Rumsfeld: Zahl von US-Soldaten in Afghanistan verdoppelt
Nordallianz verkündet wichtige Geländegewinne

Einen Monat nach Beginn der US-Luftangriffe auf Afghanistan haben die Oppositionstruppen wichtige Geländegewinne im Norden des Landes verkündet. Die Kämpfer der Nordallianz hätten drei bedeutende Bezirke aus der Hand der Taliban erobert, teilte ein Oppositionssprecher am Dienstag mit.

afp ISLAMABAD/KABUL. Die USA setzten die Bombardierung von Taliban-Frontstellung mit unverminderter Härte fort. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld verkündete, die USA hätten die Zahl ihrer Soldaten auf afghanischem Boden mehr als verdoppelt und wollten sie weiter aufstocken. Die Taliban ernannten laut einem Bericht des türkischen Nachrichtensenders NTV den Islamistenführer Osama bin Laden zum Oberkommandierenden ihrer Streitkräfte. Die Taliban-nahe Nachrichtenagentur AIP meldete nach einmonatigen US-Bombardements den Tod von insgesamt 633 Zivilisten.

Die Einnahme der drei nördlichen Distrikte Sari, Keschendeh und Ap-Kupruk stelle den größten Erfolg seit dem Beginn der US-Luftangriffe auf Taliban-Ziele dar, sagte Oppositionssprecher Mohammed Aschraf Nadim. Den Eroberungen nahe der strategisch wichtigen Stadt Masar-i-Scharif seien tagelange heftige Gefechte mit Unterstützung durch US-Bombardements vorausgegangen. Taliban-"Bildungsminister" Amir Khan Muttaki hatte zuvor noch von schweren Verlusten bei der Opposition berichtet. Sie habe acht Mal erfolgos versucht, Keschendeh und die Stadt Ak-Kupruk einzunehmen. "Die Moral unserer Kämpfer ist sehr hoch", betonte Muttaki.

Zum sechsten Mal binnen zehn Tagen bombardierte die US-Luftwaffe am Dienstag mutmaßliche Taliban-Stellungen an der Nordost-Front nahe der Grenze zu Tadschikistan. Wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete, griffen US-Kampfflugzeuge auch die Front nördlich von Kabul und südlich von Masar-i-Scharif an.

US-Konteradmiral John Stufflebeem bezeichnete es als "gutes Zeichen", dass die Feuerkraft der Taliban offensichtlich abgenommen habe. Nähere Angaben über die Verluste auf Seiten der Miliz machte er nicht. Das Vorrücken der Nordallianz zeige jedoch, dass die US-Angriffe auf die Taliban "die erwünschten Auswirkungen" hätten. Auch könnten sich Taliban und die Mitglieder von Bin Ladens Organisateion El Kaida nicht mehr frei im Land bewegen.

Die US-Elitesoldaten operierten inzwischen von vier Standorten in Afghanistan aus, teilte Rumsfeld mit. Ihre ursprüngliche Zahl könnte nach seinen Worten verdrei- oder vervierfacht werden. Offizielle Angaben über die Zahl der US-Soldaten in Afghanistan liegen nicht vor; Medienberichten waren es ursprünglich etwa hundert. Laut Rumsfeld sind die Sondereinsatzkräfte vorwiegend im Norden des Landes im Einsatz, wo die Nordallianz den Sturm auf Masar-i-Scharif und Kabul vorbereitet.

Unter Berufung auf islamistische Kreise in Pakistan berichtete der türkische Sender NTV am Dienstag, der aus Saudi-Arabien stammende Bin Laden und andere arabische Kämpfer in Afghanistan hätten ihren Einfluss weiter ausgebaut. Bisher hatten die Taliban Bin Laden als ihren "Gast" bezeichnet. Die USA betrachten ihn als den Hauptverantwortlichen für die Terroranschläge in New York und Washington vom 11. September.

Die Taliban erklärten, beim Abschuss eines Hubschraubers seien vier US-Soldaten getötet worden. Der Helikopter sei in der Nacht zum Montag über Pakistan abgestürzt, sagte ein Sprecher unter Berufung auf Anwohner. Bewaffnete Taliban-Kämpfer präsentierten in der Hauptstadt Kabul vor Einwohnern angebliche Wrackteile der Maschine. Dem Pentagon lag nach eigenen Angaben keine Meldung über den Verlust eines Hubschraubers vor.

AIP zufolge wurden seit Beginn der Bombardements am 6. Oktober insgesamt vier US-Militärmaschinen abgeschossen. Laut der Agentur, die sich auf eigene Recherchen berief, wurden bislang in dem Krieg 633 Zivilisten getötet und zwischen 800 und 1000 bei Angriffen verletzt.

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