Rumsfeld reist nach Saudi-Arabien
USA bemühen sich um Partner in der Golfregion

Der US-Verteidigungsminister startete zu einem mehrtägigen Besuch in den Nahen Osten. Auch der britische Premierminister Tony Blair reist in die Region und wird in Pakistan erwartet.



ap WASHINGTON/ISLAMABAD. Angesichts des angedrohten Militärschlags gegen Afghanistan verstärken die USA und Großbritannien ihre diplomatischen Bemühungen in der Golfregion. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld reiste am Mittwoch in den Nahen Osten und nach Usbekistan. Der britische Premierminister Tony Blair will am Freitag Pakistan besuchen, wie in Islamabad aus Regierungskreisen verlautete. Die NATO rief erstmals in ihrer Geschichte den Bündnisfall aus. Zuvor hatten die USA laut NATO-Generalsekretär George Robertson Beweise für die Verwicklung Osama bin Ladens in die Anschläge vom 11. September vorgelegt. Rumsfeld flog zuerst nach Saudi-Arabien, anschließend wollte er nach Oman, Ägypten und Usbekistan weiterreisen. Ziel der Reise sei es, in der Region Unterstützung für den Kampf gegen den Terrorismus zu gewinnen, sagte er. Die «Washington Post» berichtete, Rumsfeld habe vor seinem Abflug 1 000 Soldaten einer Gebirgsjägerdivision nach Usbekistan und Tadschikistan beordert.

Die USA haben Truppen unter anderem in Saudi-Arabien, Bahrain und Kuwait stationiert. Die saudiarabische Regierung hat jedoch Vorbehalte gegen die Benutzung von Stützpunkten auf ihrem Gebiet für Angriffe gegen andere islamische Länder angemeldet. Blair wird nach Angaben pakistanischer Regierungskreise am Freitag in Islamabad erwartet. Blair habe um den Besuch gebeten, sagte ein Gewährsmann. Pakistan spielt eine Schlüsselrolle bei einer möglichen Militäraktion gegen Afghanistan, wo sich Bin Laden vermutlich versteckt hält. Blair forderte die Taliban am Dienstag auf dem Parteitag der Labourpartei in Brighton auf, den mutmaßlichen Terroristenführer auszuliefern. Andernfalls müssten sie mit ihrem gewaltsamen Sturz rechnen. Trotz der zunehmenden Hinweise auf einen baldigen US-Militärschlag und der eindeutigen Warnungen lehnten die Taliban erneut eine Auslieferung Bin Ladens ab. Der Vertreter der Miliz in Pakistan, Abdul Salam Saif, erklärte jedoch die Bereitschaft zu Verhandlungen mit den USA. US-Präsident George Bush bekräftigte derweil seine Warnung an die Taliban. Ohne die Auslieferung Bin Ladens und dessen Gefolgsleuten «wird es Konsequenzen geben», betonte er während eines Treffens mit Kongresspolitikern. Die NATO erklärte am Dienstag den kollektiven Verteidigungsfall für gegeben. Die USA hätten den Alliierten klare Beweise für die Verwicklung von Bin Ladens El Kaida vorgelegt, sagte Robertson in Brüssel. Alle Verbündeten hätten festgestellt, dass die Anschläge im Ausland geplant worden seien. Der Bündnisfall sieht einen Angriff auf einen Mitgliedsstaat als Angriff auf alle und enthält einen möglichen gemeinsamen Vergeltungsschlag.

Keine Anfrage an Bundesregierung für Militärbeistand

Der Bundesregierung liegen nach den Worten von Bundeskanzler Gerhard Schröder bislang keine konkreten Anfragen nach militärischem Beistand vor. Es sei noch nicht festgestellt, was konkret an Beistandspflicht gefordert werde, sagte Schröder am Dienstag. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe bemühte sich um die dem NATO-Rat vorgelegten US-Beweisdokumente. «Sollte sich aus diesen Unterlagen Neues ergeben, wird dies die Ermittlungen verändern», sagte Behördensprecher Hartmut Schneider. Bislang hätten die deutschen Fahnder keine Verbindung Bin Ladens zu den zeitweise in Hamburg lebenden Todespiloten gefunden.

Offenbar Anschläge auf US-Anlagen in Paris geplant

Unterdessen machten französische Justizbehörden Bin Laden für zwei geplante Anschläge auf US-Einrichtungen in Paris verantwortlich. Den Angaben zufolge gestand der 35-jährige Djamel Beghal bei einer Vernehmung in den Vereinigten Arabischen Emiraten, er sei dazu in Afghanistan von einem Vertrauten Bin Ladens, Abu Subajdah, angeworben worden. Beghals Anwalt Fabrice Dubest erklärte dagegen, sein Mandat habe einen konkreten Auftrag bei einer zweiten Vernehmung in Paris bestritten. Beghal sagte den Angaben zufolge in Dubai, es seien Attentate auf die US-Botschaft und ein amerikanisches Kulturzentrum in Paris geplant gewesen. Dem Plan zufolge sollte ein Tunesier, der am 13. September in Belgien festgenommen wurde, mit Sprengstoff am Körper in die US-Vertretung gelangen. Zudem sollte ein mit Sprengstoff beladener Lieferwagen vor einem Kulturzentrum zur Explosion gebracht werden. Für die Anschläge sei Geld von El Kaida auf einem Konto in Marokko deponiert worden. Nach seiner Auslieferung an Frankreich rückte Beghal laut Darstellung Dubests von der Aussage teilweise wieder ab. Sein Mandat bestreite, mit der Vorbereitung der Anschläge betraut worden zu sein. Auch das Treffen mit Subajdah bestätigte er nicht mehr. Gegen Beghal wurde ein formelles Ermittlungsverfahren eröffnet. Der Algerier mit französischem Pass war Ende Juli bei seiner Rückkehr aus einem afghanischen Trainingscamp der Organisation El Kaida mit einem falschen Pass festgenommen worden.

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