Rund 35 Anbieter in Deutschland
Medienfonds leiden unter Steuerrecht

"Werden sie Partner der Hollywood-Stars" umwerben Anbieter von Medienfonds die Anleger. Die Aussicht, Mitunternehmer von Arnold Schwarzenegger bei "Terminator 3" oder von Pierce Brosnan bei "Evelyn" zu werden und von den Erfolgen der Kinostreifen zu profitieren, haben viele Investoren gelockt. Medienfonds gelten zudem als steuersparendes Investment, das in der Spitze zweistellige Renditen verspricht. Nach einem Boom des Anlagevolumens in den vergangenen Jahren leiden die Medienfonds inzwischen aber unter der Branchenschwäche und unter steuerrechtlicher Unsicherheit.

Reuters FRANKFURT. Im Jahr 2000 hatte sich das in Medienfonds angelegte Kapital in Deutschland noch auf 2,1 Milliarden Euro verdoppelt. 2001 stagnierte das Volumen aber bereits und für das laufende Jahr rechnet der Verband Deutscher Medienfonds mit einer Halbierung auf rund eine Milliarde Euro. "Ich denke ernsthaft, dass es auch danach noch weiter runter gehen wird", sagt Verbandschef Michael Oehme. Die Ursache sieht er vor allem in einem Erlass-Entwurf der Bundesregierung zur Änderung von Steuervorteilen aus der Geldanlage in geschlossene Medienfonds, gegen den sich der Verband heftig wehrt.

Medienfonds gehören zum grauen Kapitalmarkt

Rund 35 Medienfonds-Anbieter in Deutschland werben um das Geld der Investoren, um es in Film- und TV-Produktionen zu investieren. Die Anleger werden dabei steuerrechtlich als Hersteller betrachtet, die die Kosten der Produktion bis zu 100 Prozent abschreiben können. Erst, wenn die Verwertung der Filme im Kino, Video und Fernsehen anläuft, werden Gewinne erzielt. Durch so genannte Minimumgarantien der Vertriebspartner, die Filme in einzelnen Ländern schon vorverkaufen, kann Geld aber schon früh an die Anleger zurückfließen. Erfolgreiche Medienfonds können nach Verbandsangaben über ihre Laufzeit durchaus eine jährliche Rendite von zehn Prozent erzielen.

Der Anleger geht allerdings das Risiko ein, dass die Filme an den Kinokassen floppen - auch wenn die einzelnen Fonds zumeist in mehrere Produktionen investieren, um solche Ausfälle mit Einnahmen aus anderen Filmen zu kompensieren. Zudem gehören Medienfonds zum "Grauen Kapitalmarkt" und unterliegen nicht wie Investmentfonds einer staatlichen Aufsicht.

Steuervorteile in Frage gestellt

Mit einem Erlass-Entwurf stellt das Bundesfinanzministerium die Steuervorteile für Filmfonds nun in Frage. Im Grunde hätten die Anleger gar keinen Einfluss auf die Filmproduktionen und Geschäftsentscheidungen und seien damit keine Hersteller von Filmen, sondern Erwerber von Filmrechten, lautet die Argumentation des Ministeriums. Als solche können die Anleger ihre Investments nur noch über 50 Jahre abschreiben. Anleger, die noch bis zum Jahresende 2002 in einen Medienfonds investieren, kommen aber auf jeden Fall noch in den Genuss der alten Steuervorteile.

Der Verband Deutscher Medienfonds fordert die Rücknahme des Entwurfs. "Das ist eine Verdrehung des Steuerrechts, um vermeintliche Steuerschlupflöcher zu schließen", sagt Oehme. Der Verband arbeite derzeit an Fondsmodellen, mit denen mehr Geld in die deutsche und europäische Filmindustrie fließen soll.

Eine Kritik an den Filmfonds lautet, mit dem Geld deutscher Anleger würden vor allem Hollywood-Filme finanziert statt die deutsche Filmindustrie zu fördern. "Rund 70 Prozent der Mittel werden in den USA investiert", sagt Verbandschef Oehme. In der Traumfabrik würden aber auch die meisten Filmhits produziert.

Dennoch weist Marco Mehlitz, Filmproduzent bei Cinerenta, den Vorwurf zurück: Vielleicht werde nicht der ganze Film in Deutschland produziert, aber einzelne Dienstleistungen und Produktionsschritte würden immer mehr auch in deutschen Studios gemacht. "Filmfonds sind im Nebeneffekt eine zweite Förderung für die deutsche Filmwirtschaft", sagt Mehlitz. Am Dienstag gab Cinerenta zudem eine Kooperation mit dem Berliner Studio Babelsberg bei Filmprojekten für den nächsten Fonds bekannt.

Die Kaufbeuer Victory Media AG produziert ihre TV- und Kinofilme fast ausschließlich in Europa. "Hollywood hat 80 Jahre Erfahrung im Abzocken internationaler Anleger. Ich kann in Europa die gleiche Qualität zu niedrigeren Preisen haben", sagt Victroy-Chef Franz Landerer. Auch sein Unternehmen merkt die Verunsicherung der Anleger und die wirtschaftliche Krise der TV-Sender, die mit einem Einbruch der Werbeeinnahmen zu kämpfen haben. "Langsam spüren wir aber sogar, wie es wieder aufwärts geht", fügt er hinzu.

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