Rumsfelds Nahostreise
Der lange Krieg gegen den Terror

"Wanted: Dead or Alive." Wenige Tage nach den Anschlägen vom 11. September hatte US-Präsident George W. Bush noch den Eindruck erweckt, als sei der Kampf gegen den Terroristen Osama Bin Laden ein Showdown in Wild-west-Manier.

WASHINGTON. Flankiert wurde diese scharfe Rhetorik durch den massiven Militäraufbau der Amerikaner am Persischen Golf. Harte Vergeltungsaktionen schienen nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

Doch das Bild hat sich gewandelt. Der Krieg gegen den Terror ist eine lange, mühsame und dornenreiche Angelegenheit. Wer zu schnell die Hand am Drücker hat, macht zwangsläufig Fehler. Diese Erkenntnis hat sich mittlerweile in der amerikanischen Regierung durchgesetzt. Ein übereilter Militäreinsatz gegen das Taliban-Regime in Afghanistan oder gar gegen den Irak wäre kontraproduktiv. Es würde den Terroristen in die Hände spielen, die den Westen in einen Kulturkampf gegen den Islam stürzen wollen.

Vor diesem Hintergrund hat die gegenwärtige Nahostreise von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld eine enorme politische Bedeutung. Der Pentagon-Chef weiß: Die Schlacht gegen den Terror kann nur mit einer breiten Koalition gewonnen werden. Deshalb wird er alles vermeiden, was in den arabischen Ländern polarisieren könnte. Rumsfelds vorrangige Aufgabe besteht in der möglichst lückenlosen Koordination der Geheimdienste. Denn im Krieg gegen einen unsichtbaren Feind ist Information der wichtigste Rohstoff. Hierauf muss jede Militäraktion aufbauen. Je zielgenauer sie ausfällt, desto höher die politische Legitimation. Und desto besser die Resonanz in der Öffentlichkeit.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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