Archiv
Rund 60 Tote bei Gazastreifen-Offensive

Eine der härtesten israelischen Offensiven im Gaza-Streifen hat allein bis Sonntag etwa 60 Palästinensern das Leben gekostet.

dpa TEL AVIV/GAZA. Eine der härtesten israelischen Offensiven im Gaza-Streifen hat allein bis Sonntag etwa 60 Palästinensern das Leben gekostet.

Am fünften Tag der Operation "Tage der Buße", traf die israelische Luftwaffe mit einem gezielten Raketenangriff drei Palästinenser in Bet Chanun, die gerade eine Kassam-Rakete auf israelisches Gebiet abgefeuert hatten. Vier Palästinenser wurden in Dschabalia getötet, als sie nach Angaben der Armee eine Panzerabwehr- Rakete auf die Truppen abschießen wollten. Nach palästinensischen Angaben war unter den Toten hingegen auch ein unbeteiligter Taubstummer.

Israels Ministerpräsident Ariel Scharon verschob wegen der zeitlich unbegrenzten Militäroperation eine für Mitte des Monats geplante Reise nach Deutschland und in die Niederlande. Am Samstag waren zwölf Palästinenser ums Leben gekommen. Auf israelischer Seite starben fünf Menschen, darunter zwei Kleinkinder bei einem Raketenangriff auf die Stadt Sderot. Die israelischen Truppen richteten am Wochenende eine neun Kilometer breite Pufferzone am Rande des Flüchtlingslagers Dschabalia ein, um den Abschuss von Kassam-Raketen auf israelisches Gebiet zu verhindern.

Scharon wies die Armee zu einem härteren Vorgehen an. Er sagte israelischen Medien, die Offensive sei zeitlich unbegrenzt und werde andauern, bis der Raketenbeschuss israelischer Grenzorte unterbunden werden könne. Er habe die Armee angewiesen, alle "notwendigen und möglichen Maßnahmen" zu ergreifen, um die palästinensischen Raketenangriffe auf Israel ein für alle Mal zu beenden, sagte Scharon. Die augenblickliche Situation sei nicht mehr tragbar. Es sei nötig, die Operationsgebiete so weit auszudehnen, dass israelisches Gebiet nicht mehr in der Reichweite palästinensischer Raketen liege.

Aus israelischen Militärkreisen verlautete, der Einsatz könne mehrere Wochen dauern. Sprecher der radikal-islamischen Hamas - Bewegung kündigten eine Verschärfung der Angriffe mit Raketen an.

Die Zahl der Toten wurde von beiden Seiten unterschiedlich beziffert. Seit Beginn der Offensive in der Nacht zum Mittwoch kamen nach Angaben der Armee mehr als 50 bewaffnete Palästinenser ums Leben. Palästinensische Krankenhauskreise berichteten am Sonntag von 67 Toten. Nach palästinensischer Darstellung handelt es sich nur bei weniger als der Hälfte der Toten um militante Palästinenser. Die anderen seien unbeteiligte Zivilisten.

Palästinenserpräsident Jassir Arafat forderte am Samstag nach einer Dringlichkeitssitzung seines Kabinetts in Ramallah die Einberufung des Weltsicherheitsrats. Arafat nannte die israelische Offensive "barbarisch" und "kriminell". Der palästinensische Verhandlungsminister Sajeb Erekat forderte die Europäische Union am Sonntag zum Eingreifen auf. "Die fehlende Reaktion der Weltgemeinschaft führt dazu, dass Scharon diese Operation nach seinem Gutdünken fortsetzen kann", kritisierte Erekat und warnte vor einem "Massaker" im Gazastreifen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%