Rund 150 000 Geräte stempeln noch in D-Mark
Frankiermaschinen-Hersteller schaffen Euro-Umstellung nicht

Die Hersteller von Frankiermaschinen fürchten, dass sie nicht rechtzeitig bis zum 1. Januar 2002 alle 270 000 Geräte in Deutschland auf den Euro umrüsten können. Ab diesem Stichtag muss das Porto in der neuen Währung auf s Kuvert gedruckt werden. Nur bei Briefmarken gilt eine Schonfrist bis zum 1. Mai 2002.

5.4.2001 DÜSSELDORF. "Aufträge, die nach Oktober eingehen, können wir nicht mehr bearbeiten", sagt Ulrich Willms, Marketingchef des Marktführers Francotyp-Postalia AG, Berlin. Denn bisher sind erst 52 % der Frankiermaschinen auf den Euro eingestellt. Bleiben rund 150 000, bei denen Techniker die alten DM-Stempel gegen solche mit Euro tauschen und das Guthaben umrechnen müssen. Schätzungen der sechs deutschen Fabrikanten zufolge sind dazu 125 Technikerjahre nötig.

Viele Kunden kümmern sich zu spät um die Umstellung ihrer Frankiermaschinen. "Wer nach Oktober ordert, muss im schlimmsten Fall mit Wartezeiten von bis zu drei Monaten rechnen", sagt Willms. Solange dürfen die Frankiermaschinen nicht mehr benutzt werden, weil sie nur DM kennen.

"Es gibt immer noch Kunden, die nicht zu glauben scheinen, dass der Euro wirklich kommt", frotzelt Peter Stitteneder, Vertriebsleiter des drittgrößten Frankierer-Herstellers in Deutschland, der Ascom Hasler GmbH im bayerischen Olching. Immerhin liegen der Branche inzwischen für gut die Hälfte der unerledigten Fälle Aufträge vor, sagt Stitteneder. Die Deutsche Post AG hat seit Anfang 1999 mehrmals alle Benutzer von Frankiermaschinen gewarnt, dass am 1. Januar 2002 Schluss ist mit gedrucktem DM-Porto - insgesamt verschickte sie vier Rundbriefe. In der Woche nach Ostern soll der vorerst letzte Appell an Deutschlands Büros gehen.

50 DM für jede umgerüstete Maschine

Wer rechtzeitig umstellt, wird belohnt: Bis zum 31. Dezember gibt die Post 50 DM für jede umgerüstete Maschine. Damit war die Umstellung dem Konzern bislang deutlich über 7 Mill. DM wert. Branchenkenner halten das für Imagepflege zum Börsengang. Schließlich war der gelbe Riese nicht annähernd so großzügig, als er 1993 die neuen Postleitzahlen einführte. Noch einmal 50 DM geben die Hersteller der Frankiermaschinen dazu, als "Frühbucherrabatt". Die Umrüstung, die zwischen 700 und 1 000 DM kostet, wird so um bis zu 10 % günstiger.

Außerdem lässt sich an Rundungsdifferenzen sparen, weil man schon heute in Euro frankieren und trotzdem weiter DM an die Post zahlen kann: Bei Standardbriefen - rund 80 % der Sendungen - fällt pro Kuvert rund ein halber Pfennig ab, bei Kompakt- und Großbriefen ein Pfennig: "Wer 100 000 Standardbriefe in Euro frankiert, spart 473,52 DM", rechnet Wilhelm Hübner vor, Vorsitzender des Verbands der Postbenutzer.

Die Hersteller hoffen natürlich auch, neue Maschinen zu verkaufen. Francotyp-Postalia erwartet eine Wiederholung des Booms von 1993, als die neuen Postleitzahlen kamen. Damals verzeichnete der Marktführer 48 % mehr Aufträge und einen Rekordgewinn von 9,5 Mill. DM.

Auch die Post will von der Euro-Umstellung profitieren. Ihr neuestes Produkt, das Frankieren per Personal Computer und Drucker, soll leichter in den Markt finden: "Viele Unternehmen werden gar nicht erst ihre Frankiermaschinen umstellen, sondern gleich auf PC-Frankierung umsteigen", sagt Post-Sprecher Jürgen Blohm. "Wir hoffen es zumindest."

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