Rumsfeld will von Kriegspause nichts wissen: US-Soldaten graben sich vor Bagdad ein

Rumsfeld will von Kriegspause nichts wissen
US-Soldaten graben sich vor Bagdad ein

Angesichts des anhaltenden irakischen Widerstands haben US-Soldaten nach eigenen Angaben den Befehl erhalten, ihre Stellungen südlich von Bagdad zu befestigen und dort zunächst zu verharren.

HB/rtr/dpa BAGDAD. An einem Frontabschnitt sagten Militärvertreter am Sonntag der Truppe, die Pause könne zwischen 35 und 40 Tage dauern. Der Oberkommandierende der US-Truppen, Tommy Franks, wies Berichte über eine Kampfpause zurück. Franks schloss zugleich nicht aus, dass der Krieg bis zum Sommer dauern könne. Die Luftangriffe auf Bagdad wurden unvermindert fortgesetzt. Nach einem irakischen Selbstmordanschlag mit vier toten US-Soldaten raste am Sonntag in Kuwait der Fahrer eines Kleinlastwagens in einer Gruppe von US-Soldaten. Bis zu 15 Soldaten wurden verletzt.

Luftangriffe dauern an

Soldaten anderer Einheiten berichteten, sie sollten sich für mindestens zwei Wochen eingraben. Sie erklärten, sie würden Gräben ausheben, außerhalb ihrer Lager zur Absicherung Minen legen und Fahrzeuge mit Tarnnetzen überspannen. Die US-Luftwaffe werde in der Zwischenzeit ihre Angriffe auf irakische Stellungen fortsetzen. In der Nacht zum Sonntag wurde nach Angaben von US-Militärvertretern unter anderem ein Ausbildungslager der paramilitärischen Miliz Fedajin des irakischen Präsidenten Saddam Hussein angegriffen, das im Osten Bagdads vermutet wird.

Nach Kriegsbeginn am 20. März waren einige der US-geführten Einheiten rasch in Richtung Bagdad vorgestoßen, Berichten zufolge konnte der Nachschub jedoch nicht stets mit dem Tempo Schritt halten. Zudem wurden immer wieder irakische Angriffe auf die Transporte gemeldet. Nach Angaben von US-Präsident George W. Bush sind einige Einheiten weniger als 80 Kilometer von der stark befestigten irakischen Hauptstadt entfernt.

Ein CNN - Reporter, der eine Einheit der 7. US-Kavalleriedivision begleitet, berichtete am Montag, die Soldaten ständen immer noch rund 95 Kilometer vor der Hauptstadt und hätten seit Tagen kaum Geländegewinne gemacht. Sie lieferten sich Artillerieduelle mit gegenüber liegenden irakischen Soldaten. Diese hätten sich in Ortschaften und Städte zurückgezogen, was ihre Bekämpfung erschwere. Die Iraker hätten jedoch zunehmend Nachschub-Schwierigkeiten, weil die Versorgungswege von den Alliierten aus der Luft bombardiert würden.

Rumsfeld und Franks weisen Kriegs-Pause zurück

Sowohl Franks als auch US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wollten von einer Pause in dem Krieg nichts wissen. "Wir haben keine Pläne für Pausen oder Waffenstillstände", sagte Rumsfeld am Sonntag im US-Fernsehsender ABC. Im Sender Fox wies er zudem Vorwürfe zurück, er habe Empfehlungen von Militärstrategen verworfen, eine größere Zahl von US-Truppen und mehr militärisches Gerät für den Irak-Krieg bereitzustellen.

Franks sprach auf einer Pressekonferenz in Katar von "bemerkenswerten" Fortschritten seiner Truppe. Die Luftangriffe und der Vormarsch am Boden würden fortgesetzt. Auf die Frage, ob der Krieg bis zum Sommer dauern könne, entgegnete er: "Man kann es nicht wissen." Ähnlich hatte US-Generalstabschef Richard Myers zuvor reagiert. Dieser hatte in einem BBC-Interview gesagt, die Armee könne sich im Irak durchaus noch etwas Zeit lassen und hinzu gefügt, der härteste Teil des Kriegs stehe überhaupt erst noch bevor.

Heftige Explosionen in Bagdad

Die US-Streitkräfte haben ihre Luftangriffe auf die irakische Hauptstadt Bagdad sowie Städte im Norden des Iraks am Montag fortgesetzt. Unter anderem wurde die nordirakische Stadt Mosul angegriffen. Der arabische Fernsehsender El Dschasira berichtete, auch irakische Stellungen an der Grenze zum Kurdengebiet seien erneut bombardiert worden. Ein Langstreckenbomber vom Typ "B52" habe etwa 40 Kilometer von Mosul entfernt 20 Bomben abgeworfen.

Aus der irakischen Hauptstadt Bagdad wurden am Montag früh erneut heftige Explosionen gemeldet. Das Gros der Angriffe richtete sich gegen die Republikanische Garde im Süden Bagdads. Bombardiert wurden mutmaßliche Stellungen der Garde-Einheiten "Medina", "Hammurabi" und der "Bagdad-Divisionen". Zudem soll ein Geschäftszentrum in der Nähe des Informationsministeriums getroffen worden sein.

Insgesamt flogen die US-Streitkräfte nach Angaben des US-Senders CNN am Sonntag während des gesamten Tages 1800 Einsätze. In den vergangenen Tagen habe die durchschnittliche Einsatzzahl bei 1000 gelegen. Die Alliierten zerstörten weitgehend das Telekommunikationssystem. In weiten Landesteilen brach das Telefonnetz zusammen. Es sei dadurch unmöglich geworden, Informationen und beunruhigende Gerüchte aus den verschiedenen Regionen zu überprüfen, teilte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Bagdad mit.

Anschlag in Kuwait

In Kuwait, dem Hauptaufmarschgebiet der USA und Großbritanniens, fuhr nach Angaben aus US-Militärkreisen am Sonntag ein Angreifer gezielt einen Kleinlastwagen in eine Gruppe von US-Soldaten hinein. Zwischen zehn und 15 Soldaten seien verletzt worden, erklärte das US-Militär später. Die Hintergründe des Zwischenfalls würden noch untersucht. Nach dem Selbstmordanschlag am Samstag nahe Nadschaf hatte die irakische Führung den Attentäter gewürdigt und erklärt, die USA müssten mit weiteren Anschlägen rechnen. Die radikale Palästinensergruppe Islamischer Dschihad hat nach eigenen Angaben mehrere Selbstmordattentäter nach Bagdad entsandt.

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