Rumsfeld: Ergreifung Bin Ladens unsicher - Neue Luftangriffe
USA geben erstmals Einsatz von Streubomben zu

Die USA haben erstmals den Einsatz von Streubomben in Afghanistan zugegeben. "Einige" dieser umstrittenen Bomben seien nahe der Stadt Herat abgeworfen worden, sagte ein Pentagon-Vertreter am Donnerstag. Die UNO hatte zuvor bestätigt, dass in einem Dorf bei Herat am Montag neun Menschen durch Streubomben getötet wurden.

afp WASHINGTON/ISLAMABAD. Dies hätten Mitarbeiter des UN-Minensuchprogramms vor Ort festgestellt. Die oppositionelle Nordallianz forderte die USA derweil zu stärkerer militärischer Rückendeckung auf. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld äußerte Zweifel, ob der Terroristenführer Osama bin Laden tatsächlich ergriffen werden könne.

Eine UN-Sprecherin sagte in Islamabad, bei dem Streubombenangriff auf das Dorf Schakar Kala im Westen Afghanistans seien insgesamt 20 der 45 Häuser ganz oder teilweise zerstört worden. 14 Menschen seien verletzt worden. Die Bevölkerung wurde nach den Angriffen evakuiert. Bei dem Angriff am Montag wurden nach UN-Angaben auch ein Krankenhaus und eine Moschee getroffen. Streubomben enthalten mehrere kleine Sprengsätze, die ähnlich wie Landminen bei Berührung explodieren. Der Sonderberichterstatter des UN-Flüchtlingshilfswerks für Afghanistan, Kamal Hossein, rief die USA auf, sich an "international verbindliche humanitäre Standards zu halten" und Schäden unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden.

US-Verteidigungsminister Rumsfeld räumte in Washington ein, die Ergreifung Bin Ladens sei "sehr schwer zu erreichen. Ich weiß nicht, ob uns das gelingen wird." Bin Laden habe viele Unterstützer. Die radikalislamischen Taliban bezeichnete Rumsfeld als "sehr harte Leute", die "nicht nachgeben werden". Auch werde sich die Zerschlagung von bin Ladens Terroristennetzwerk El Kaida "weder leicht noch schnell" umsetzen lassen.

Ein führender US-Militär räumte ein, dass der Kampf gegen die Taliban "extrem schwierig" sei. Die Taktik der radikalislamischen Milizen, sich in Dörfern, Wohnvierteln und Moscheen unter die Bevölkerung zu mischen, erschwere die Kriegsführung, sagte der stellvertretende Einsatzleiter im Generalstab, John Stufflebeem. Die US-Armee werde "sehr methodisch" vorgehen müssen und benötige dafür Zeit.

Die Taliban beschuldigten die USA, bei der Bombardierung ihrer Hochburg Kandahar einen vollbesetzten Bus getroffen zu haben. Dabei seien bis zu 50 Fahrgäste getötet worden. In der Umgebung von Herat seien seit Mittwochabend mindestens 36 Menschen von US-Bomben getötet worden, unter ihnen 20 Gläubige, die gerade eine Moschee verließen. Eine unabhängige Bestätigung für diese Anschuldigungen gab es zunächst nicht. Die Taliban luden die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) zur Besichtigung der Schäden durch die US-Luftangriffe ein.

Die Taliban-nahe Nachrichtenagentur AIP berichtete, dass US-Kampfflugzeuge erneut 26 Bombenangriffe gegen Frontstellungen der Taliban nahe der strategisch wichtigen Großstadt Masar-i-Scharif flogen. In der Region hatten die Taliban zu Beginn der Woche eine Offensive gegen die von den USA unterstützte oppositionelle Nordallianz gestartet.

Der "Außenminister" der Nordallianz, Abdullah Abdullah, warf den USA eine mangelnde militärische Unterstützung der Opposition vor. Unter den Kommandanten der Nordallianz mache sich "Frustration" breit: "Bislang war das Niveau des Drucks auf die Taliban nicht so, dass sie demoralisiert wären", sagte Abdullah. Vor allem an der Frontlinie nördlich von Kabul sei die Unterstützung der USA aus der Luft zu gering. Bislang meldete die Nordallianz nur leichte Geländegewinne.

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