Ruinöse Preise durch Hilfe für Holzmann
Mittelstand: „Kein Mitleid für Holzmann“

Seit der Holzmann-Rettung vor zweieinhalb Jahren sind in kleineren Bau-Unternehmen rund 100 000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Kein Wunder also, dass der Mittelstand dem Konzern nicht allzu viele Tränen nachweint.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. "Mit Sicherheit kein Mitleid" empfindet Elmar Halbach-Velken, Geschäftsführer und Pressesprecher der Bundesvereinigung mittelständischer Bauunternehmen, angesichts der Tatsache, dass der Holzmann-Konzern nun kurz vor dem Aus steht. Stattdessen verbreite sich auf den Gesichtern vieler mittelständischer Unternehmer "ein gewisses Lächeln".

Der Grund: Ein maroder Konzern erhielt die Unterstützung des Bundeskanzlers und Kredite in Milliardenhöhe, während im Mittelstand Firmen eingingen, weil 100 000 Euro fehlen. "Der Mittelstand kann Pleite gehen, ohne dass Staat und Firmen helfen." Dieser Eindruck, so Halbach-Velken, habe sich auch nach dem Fall Holzmann wieder bestätigt. "Es zeichnet sich ab, dass die Banken nur noch die ?Großkopferten? bedienen."

Und nicht genug damit: "Holzmann hat mittels rechtswidriger Sanierungstarifverträge ruinöse Preise auf den Markt gebracht", meint Halbach-Velken. Diese hätten etlichen Mittelständlern den Dolchstoß verpasst. Ein hoher Preis für die 25 000 geretteten Arbeitsplätze bei Holzmann.

Zentralverband hält Holzmann-Pleite für nicht sonderlich gravierend

Freilich sicherte Schröders Holzmann-Coup auch vielen Subunternehmern das Überleben. Doch Halbach-Velken glaubt, dass nur noch solche Baufirmen für Holzmann gearbeitet hätten, denen ohnehin keine andere Wahl mehr geblieben war. "Jeder, der längere Zeit mit Holzmann zusammenarbeitete, wusste, was auf ihn zukommen würde. Ein wirtschaftlich gut da stehender Betrieb hätte sich nicht mit Holzmann eingelassen."

Auch der Zentralverband des deutschen Baugewerbes sieht die Auswirkungen einer Holzmann-Pleite nicht sonderlich gravierend an. "Die Aufträge von Holzmann werden nicht vom Markt verschwinden, da wird von anderen weitergebaut", sagte Hauptgeschäftsführer Karl Robl. "Der positive Effekt überwiegt", betonte Robl, in dessen Verband auch viele Mittelständler vereinigt sind.

Das Bedauern des Mittelstands gilt daher ausschließlich den Mitarbeitern des Holzmann-Konzerns. Nur ein verschwindend geringer Teil dürfte Chancen auf eine Anstellung bei anderen Unternehmen haben. "Die Bauwirtschaft liegt danieder. Ich sehe keine Anzeichen dafür, dass sich die Situation bald verbessert", bestätigt Halbach-Velken. Wenn überhaupt, dann würden in anderen Bauunternehmen nur gut ausgebildete Fachkräfte gesucht.

Dennoch glaubt er, dass der Zug für Holzmann nun endgültig abgefahren sei. "Der Konzern steht am selben Punkt wie vor zweieinhalb Jahren. Nur diesmal wird der Kanzler nicht kommen." Der Mittelstand kann sich also ruhig zurücklehnen und harte Fakten sprechen lassen: "Es überlebt nur derjenige, der am Markt bestehen kann", sagt Halbach-Velken. Für den Mittelstand galt dies schon immer - und diesmal bekommt es auch der Holzmann-Konzern zu spüren.

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