Rund 2 000 Polizisten sind im Einsatz
Weltklimakonferenz beginnt mit Aufruf zur Einigung

Mit Beratungen auf Arbeitsebene hat am Montag in Bonn die Weltklimakonferenz begonnen, auf der Repräsentanten von rund 180 Staaten zwei Wochen lang über die Umsetzung des Kyoto-Protokolls ringen werden. Der Präsident der Konferenz, der niederländische Umweltminister Jan Pronk, forderte die Teilnehmer auf, alles zu tun, um die Differenzen beizulegen.

Reuters BONN. Nach vier Jahren Arbeit müsse nun unbedingt eine Einigung gefunden werden. Am Donnerstag wird eine feierliche Zeremonie die Verhandlungen auf Ministerebene einleiten. Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) kritisierte erneut die ablehnende Haltung der USA. "Es gibt ein großes Maß an Fragwürdigkeit der US-Politik", sagte Trittin im ARD-Morgenmagazin.

Auch wenn es sich bis Donnerstag lediglich um Gespräche auf Arbeitsebene handle, sollten die Beamten ihren Ministern doch nur die schwierigsten Probleme übrig lassen, forderte Pronk. Entgegen früheren Planungen eröffnete Pronk die Konferenz bereits am Montag förmlich. Dies solle den Gesprächen auf Arbeitsebene stärkeren Nachdruck verleihen, sagte er. Zunächst war geplant gewesen, die Gespräche erst am Donnerstag offiziell zu eröffnen.

Trittin sagte, die USA wollten anderen ihren Weg aufzwingen. Dies werde aber nicht gehen. Vor Beginn der Vorgespräche lasse sich nicht sagen, ob es zu einer Einigung auf eine verbindliche Vereinbarung kommen werde. Sollte Japan allerdings bei seiner neuerdings sehr zurückhaltenden Haltung bleiben, könne dies sehr schwierig werden. "Japan war Geburtshelfer in Kyoto und könnte zum Totengräber von Bonn werden."

Nach dem Rückzug der USA, die so viel Treibhausgase produzieren wie kein anderes Land, steht die Vereinbarung von Kyoto auf der Kippe. Alles hängt nun davon ab, ob Russland und Japan zustimmen. Andernfalls kann das Abkommen zur Senkung des Ausstoßes von Treibhausgasen in den Industrieländern nicht in Kraft treten.

Bis zu 6 000 Vertreter aus etwa 180 Nationen werden sich in den kommenden zwei Wochen mit der Frage beschäftigen, wie das Klimaprotokoll von Kyoto gerettet werden kann. Nach den Beratungen auf Arbeitsebene unter der Leitung Pronks wird das Treffen am Donnerstag förmlich eröffnet. Am gleichen Abend laufen die Verhandlungen auf Ministerebene an, die spätestens bis zur Nacht von Sonntag auf Montag abgeschlossen sein sollen.

Im japanischen Kyoto hatten die Industriestaaten sich 1997 im Klimaschutz erstmals konkrete Ziele gesetzt: Danach soll der Ausstoß der sechs wichtigsten Treibhausgase bis 2012 um 5,2 % im Vergleich zu 1990 reduziert werden. Streit herrscht seither jedoch darüber, mit welchen Mitteln dies erreicht werden soll. Zu den offenen Verhandlungspunkten zählen der Handel mit Schadstofflizenzen, die Anerkennung von Wäldern als Beitrag zur CO²-Reduktion und die Frage, in welchem Umfang Industrieländer ihren Beitrag durch Projekte im Ausland erbringen dürfen.

Rund 2 000 Polizisten aus ganz Nordrhein-Westfalen sollen in Bonn im Einsatz sein, um gewalttätige Proteste wie bei jüngsten internationalen Treffen in Göteborg oder Salzburg zu verhindern. Mit Straßenschlachten rechnete die Polizei nach Angaben eines Sprechers allerdings nicht, weil die gewaltbereite Szene voraussichtlich eher zum parallel stattfindenden Weltwirtschaftsgipfel nach Genua fahren werde.

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