Rumänien
Heute glänzt nur noch das Kollektiv

Seine Rückkehr hat sich gelohnt: Victor Piturca, der die rumänische Auswahl bereits im Jahr 2000 zur Euro führte, hat binnen vier Jahren aus einer Sammlung divenhafter Einzelspieler eine stabile rumänische Elf geformt. Die Zeiten des Umbruchs sind vorbei - nun will Piturca die Früchte seiner Arbeit ernten.

ST. GALLEN. Als Verbandspräsident Ioan Lupescu Mitte April den Aufenthaltsort seiner Nationalmannschaft für die Euro 2008 bekannt gab, da schien es schon, als hätten sich die Rumänen in die ihnen zugewiesene Rolle des Aschenputtels gefügt. In die wohl schwerste Gruppe aller Zeiten waren die "Karpaten-Brasilianer" gelost worden. Mit Frankreich, Italien und Holland. Und während die sich einen Kampf um die größten Luxus-Resorts lieferten, präsentierte Lupescu den erstaunten Reportern ein bescheidenes Familien-Hotel in Sankt Gallen. Wenn man schon keine Chance auf ein Weiterkommen habe, so schien er kalkuliert zu haben, soll es wenigstens auch nichts kosten.

Spätestens nach dem 0:0 gegen Frankreich ist allerdings klar, dass Rumänien nicht als Kanonenfutter für die "Großen" taugt. Mit aggressivem Pressing hatten die Kanariengelben den Franzosen über neunzig Minuten die Räume zugestellt. Deren Trainer, Raymond Domenech, musste nach der Partie zerknirscht feststellen, dass seine Mannschaft "ohne Freiheit" gespielt habe. Für seinen rumänischen Kollegen Victor Piturca ein Kompliment der besonderen Art. Denn jahrzehntelang hatte sich die "Tricolorii" auf die Fähigkeit seiner divenhaften Individualisten verlassen. Gegen Frankreich glänzte nun vor allem das Kollektiv.

Die Zeit des Umbruchs von der "goldenen Generation" um Gheorghe Hagi, die das Land in den Neunzigern bis ins WM-Viertelfinale führte und bei der EM 2000 Deutschland und England aus dem Turnier beförderte, sei "enorm schwierig" gewesen, sagt Ioan Lupescu, früherer Profi in Leverkusen und Mönchengladbach. Nach 2000 hat das Team alle Großturniere verpasst, bis 2004 Piturca zurückkehrte. Der habe den Prozess des Umbaus "mit harter Hand" angeleitet und ernte nun die Früchte der Arbeit, sagt Lupescu.

Schon im Jahr 2000 war es Piturca, unter dem Rumänien sich fürs EM-Turnier qualifizierte, doch damals verlor der Trainer einen Machtkampf gegen die Führungsspieler Hagi und Gabriel Popescu. Vor dem Eröffnungsspiel musste er gehen. Hagi ist ein alter Gegenspieler Piturcas, aber "im Gegensatz zu Piturca hat Hagi noch nichts erreicht als Trainer", sagt Lupescu.

Victor Piturca (51) formte in den letzten drei Jahren um Adrian Mutu (AC Florenz), Cristian Chivu (Inter Mainad) und Getafe-Verteidiger Cosmin Contra, der neben den beiden Italien-Legionären als einziger über Turnier-Erfahrung verfügt, ein starkes Kollektiv. In den 34 Spielen unter ihm verlor Rumänien nur fünfmal. Die EM-Qualifikation schloss das Team noch vor Holland auf Platz eins ab.

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