Bedenken gegen die Fusion sind. In dem Positionspapier, das dem Handelsblatt vorliegt, stellt Kuhnt die zentralen Argumente des Konkurrenten für die Übernahme in Frage. Man sehe weder Vorteile für die Versorgungssicherheit, noch für Beschäftigung oder Umweltschutz. Sein Fazit: "Der Zusammenschluss von Eon und Ruhrgas in der beantragten Form behindert den Wettbewerb nachhaltig."

RWE greift Argumente des Kartellamts auf

Mit ihren Argumenten nimmt RWE die Kritik des Bundeskartellamts auf, das die Übernahme mit Hinweis auf die marktbeherrschende Stellung des neuen Gasriesen sowohl bei Erdgas als auch bei Strom untersagt hatte. RWE sieht die Versorgungssicherheit auch ohne Fusion gewährleistet. Geltende Verträge sicherten die deutsche Gasversorgung für 20 Jahre. Viel erheblicher sei dagegen die Marktmacht des fusionierten Gasriesen sowohl auf der Fern- als auch auf der Kommunalgasstufe. So habe Ruhrgas im Importgeschäft bereits einen Marktanteil von 58 % mit alleinigem Zugang zu sämtlichen wichtigen Gasförderländern und besitze das größte Netz und die höchste Speicherkapazität in Deutschland. Eon habe mit 190 Stadtwerkebeteiligungen bei Endkunden einen Marktanteil von 38 %. Beide Fuionskandidaten zusammen würden zudem die ostdeutsche Verbundnetz Gas beherrschen.

Dazu komme eine beherrschende Stellung auch bei der Gasversorgung zur Stromerzeugung, klagt RWE. Dieses Argument hatte auch zur Ablehnung der Fusion durch das Bundeskartellamt im Januar geführt. Die Auswirkungen auf den Strommarkt hält RWE für sehr massiv, weil Ruhrgas alle europäischen Gas-Importverträge kenne. Dadurch erhalte Eon Einblick in zentrale Geschäftsvorgänge der Konkurrenz. So seien der Ruhrgas die Bezugskonditionen und Einstandspreise der Wettbewerber bekannt. Damit erhalte der größte deutschen Stromproduzent Eon auch Informationen über Grenzkosten der Konkurrenten, beklagt RWE.

Ganz so kritisch sieht Gerhard Jochum, Vorstand der EnBW, die Fusion nicht. Es gebe gesamtwirtschaftliche Vorteile, sagte Jochum dem Handelsblatt. Doch verlangte er vor einer Ministererlaubnis ebenfalls massive Auflagen, so zumindest den Teilverkauf der Eon-Tochter Thüga, die in ganz Deutschland Beteiligungen an Stadtwerken hält. Heute wird Eon vor der Monopokommission für das Vorhaben werben, in der nächsten Woche hat die Konkurrenz das Wort.

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