Rumsfeld: Es wird keinen D´Day geben
USA verzichten vorerst auf Hilfe der Nato-Partner

Die USA haben ihre Verbündeten auch zwei Wochen nach den Anschlägen in New York und Washington noch nicht um militärische Hilfe für einen Schlag gegen den internationalen Terrorismus gebeten.

sce/cr DÜSSELDORF. "Wenn wir die Notwendigkeit einer kollektiven Aktion sehen, werden wir darum bitten, aber wir sehen diese Notwendigkeit im Moment nicht", sagte der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz am Mittwoch in Brüssel bei einem Treffen der Nato-Verteidigungsminister. Wolfowitz betonte, die USA wollten weltweite Allianzen im Kampf gegen den Terror schmieden. Man plane eine langfristige Kampagne, in der militärische Aktionen nur ein Bestandteil seien.

Zuvor hatte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in Washington Befüchtungen zerstreut, ein großer Militärschlag als Antwort auf die Terrorattacken stehe unmittelbar bevor. Rumsfeld warnte die Öffentlichkeit vor falschen Erwartungen bei einer möglichen Militärkampagne gegen den Terrorismus. Es werde keine Art "D-Day" geben, sagte Rumsfeld in Anspielung auf die Landung der Alliierten im Zweiten Weltkrieg in der Normandie. Rumsfeld erklärte, die "Operation Dauerhafte Freiheit" werde keine "Hauruck-Sache" sein. Sie werde "nicht in fünf Minuten oder fünf Monaten vorbei sein, sondern Jahre dauern". Der Antiterrorismus-Kampf werde nicht mit "einem bedeutenden Ereignis beginnen und enden".

Verteidigungsminister verzichteten auf Bündnisfall-Erklärung

Der belgische Verteidigungsminister Andre Flahaut erklärte am Rande des Nato-Treffens, die USA wollten offenbar freie Hand für etwaige Aktionen: "Sie insistieren auf einer gewissen Autonomie und Flexibilität." Die Verteidigungsminister verzichteten infolgedessen zu diesem Zeitpunkt darauf, offiziell den Bündnisfall zu erklären.

Mit vorsichtigem Optimismus quittierten gerade die deutschen Aktienmärkte die verminderte Kriegsgefahr. Während die Weltbörsen uneinheitlich tendierten, zeigten sich sowohl der Deutsche Aktienindex (Dax) als auch der Neue Markt fest. Besonders gefragt waren die seit den Anschlägen besonders unter Druck geratenen Wertpapiere von Preussag und der Lufthansa.

Aktienstrategen warnten jedoch vor verfrühtem Optimismus. Werner Bader von der Landesbank Baden-Württemberg sagte, gerade der deutsche Markt zeige zwar im Moment eine technische Gegenreaktion, nachdem er Ende der vergangenen Woche besonders schwach gewesen sei. Allerdings sollten gerade Kleinanleger vorsichtig agieren. Der Schock über die Anschläge sitze nach wie vor tief. Deshalb könne noch nicht mit einer nachhaltigen Erholung gerechnet werden. Auch das Deutsche Aktieninstitut (DAI) glaubt nicht an eine rasche, dauerhafte Börsenerholung. Anlagestratege Matthias Joerss (Sal. Oppenheim) sagte, die Besonnenheit der Amerikaner beeinflusse die Aktienmärkte zwar positiv. Er rechne jedoch auch in nächster Zeit mit starken Schwankungen.

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