Rund 700 000 Griechen lesen regelmäßig Bücher
Gastland Griechenland liebt Umberto Eco

Für Bücherfreunde scheint die Athener Innenstadt ein Paradies zu sein. Entlang der rund zwei Kilometer langen Solonos-Straße ist nahezu jedes dritte Geschäft eine Buchhandlung. Literatur, Sachbücher, antike Literatur, Kinderbücher, Technik und Wissenschaft, Esoterik, Geschichte - alles, wovon der Buchfreund träumt, ist in den unzähligen Buchhandlungen zu finden.

dpa ATHEN. Ein zweites Bücherparadies, hat sich in einer Passage an der Universitätsstraße gegenüber der Bibliothek gebildet, die "Stoa tou Vivliou" (Arkade des Buches). Mehr als 80 Buchverleger präsentieren dort ihre Ware.

Landesweit gibt es nach Angaben des griechischen Verbandes der Buchhändler 2000 Buchhandlungen und 3500 Buchverkaufsstellen, etwa in Schreibwarenläden oder Supermärkten. Doch die Vielzahl der Buchhandlungen trügt. Nur 200 Händler verkaufen ausschließlich Bücher. Der Rest kann anscheinend vom Buchverkauf allein nicht überleben, denn der Anteil der Leser an der Bevölkerung beträgt nur rund 38 %. Damit stehen die Griechen an letzter Stelle in der EU. Einer Umfrage des Nationalen Griechischen Buchzentrums zufolge liegt die Zahl regelmäßiger Buchleser bei nur rund 700 000. Viele gelegentliche Leser greifen zu "praktischen" Büchern wie Ratgebern oder Nachschlagewerken oder nutzen Bücher nur für berufliche Zwecke.

Griechen gaben im Jahr 2000 12 % mehr Geld für Bücher aus

Rund 80 Verlage, die mindestens zehn Bücher im Jahr herausgeben, kämpfen auf dem griechischen Buchmarkt um Marktanteile. Es handelt sich in der Regel um kleine und mittlere Betriebe. Allerdings zeichnet sich allmählich ein Strukturwandel mit beginnender Konzentration ab. Die größten zehn Verlage bringen inzwischen rund 36 % der jährlich erscheinenden Bücher auf den Markt. Das waren im vergangenen Jahr rund 6500 Titel. Damit hat sich die Zahl nach Angaben des Direktors des Nationalen Griechischen Buchzentrums, Christos Lazos, in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt.

Laut Statistik haben die griechischen Haushalte im Jahr 2000 gut 12 % mehr Geld für den Kauf von Büchern ausgegeben als 1996. Verglichen mit der ersten Hälfte der 90er Jahre bedeutet dies jedoch eine Verlangsamung des Wachstums. Damals lag die jährliche Steigerungsrate bei fast 33 %. Um Bücher mit geringer Auflage zu ermöglichen, hat Griechenland 1998 die Buchpreisbindung eingeführt. Seitdem sind Literaturtitel um rund zwei Prozent billiger geworden. Knapp zwei Drittel der Belletristik sind Übersetzungen, vor allem aus dem englischsprachigen Raum.

Umberto Eco`s "Baudolino" ist Griechenlands Buchhit des Jahres

Der Buchhit dieses Jahres in Griechenland ist das neue Umberto Eco-Buch "Baudolino". Es steht seit Wochen auf der Bestsellerliste. Auch zwei griechische Titel laufen sehr gut. Es handelt sich um die zweibändige "Geschichte des griechischen Bürgerkrieges 1946-1949" des Historikers Giorgos Margaritis und einen Roman des erfolgreichsten griechischen Schriftstellers der letzten 20 Jahre, Menis Koumandareas, mit dem Titel "Zwei Mal Grieche".

Interessant ist der Bereich Antike. Hier ist in Griechenland vor allem der Verlag Kaktos erfolgreich. In den vergangenen 15 Jahren veröffentlichte Kaktos nahezu alle Titel der griechischen Antike. Aristoteles, Herodot, Thukydides, Platon, aber auch Sophokles und Aristophanes können die Neugriechen auf der linken Seite des Buches im Originaltext und auf der rechten Seite in Neugriechisch lesen. Da Altgriechisch in den letzten drei Klassen der Gymnasien Pflichtfach ist, können viele Griechen den Originaltext lesen.

An der Frankfurter Buchmesse nehmen rund 70 griechische Buchverleger teil. "Das ist sechs Mal mehr als in den letzten Jahren", sagt der Präsident des griechischen Buchverlegerverbandes, Titos Milonopoulos. Den Auftritt auf der Buchmesse wollen die Verleger als günstige Gelegenheit nutzen, ihre Bücher auf dem europäischen Markt bekannt zu machen. Allein zu diesem Zweck wurden in den vergangenen Monaten 60 Titel ins Deutsche übersetzt.

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